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Wer im Nordosten Berlins lebt und gerne schwimmt, sollte sich schnell in einem Sportverein anmelden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer in einem Sportverein organisiert ist, darf in Berlin kostenlos schwimmen. Zudem sind die Zeiten günstig für Vereinsschwimmer. Anders ist die Nachricht nicht zu erklären, die Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) an diesem Montag verkünden will: Das Vereinsbad Thomas-Mann-Straße in Prenzlauer Berg, in dem eigentlich Schulen und Vereine trainieren, das aber seit Sommer 2011 geschlossen ist, kann saniert werden. Fünf Millionen Euro sollen die Berliner Bäderbetriebe zusätzlich vom Land Berlin erhalten, das Abgeordnetenhaus hat der Finanzierung bereits zugestimmt.

So erfreulich dieser Geldsegen für die Vereinssportler sein dürfte, so ungerecht werden ihn die Pankower Breitensportler und Gelegenheits-Schwimmer empfinden. Seit Jahren kämpfen sie für die Wiedereröffnung der Schwimmhalle Wolfshagener Straße, die 2002 geschlossen wurde und fast baugleich ist mit der Schwimmhalle Thomas-Mann-Straße. 12.000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative „Volksbad Pankow“ im Laufe der Zeit gesammelt, 2010 wurden sie der Sportverwaltung übergeben.

Architekt Franz Schmid, der sich in der Bürgerinitiative engagiert, kann daher nicht verstehen, dass nun Geld in die Halle Thomas-Mann-Straße fließt. Dort in der Nähe gebe es zwei weitere Bäder, in Pankow keine einzige Schwimmhalle. „Außerdem liegt unsere Schwimmhalle direkt neben dem Sommerbad Pankow“, sagt er, was im Betrieb gute Synergie-Effekte biete.

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Zudem könnten die Bäderbetriebe mit dem Pankower Bad Geld verdienen. Schließlich müsse Otto-Normal-Schwimmer Eintritt zahlen – im Gegensatz zu den Vereinsschwimmern. Finanziell, sagt Schmid, schlüge die Sanierung beider Hallen ähnlich zu Gewicht. Die Vereinsschwimmer könnten doch auch in Pankow trainieren.

Überraschenderweise teilen die Position ausgerechnet jene, die sich am besten auskennen in der Bäderlandschaft: die Berliner Bäderbetriebe. „Die Argumente der Bürgerinitiative sind schlüssig“, sagt Klaus Lipinsky, Vorstand des landeseigenen Unternehmens. Es gebe tatsächlich eine Versorgungslücke in Pankow, und ja: Mit dem Betrieb der Schwimmhalle dort seien Synergieeffekte möglich und Umsatz zu erzielen. Offen in Widerspruch zur Politik will Lipinsky aber nicht gehen. „Wir bauen natürlich nur, was das Land bestellt.“

Beim Senat verteidigt man die Entscheidung, die Schwimmhalle Thomas-Mann-Straße zu sanieren – aber vor allem mit dem Argument, dass der Standort in Pankow laut Gesetz kein Bad mehr ist. Die geschlossene Schwimmhalle sei dem Liegenschaftsfonds zur Vermarktung übergeben worden und der Standort aus dem Sportförderungsgesetz gestrichen. Dem Anliegen der Bürgerinitiative könne deshalb nicht entsprochen werden.

Beim Liegenschaftsfonds hat man lange nach einem Käufer gesucht für die Pankower Schwimmhalle – vergeblich. „Wir hatten Interessenten“, sagt Liegenschaftsfonds-Sprecherin Irina Dähne. Aber der Bezirk Pankow, der bei einer Nachnutzung mitzureden hat, wollte am Standort ein Bad haben. Die Schwimmhalle sei noch immer im Landesbesitz.

1500 gegen 12.000 Unterschriften

Der Pankower Franz Schmid, der im Winter zum Schwimmen bis nach Mitte fährt, ist verärgert über die starre Haltung des Landes. „Ich als Architekt muss meine Planungen auch ständig dem aktuellen Bedarf anpassen“, sagt Schmid. „Sonst kann ich in meinem Beruf aufhören.“ Es gebe Bedarf für eine Schwimmhalle in Pankow, davon zeugten die 12.000 Unterschriften. „Aber ich habe den Eindruck, dass Einzelbürger nicht gehört werden.“

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Die Vereinssportler der Thomas-Mann-Straße, die in den vergangenen Monaten in der Schwimmhalle im Europasportpark trainieren und sich die Wasserfläche mit vielen anderen Vereinen teilen mussten, sind froh über die Entscheidung des Landes – schließlich schwimmen in der Halle auch noch 4000 Kinder aus umliegenden Schulen. Die Vereinssportler haben ebenfalls Unterschriften für ihre Schimmhalle gesammelt. 1500 haben sie zusammenbekommen. Die Schwimmer wurden gebeten, die Unterschriften am Montag zu übergeben – öffentlichkeitswirksam im Beisein von Staatssekretär Andreas Statzkowski, der übrigens auch Präsident vom Sport-Club Charlottenburg ist.