Die Aufregung um Zwischenfälle an der Berliner Polizeiakademie war und ist groß. Bislang ging es um 16-jährige Polizeianwärter, die ihren Gastdozenten dermaßen aus der Fassung gebracht haben, dass der eine Wut-Nachricht formulierte, die sich wie ein Lauffeuer verbreitete und schließlich beim Polizeipräsidenten landete. 

„Der Klassenraum sah aus wie Sau, die Hälfte Araber und Türken, frech wie Sau, dumm, konnten sich nicht artikulieren“, so lauten Teile des Wortlauts der Nachricht. Der Polizist schrieb, er habe „wirklich Angst vor denen, ich glaube, die Ausbilder auch, denn wenn sie die rauswerfen, dann stehen die vor der Tür und machen die Autos kaputt.“

Anonymer Brief aus dem LKA

Am Donnerstag wurden weitere Vorwürfe bekannt. So liegt der Berliner Zeitung der anonyme Brief eines anderen Polizisten an Polizeipräsident Klaus Kandt vor, in dem er schreibt, dass die Polizei sich inzwischen für die kriminellen Clans arabischen Familien geöffnet habe. „Bewerber aus diesen Großfamilien werden – trotz Strafakte – in der Polizei angenommen.“ Es sei ein Wesenszug der Organisierten Kriminalität, dass sie staatliche Organe unterwandere. Weiter heißt es: „Hier steht zweifelsohne bereits im Raum, dass diese Unterwanderung der arabischen Großfamilien bereits begonnen hat.“ Der Autor behauptet, dass dies mit Wissen der Polizeiführung erfolgt sei.

Die „Welt online“ berichtet, dass es an der Akademie erhebliche Probleme mit Schülern aus Zuwandererfamilien gebe. Die Zeitung beruft sich auf ein ihr vorliegendes internes Papier einer Besprechung der Polizeiführung vom August. Darin geht es um den „herablassenden Umgang mit weiblichen Angestellten wie Putzfrauen“ und Defizite im Berufsethos. Manche Bewerber könnten nicht schwimmen, obwohl das Voraussetzung für die Einstellung sei. In einem Papier wird auch das Nichtbeherrschen der deutschen Sprache als K.o.-Kriterium gewertet. Sprecher Thomas Neuendorf sagte im RBB: „Trotzdem müssen wir feststellen, dass für die komplexen Aufgabengebiete noch weitergehende Deutschkenntnisse wünschenswert sind. Und deshalb wird an der Schule auch Deutsch-Nachhilfe angeboten.“ Er bestätigte auch, dass es Anwärter gebe, die zuvor mit Straftaten aufgefallen seien. Da müsse „im Einzelnen geprüft werden, ob jetzt trotzdem eine Eignung vorliegt“. Eine automatische Ablehnung sei nach Einschätzung der Verwaltungsgerichte nicht möglich. Er räumte er ein, dass sich „gerade im Bereich der Disziplin, des Respektes, der gegenseitigen Rücksichtnahme hier nicht alle so verhalten, wie wir uns das vorstellen“.

Zu dem Fall mit der Wut-Nachricht des Ausbilders sagte Neuendorf der Berliner Zeitung, der Gastdozent habe zum ersten Mal vor einer Klasse gestanden und befand sich „eindeutig in einer überforderten Situation“. Stein des Anstoßes sei ein Schüler gewesen, der mit Baseballmütze und der darüber gezogenen Kapuze in der Klasse gesessen habe. Als der Dozent ihn zur Rede stelle, sei der Schüler ausfällig und frech geworden. Bei dem Schüler soll es sich um einen 16-Jährigen handeln, der seit zwei Wochen an der Akademie ist. Polizeisprecher Neuendorf sagte: „Wir brauchen Schüler, die einen vernünftigen Umgang mit Vorgesetzten und Klassenkameraden pflegen.“

Bislang nichts Handfestes

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist der Vorfall bekannt. Seit geraumer Zeit gebe es „immer wieder Äußerungen über die Akademie, an der jährlich mehr als 1200 Menschen ausgebildet“ würden, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro. „Dass sich unter diesen vielleicht der eine oder andere wiederfindet, der es vor Jahren, als man im Jahr nur 500 Einstellungen vornahm, nicht geschafft hätte, liegt in der Natur der Sache. Wir können uns die Bewerberinnen und Bewerber nicht aussuchen, haben beim Kampf um junge Talente aufgrund der Besoldungssituation, des Ausstattungsstandards und der Einsatzbelastung auch nicht die allerbesten Karten.“ Die bisherigen Äußerungen seien aber „nichts Handfestes, sondern immer nur vom Hörensagen. Unser Problem ist, dass sich bei uns noch niemand gemeldet hat.“ 

Auffällig sei aber, dass sich die Beschuldigungen stets gegen Menschen mit Migrationshintergrund richteten. Neben den Polizeischülern war auch der Dozent wegen einzelner Formulierungen in seiner Nachricht in die Kritik geraten. „Das sind keine Kollegen (...), das ist der Feind in unseren Reihen“, so einer der umstrittenen Teile des Textes.

CDU-Fraktion: Innensenator muss sich bei Polizeiakademie einschalten

Unterdessen hat die oppositionelle CDU-Fraktion hat Innensenator Andreas Geisel (SPD) aufgefordert, gegen die Missstände an der Berliner Polizeiakademie vorzugehen. Geisel dürfe die negative Entwicklung an der Einrichtung nicht weiter treiben lassen, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Burkard Dregger am Freitag. Geisel müsse die Gefahr einer Unterwanderung der Polizei durch Personen aus arabischen Großfamilien ernst nehmen. Die organisierte Kriminalität habe ein großes Interesse, in den Polizeidienst zu kommen. Dem müsse ein Riegel vorgeschoben werden. (mit dpa)