Berlin - Mehr als 30 Millionen Euro werden die Berliner Bäderbetriebe (BBB) in diesem Jahr ausgeben, um Schwimmhallen zu sanieren und zu modernisieren. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Stephan Standfuß hervor. Sport-Staatssekretär Aleksander Dzembritzki zählt darin fünf Einrichtungen auf, denen großflächig zu Leibe gerückt wird: das Stadtbad Tiergarten und das Paracelus-Bad, die ab Juni für zwei Jahre wegen Bauarbeiten geschlossen werden, die Schwimmhalle Helene-Weigel-Platz (Bauzeit Mai bis November), das Stadtbad Schöneberg (Juni bis November) und das Stadtbad Wilmersdorf I (Mitte Mai bis Ende September). 26,3 Millionen Euro veranschlagen die Bäderbetriebe für diese Sanierungen, geht aus dem Schreiben des Senats hervor.

Hinzu kommt noch die im vergangenen Jahr begonnene, mit insgesamt 6,2 Millionen veranschlagte Sanierung der Schwimmhalle Buch, die im Frühjahr 2020 wieder öffnen soll, sowie Arbeiten kleineren Umfangs im Stadtbad Lankwitz, im Stadtbad Märkisches Viertel sowie im SSE an der Landsberger Allee.

Die Ausgaben sind Teil eines größeren Investitionsprogramms: Mitte Januar hatte der scheidende BBB-Chef Andreas Scholz-Fleischmann angekündigt, dass in den nächsten drei Jahren insgesamt 60 Millionen Euro investieren werden sollen.

Zwei Freibäder öffnen eventuell schon Mitte April

So schön es für die Wasserfreunde ist, dass die Bäder auf Vordermann gebracht werden: Die Bauarbeiten gehen auch damit einher, dass sehr beliebte Schwimmhallen zum Teil jahrelang geschlossen sind, und dass Schulen, Vereine und normale Badegäste ausweichen müssen.

Die Bäderbetriebe bemühen sich auf verschiedene Weise um Ausgleich. Zum einen könnten zwei Freibäder früher öffnen als möglich: das in Wilmersdorf und das Sommerbad Kreuzberg („Prinzenbad“), das in den Vorjahren zumeist Ende April in die Saison startete. Ob es dieses Jahr wirklich schon Mitte April losgeht, darauf wollen sich die Bäderbetriebe aber nicht festlegen. „Derzeit steht das Eröffnungsdatum noch nicht zu 100 Prozent“ fest, sagt BBB-Sprecher Matthias Oloew.

Zum anderen schaffen die BBB Zwischenlösungen, um in der Monaten, in denen Bäder sanierungsbedingt geschlossen sind, zusätzliche Wasserflächen zur Verfügung zu haben. Im Kombibad Seestraße werden zwei der Außenbecken mit einer Traglufthallen-Überdachung versehen. Dadurch können die 50-Meter-Bahnen auch in der kalten Jahreszeit genutzt werden, sie sollen ab Dezember vorrangig dem Schul- und Vereinssport dienen.

Eine ähnliche Lösung wurde auch für das Kreuzberger Sommerbad geprüft, aber verworfen, sagt BBB-Sprecher Oloew. Denn sie hätte viele Nachteile gehabt: Der Sommerbetrieb wäre durch die Bauarbeiten massiv beeinträchtigt worden, zahlreiche Bäume hätten gefällt oder stark beschnitten werden müssen, die Lkw-Trasse hätte wesentliche Teile des Freibadgeländes berührt. Auch hätte man zusätzlich Container für Duschen und Umkleiden benötigt, weil die im Sommer genutzten Duschen im Winter nicht benutzbar und die Umkleiden nicht beheizbar sind.

Spreewaldbad in Kreuzberg schließt erst 2020

Deshalb habe man sich dafür entschieden, einen 25-Meter-Pool in Fertigbauweise samt Umkleiden und Duschen auf einer Liegewiese zu errichten. Ob das ebenerdige, also nicht im Boden versenkte Becken mit voraussichtlich fünf Bahnen mit einer Traglufthallen-Überdachung oder einem konventionellen Dach versehen wird, sei noch nicht entschieden, so Oloew. Die Bau-Ausschreibung laufe. Für diese Interims-Halle sind nach Angaben der Bäderbetriebe Kosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro veranschlagt. Offen ist Oloews Angaben zufolge auch, ob die Interims-Lösung auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird oder nur für Schulschwimmunterricht und Vereinstraining. Die Interims-Halle soll im Februar nächsten Jahres fertig sein.

Erst dann – und damit später als ursprünglich geplant – soll mit der Sanierung des Kreuzberger Wellenbades begonnen werden. Die mit 15 Millionen Euro veranschlagten Bauarbeiten in dem Gebäude aus den 80er-Jahren sind eines der teuersten Unterfangen der BBB. Ursprünglich war geplant, dass die Sanierung bereits in diesem Spätherbst beginnt. Sie wird mindestens zweieinhalb Jahre dauern.

Mindestens so lange wird auch die Prinzenbad-Schwimmhalle in Betrieb bleiben, vermutlich sogar länger. „Fünf, sechs Jahre“ werde die Prinzenbad-Halle gewiss stehen bleiben, schätzt Oloew, „aber keine 20 Jahre“. Doch zugleich weiß auch er: Nichts ist so dauerhaft wie eine Übergangslösung.