Wann immer bei der Deutschen Bahn das Chaos ausbricht, muss sich der Konzern einen Vergleich gefallen lassen: Im kleinen Nachbarland Schweiz läuft alles viel besser. Dort macht das Bahnfahren Spaß. Man benötigt kaum einen Fahrplan, weil die Züge im Stunden- und Halbstundentakt verkehren. Und zwar pünktlich. Am Zielort wartet bereits der nächste Anschluss, egal ob Bahn, Postbus oder Standseilbahn. Der Taktfahrplan der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) verzahnt alle Verkehrsträger miteinander.

Im Gegensatz zu Deutschland baut die Schweiz nicht auf superschnelle Cityverbindungen, sondern auf den Anschluss quasi jeden Milchkannen-Stellplatzes ans Netz. Es gibt für alle Orte mit mehr als 100 Einwohnern ein Grundrecht auf Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr.

„In vielen Punkten international führend“

Sicher, auch die Schweizer nörgeln dann und wann über die SBB. Aber in Wahrheit lieben sie ihre Staatsbahn. Unter dem Motto „Die Schweizer Bahnen dem Schweizer Volk“ hatte sich das Land 1897 für die Verstaatlichung der Eisenbahn ausgesprochen. Nach einer Volksabstimmung Ende der 1980er-Jahre ist der bevorzugte Ausbau der Eisenbahn gegenüber der Straße in der Verfassung verankert. Parallel dazu wurde 2001 eine Schwerverkehrsabgabe für Lkw ab 3,5 Tonnen – in Deutschland gilt die Lkw-Maut ab zwölf Tonnen – eingeführt.

Die Milliarden-Einnahmen fließen zu zwei Dritteln in den Ausbau des staatlichen Schienennetzes. Ganz anders verlief etwa die Entwicklung in Großbritannien. Dort wurde das Schienennetz privatisiert, mit der Folge, dass der Besitzer kaum investierte. Das Netz verkam und eine Reihe von schweren Bahnunglücken erschütterten das Land. Schließlich kaufte der Staat das Netz wieder zurück.

Ganz anders die Entwicklung in der Schweiz: „Die SBB ist heute in vielen Punkten international führend“, sagt der Chef des Bündnisses Allianz pro Schiene, Dirk Flege: beim Netzausbau, im Service, in der Pünktlichkeit oder im Umweltschutz.

Der Staat hat bewiesen, dass er es kann. Kein Volk der Welt fährt heute mehr Bahn als die Schweizer. Die Zahl der SBB-Kunden stieg seit 2003 von 251 Millionen auf 354 Millionen. Schon diskutieren die Schweizer über einen neuen Taktfahrplan – der soll bis 2030 reichen.