Berlin - Vor elf Jahren stand der Restaurantbetreiber und Caterer Frederic Sternitzky vor einer Entscheidung. Er betrieb das Gewerbeparkrestaurant Georg Knorr in Lichtenberg und den Catering-Service Mr. Cusine und beide liefen bereits nach einem Jahr so gut, dass er einen weiteren Mitarbeiter suchte. „Und dann kam der erste ins Team“, so sagt Sternitzky. Der erste Mitarbeiter mit Handicap. „Das war genau die richtige Entscheidung für das Unternehmen“, weiß Sternitzky heute. Mittlerweile sind fünf von insgesamt elf  Mitarbeitern schwerbehindert.

Dabei gelten für Sternizky gar keine Quoten. In Deutschland sind erst Arbeitgeber, die mehr als 20 Beschäftigte haben, angewiesen, wenigstens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Tun sie das nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen.

Loyale Mitarbeiter

Warum stellt Sternitzky Behinderte ein? „Sie arbeiten zielstrebiger und mit Herz“, sagt er. Sie seien loyal und gingen nicht einfach nach Hause, bevor die Arbeit nicht ganz erledigt sei. „Was nützt mir ein junger Mann, der statt 52 Wochen im Jahr nur 48 zur Arbeit kommt“, sagt er. „Ich profitiere in allen Belangen.“

Für seine Einstellung erhielt Sternitzky am Freitag im Berliner Abgeordnetenhaus den Inklusionspreis 2016 in der Kategorie Kleinunternehmen. Verliehen wurde er von Elke Breitenbach, der neuen Senatorin für Arbeit und Soziales. „In ihrer Firma fand ein Einzug der inklusiven Arbeitswelt statt, als die Behindertenrechtskonvention noch eine Idee war“, lobte Breitenbach den 46-jährigen Unternehmer.

Zu viel Bürokratie

In drei weiteren Kategorien wurde der Preis verliehen: Den Sonderpreis erhielt die Bundestagsverwaltung des Deutscher Bundestags, in der Kategorie mittelständisches Unternehmen bekam die METRO Cash & Carry Deutschland GmbH die Auszeichnung, die Deutsche Bahn Energie GmbH erhielt in der Kategorie Großunternehmern den Zuschlag. Alle Preise sind jeweils mit 10.000 Euro dotiert.

Sternitzky ist stolz auf die Auszeichnung. Er hat in seiner Dankesrede auch einen Verbesserungsvorschlag unterbreitet. Denn vielleicht würden noch mehr Kleinbetriebe Menschen mit Handicap einstellen, wenn nicht so viel bürokratische Schritte nötig wären, um eine Gleichstellung zu ermöglichen. Viel zu viele Formulare müssen ausgefüllt werden. „Das muss vereinfacht werden“, sagt Sternitzky. 

In seinem Betrieb arbeiten Menschen mit Hörschäden und chronisch erkrankte Menschen. Für sie wurde der Arbeitsplatz schrittweise ausgestaltet. Beispielsweise hat wurde für den Kraftfahrer, der chronisch am Herzen erkrankt war, das Auto umgebaut. Es gibt einen speziellen Handknauf, Außenspiegel und die Rampe in der Firma wurden so hergerichtet, dass er die Waren besser ein- und ausladen kann. Für die gehörlose Angestellte  in der Küche wurde an der Spüle eine Lampe angebaut, damit sie bemerkt, wenn diese aus irgendeinem Grund ausfällt.

Von insgesamt 170.874 Arbeitslosen in Berlin sind 8806 schwerbehindert (Stand November 2016). Obwohl viele der arbeitslosen Schwerbehinderten sehr gut qualifiziert seien,  zahlen immer mehr Firmen in letzter Zeit die Ausgleichsabgabe. „Es gibt leider immer noch zu viele Vorurteile, die eine Behinderung mit Leistungsminderung gleichsetzen und zu wenig Arbeitgeber, die Menschen mit einer Behinderung einstellen“, sagt Dennis Hoffmann, stellvertretender Pressesprecher der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit.