Der Junge wurde im Juni 2018 an der Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm in Spandau überfahren.
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BerlinEs wird ein schwerer Gang an diesem Mittwoch für die Eltern des kleinen Constantin. Sie werden heute am Amtsgericht Tiergarten dem Mann gegenüber sitzen, der für den Tod ihres Sohnes verantwortlich sein soll. Die Eltern des Siebenjährigen sind Nebenkläger im Prozess gegen Lorenz K., einem 61 Jahre alten Lkw-Fahrer. Vor allem bei der Mutter wird der Tag schreckliche Erinnerungen hervorrufen. Ihr Kind starb vor ihren Augen.

Am 13. Juni 2018 war Constantin auf dem Weg zur Schule - mit dem Fahrrad. Hinter ihm fuhr seine Mutter. Beide benutzten den Radweg der Nauener Straße. An der Kreuzung Brunsbütteler Damm wollte der Junge bei grüner Ampel über die Straße fahren. Doch dort wurde er  von einem rechts abbiegenden Laster überrollt. Constantin starb noch am Unfallort.

Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre

Lorenz K. muss sich nun wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Er soll mit seinem Lkw ohne anzuhalten von der Nauener Straße nach rechts in den Brunsbütteler Damm abgebogen sein und dabei den Jungen auf dem Fahrrad erfasst und überrollt haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre, wenn Lorenz K. beim Abbiegen die erforderliche Sorgfalt an den Tag gelegt hätte. 

An der Kreuzung, an der der tödliche Unfall geschah, steht noch immer ein weißes Rad. Blumen stehen dort. Das Rad ist kein Geisterrad, wie es in Berlin bei jedem tödlich verunglückten Radfahrer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) aufgestellt wird. Das Fahrrad ist ein Kinderrad. Es gehörte einst Constantin und steht nun auf Bitten der Mutter an der Unfallstelle. Mitglieder des ADFC haben es erst kürzlich neu angestrichen.  

"Wir begrüßen sehr, dass derzeit die Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm umgebaut wird", sagt Susanne Grittner vom ADFC. Geplant seien unterschiedliche Grünphasen für Rechtsabbieger und den geradeausführenden Radverkehr, so Grittner.

Die Kreuzung barg nach Angaben der ADFC-Expertin schon immer Risiken. Weil die Fahrzeuge aus einem Tunnel kamen und die Fahrer die Fußgänger und Radfahrer erst sehr spät wahrnehmen konnten. 

Für das Verfahren gegen Lorenz K. vor dem Amtsgericht ist bisher nur ein Tag vorgesehen. Noch am Mittwoch könnte es also zu einem Urteil kommen.