Berliner haben in diesem Jahr bislang rund 150.000 hochallergene Ambrosia-Pflanzen gefunden und 50.000 Stück entfernt. Zudem habe es 70 Fundmeldungen gegeben, sagte der Meteorologe Thomas Dümmel (Freie Universität) vom Berliner Aktionsprogramm gegen Ambrosia. „In Jahren, in denen richtig gesucht wurde, hatten wir bis zu 1400 Meldungen.“ Dass nicht alle Funde entfernt werden, liege daran, dass die nötige Technik nicht vorhanden sei.

Die Symptome der Ambrosia-Allergie sind ähnlich wie bei Heuschnupfen, aber die Ambrosia kann auch Asthma hervorrufen oder Hautreaktionen bei Kontakt mit der Pflanze. Ambrosia plagt nicht nur Allergiker, sondern auch Landwirte, da es durch die Verbreitung auch zu Ernteeinbußen kommt.

Auch in Brandenburg ist die Pflanze stark verbreitet, vor allem im Süden. Dümmel zufolge wurden 150 Funde gemeldet mit insgesamt rund vier Millionen Ambrosia-Pflanzen. Nur ein Bruchteil sei allerdings auch beseitigt worden. Alle Meldungen laufen im Berlin-Brandenburger Ambrosia-Atlas, einer Internetdatenbank, zusammen. Arbeitslose und Freiwillige helfen als sogenannte Ambrosia-Scouts, das Problem zu bekämpfen.

Lage in Adlershof besonders dramatisch

In Berlin sei die Lage in Adlershof besonders dramatisch, sagte Dümmel. Auf den Brach- und Grünflächen in der Nähe der Hochschulgebäude seien in diesem Jahr wieder Millionen von Ambrosia-Pflanzen gewachsen. „Hier ist alles verseucht, selbst die Wiesen vor Uni-Gebäuden, die als Begrünung gedacht sind. Ich möchte nicht wissen, wie viele Allergiker daraus hervorgehen“, sagte er.

Adlershof liegt in Treptow-Köpenick. Der Bezirk hat keine Ambrosia-Scouts - Langzeitarbeitslose, die die Pflanzen systematisch suchen und vernichten. Scouts gab es 2015 Dümmel zufolge nur noch in Reinickendorf, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg. Letzterer sei der am besten durchsuchte und bereinigte Bezirk Berlins.

„Das Thema Ambrosia hat bei uns keine so hohe Priorität, dass ein Projekt beim Jobcenter beantragt werden müsste, zumal unser Bezirk sehr wenig Chancen hat, Projekte genehmigt zu bekommen“, erklärte die Leiterin des Straßen- und Grünflächenamtes, Ingrid Lehmann, mit Blick auf die Scouts. Im Bezirk gebe es aber durchaus Fachleute, die die Pflanzen beseitigten, ergänzte Mitarbeiterin Almuth Walther. „Es ist nicht so, dass nichts getan wird“, betonte sie.

Ambrosia wegen Bauarbeiten stark verbreitet

„Allein die Tatsache, dass für Treptow-Köpenick viele Daten zu Ambrosia-Vorkommen vorhanden sind, ist noch kein Beweis, dass in unserem Bezirk auch ein höheres Vorkommen an diesen Pflanzen hat als andere Bezirke“, sagte Lehmann. Vielleicht habe es hier nur viele aufmerksame Bürger gegeben, die ihre Beobachtungen mitgeteilt haben.

In Adlershof hatten an einem Aktionstag im Juni etwa 50 freiwillige Helfer Tausende Ambrosia-Pflanzen ausgerissen. „Die Anwohner waren schockiert von der Masse an Pflanzen“, sagte Dümmel. Doch die Aktion sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Die allergene Ambrosia sei ein Gesundheitsproblem und kein Problem der Gärtner. „Es gibt bisher keine Anordnung der Gesundheitsverwaltung, Ambrosiapflanzen zu beseitigen“, betonte Lehmann.

Dümmel zufolge gibt es immerhin ein Empfehlungsschreiben aus der Gesundheitsverwaltung. Das Schreiben einer Abteilungsleiterin solle Beschäftigungsträgern helfen, Mittel für Scouts bei den Jobcentern zu beantragen. Auf höchster Ebene habe sich die Verwaltung allerdings noch nicht entsprechend engagiert, bedauerte Dümmel.

Besonders problematisch ist dem Wissenschaftler zufolge die mehrjährige Ambrosia-Pflanze, da sie sich nur schwer ausrotten lasse. Ursache für die starke Verbreitung sind Bauarbeiten, bei denen mit Samen belastete Erde bewegt wird. (dpa)