Eine Radrennbahn wird zum Schwimmbad. Der Umbau ist schon fast fertig. Derzeit werden die letzten Arbeiten am zehn Bahnen breiten 50-Meter-Becken abgeschlossen. Von Dienstagabend an soll Wasser eingelassen werden. Danach ist das Becken nutzbar. Leider jedoch nicht für die Öffentlichkeit und auch nur bis zum 24. August. Dann wird das Wasser abgelassen, das Becken wieder abgebaut, nach einer Woche ist nichts mehr zu sehen. Am 13. September tritt am selben Ort Carmen Nebel mit ihrer ZDF-Show „Willkommen bei Carmen Nebel“ auf. Im Velodrom in Prenzlauer Berg.

Für Berlin eine Premiere

Klingt irrwitzig? Ist es auch. Bislang hat es in der Stadt kein Vorhaben gegeben von den Dimensionen des Schwimmbeckens im Velodrom. Andererseits ist das Projekt höchst vernünftig. Vom 15. bis zum 24. August finden in Berlin die Schwimm-Europameisterschaften statt. Das ist ein Ereignis mit vielen Zuschauern, die allerdings in keiner der vorhandenen Berliner Hallen Platz gefunden hätten. 4000 Personen bietet beispielsweise die Schwimmhalle im Europasportpark an der Landsberger Allee Platz – das reicht nicht.

Gleich nebenan steht das Velodrom. Dort finden vor bis zu 12 000 Zuschauern außer Radrennen auch Rockkonzerte, Parteitage, Boxkämpfe oder eben Carmen-Nebel-Shows statt – und nun zahlreiche Wettkämpfe der Schwimm-Europameisterschaft. Zu diesem Zweck baut eine italienische Firma seit voriger Woche das riesige Schwimmbecken in der Mitte der Halle auf und dann wieder ab. Das kostet zwar viel Geld – aber im Gegenzug entfallen anschließend die Unterhaltskosten.

Überall in der Welt geht der Trend zu temporären Sportstätten, Stadien für mehr als 50 000 Zuschauer wurden bereits auf- und wieder abgebaut. Auch bei Berlins möglicher Olympiabewerbung sollen sie eine wichtige Rolle spielen, so wie bei den Sommerspielen 2012 in London. „Für uns ist das sehr spannend“, sagt Sebastian Rüß, der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Velomax. Er steht zwischen den leeren Rängen und schaut hinunter auf das Becken. Seine Wände bestehen aus Stahlsegmenten, der Boden aus Stahlbändern, auf denen ein Holzboden liegt. Nach einer Woche ist die Konstruktion bereits mit blauer PVC-Folie ausgekleidet.

Das Projekt beschäftigt die Velodrom-Betreiber bereits seit vier Jahren. „2010 kam erstmals die Idee auf, hier ein solches Becken zu bauen“, sagt Sebastian Rüß. Die wichtigste Prüfung wurde 2011 abgeschlossen: Statiker rechneten das Vorhaben durch und bestätigten, dass die 50 Zentimeter dicke Bodenplatte die Last der 2 500 Kubikmeter Wasser tragen kann.

Der Zeitplan hält

Aber die Statik ist längst nicht alles. Während der Wettkämpfe muss nicht nur das Wasser, sondern auch die Luft in der Halle konstant 26 Grad warm sein. Seit zwei Wochen lässt Dietmar Burger darum warme Außenluft ins Velodrom leiten. Der lange Vorlauf ist notwendig: Die Deckenkonstruktion bestehe aus 3 500 Tonnen Stahl, erklärt Burger. Es dauere lange, diese zu erwärmen. Bliebe der Stahl aber kalt, würde aus dem Velodrom in kürzester Zeit eine Tropfsteinhöhle. „Wenn im Becken Wasser ist, verdunsten pro Tag bis zu 200 Liter Wasser, die würden sonst kondensieren.“

Das Wasser übrigens kommt nicht etwa aus der benachbarten Schwimmhalle. Deren Technik könne kein zusätzliches Becken versorgen, sagt Dietmar Burger. Also wurde alles eigens aufgebaut: eine Wasserleitung, eine Abwasserleitung, eine Fernwärmeleitung für die Heizung und vier Sandfilteranlagen, die sich in großen blauen Plastikbehältern mit einem Durchmesser von drei Metern befinden. Bislang hat alles geklappt. „Wir liegen im Zeitplan“, versichert Dietmar Burger. Die Athleten müssen sich keine Sorgen machen. Und Carmen Nebel sowieso nicht.