Berlin - Vom Auswärtigen Amt bis zum Bode-Museum sollen Berliner und Touristen demnächst in der Spree schwimmen können. Immerhin 750 Meter lang wäre die Bahn entlang des Kupfergrabens. Die Schwimmer könnten am bald neu gebauten Schloss und am Pergamonmuseum vorbei kraulen. Was für eine herrliche Kulisse!

Um die Spree an dieser Stelle tatsächlich in ein öffentliches Freibad zu verwandeln, hatte sich Ende 2012 der Verein „Flussbad Berlin“ gegründet. 16 Gründungsmitglieder hat der Verein, darunter auch die Dombaumeisterin Charlotte Hopf. Sie wollen die kühne Idee gegenüber der Politik durchsetzen. „Das soll ein Projekt für alle Berliner werden“, sagt der Vereinsvorsitzende Jan Edler.

Nun kann der erste Erfolg vermeldet werden: Die Berliner CDU-Fraktion hat sich auf ihrer Klausurtagung in München am Wochenende hinter die Projektidee gestellt. "Wir verbinden damit den historischen Stadtkern mit dem bunten, nach Abzug der Baumaschinen, wiederkehrenden Stadtleben. Hier könnte ein neuer Erholungsraum entstehen", erklärte der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Florian Graf.

Neben der Klärung rechtlicher und organisatorischer Voraussetzungen müssten aber noch Fragen der Ein- und Ableitung von Abwasser geklärt werden. Zudem müsse geprüft werden, welche baulichen Veränderungen für die Errichtung einer Freitreppe nötig seien.

"Wir fordern die zuständige Senatsverwaltung auf, dem Verein einen geeigneten Standort zur öffentlichen Bewerbung des Projekts zur Verfügung zu stellen", fordert Graf in dem offiziellen Antrag "Baden in der Spree".

Ziel des Berliner Vereins ist es, dass Flussbad-Projekt im Rahmen der für 2020 geplanten Internationalen Bauausstellung zu verwirklichen. Der Vereinsvorsitzende Jan Edler ist selbst Architekt - gemeinsam mit seinem Bruder Tim Edler betreibt er das Architekturbüro „Realities United“. 2011 hatten sie mit der Flussbad-Vision bei den Holcim Awards, einem Wettbewerb für Ideen zur Stadtentwicklung, den Hauptpreis aller europäischen Bewerber gewonnen.

Damit verbunden war auch ein Preisgeld von 100.000 Dollar, das in den Verein fließen soll. Es wäre die erste Flussbadeanstalt an der Spree seit bald 90 Jahren. Konkrete Planungen sind bereits ausgearbeitet: Vom Lustgarten aus soll eine Freitreppe hinunter zur Spree locken. Und in einem alten Sockel an der Uferpromenade würden Umkleiden und Duschen installiert werden. „Wilhelminisch baden gehen“, so nennt es der Verein. In Preußens Kulissen.

Wie aber kann der verunreinigte Fluss überhaupt gesäubert werden? Das Spreewasser soll ab der Gertraudenbrücke bis zum Auswärtigen Amt durch ein Pflanzenfilterbecken mit Kies und Sand fließen. Ein kleines Bio-Klärwerk wäre das. Auf diese Weise gereinigt, würde das Wasser ab dem Auswärtigen Amt Badewasserqualität erreichen. Da sind sich die Gebrüder Edler sicher. Ein Wassergutachten und eine Machbarkeitsstudie sind in Arbeit.

Hilfreich bei der Reinigung ist es, dass die Spree an dieser Stelle eine Höhenunterschied von gut einem Meter aufweist. Weil der Fluss auch manchmal rückwärts fließt, müsse zudem am Bode-Museum noch eine Schottenwand errichtet werden, die Dreckwasser von der Badestrecke fernhält. Entlang des Freibads ist ein öffentlich begehbarer Steg geplant, der auch als Rettungssteg dienen soll.

Keine Schiffe im Kupfergraben

Offiziell ist der Kupfergraben zwar immer noch eine Bundeswasserstraße, er wird aber seit bald 100 Jahren nicht mehr für die reguläre Schifffahrt genutzt – seit die Mühlen am alten Hafen ihren Betrieb eingestellt haben. Lastkähne und Ausflugsschiffe passieren die Museumsinsel ohnehin nur auf dem anderen Spreearm – zwischen Alter Nationalgalerie und Monbijoupark.

Auf die Flussbad-Idee sind Jan und Tim Edler schon 1998 gekommen, als sie im später abgerissenen Gebäude der Tierversuchsanstalt im Monbijoupark einen Club betrieben. Selbst Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) steht dem Projekt aufgeschlossen gegenüber. „Vom Prinzip her ist das eine charmante Idee“, teilte seine Sprecherin Petra Rohland mit. „Die Umsetzung erscheint aber sehr schwierig.“ Denn die Planungen würden die Museumsinsel, also das Unesco-Weltkulturerbe, tangieren.

Jan Edler und seine Mitstreiter hingegen meinen, dass die Badestrecke eine wunderbare Ergänzung zum geplanten Humboldtforum samt Schlossneubau sei. Eine Badestelle würde städtisches Leben in das von Touristen bevölkerte historische Zentrum bringen und auch ein zeitgemäßes Bild von Berlin in die Welt aussenden. Nämlich das einer weltoffenen, umweltschonenden Stadt, die sich zum Wasser hin öffne, so Jan Edler. Die genauen Kosten für das ganze Projekt stehen noch nicht fest. Man rechnet mit einem zweistelligen Millionenbetrag.