Sebastian Fitzek: „Berlin hat Orte wie geschaffen für einen Thrillerautor“

Bekannte Bewohner der Stadt blicken auf Berlin. Heute: Der Autor Sebastian Fitzek, der sich an einem überraschenden Ort für seine Bücher inspirieren lässt.

Lehrt uns das Fürchten: Sebastian Fitzek.
Lehrt uns das Fürchten: Sebastian Fitzek.Marcus Höhn

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, sie sind so verschieden wie die Stadt selbst. Was also macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und ihren persönlichen No-go-Areas. Sie verraten ihre Gastro-Tipps, Shopping-Favoriten und Kiezgeheimnisse. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat der Schriftsteller Sebastian Fitzek unsere Fragen beantwortet. Der 51-Jährige hat alles andere als einen geradlinigen Lebenslauf, Autor wollte er eigentlich nie werden. In seiner Jugend träumte er von einem Leben als Rockstar, er studierte mal ein paar Monate Tiermedizin, wechselte dann zur Juristerei, promovierte in Urheberrecht, arbeitete anschließend jahrelang als Chefredakteur und Programmdirektor fürs Radio.

Seit 2006 tut Fitzek das, wofür man ihn heute kennt: Er stülpt anderen seine Albträume über, „um selbst friedlich wie ein Murmeltier schlafen zu können“, wie er auf seiner Website schreibt. Alle seine Bücher wurden zu Bestsellern, viele für Verfilmungen und fürs Theater adaptiert. In seinem neuen Thriller „Mimik“, der am 25. Oktober erscheint, wird die Protagonistin Hannah Herbst, eine Mimikresonanzexpertin aus Lichtenrade, nach einem Gedächtnisverlust mit einem Video konfrontiert, in dem sie gesteht, ihre Familie getötet zu haben. Ein psychopathischer Serienkiller, der Kindermörder hasst, bringt Hannah daraufhin in seine Gewalt. Es gelingt ihr, in ihm Zweifel an ihrer Schuld zu säen, was die beiden zu einer gemeinsamen Spurensuche durch Berlin führt ...

1.                   Herr Fitzek, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Seit dem 13. Oktober 1971, meinem Geburtstag.

2.                   Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Der Ort, den ich regelmäßig aufsuche, um mich zu inspirieren, ist die Insel Schwanenwerder: ein Ort wie geschaffen für einen Thrillerautor, mit vielen Gegensätzen. Auf den ersten Blick kann man hier Traumhäuser auf wundervollen Grundstücken direkt am Wannsee bewundern. Doch sensible Gemüter spüren auch die dunkle Aura, die diesen Ort hin und wieder umweht, und dann verwundert es nicht, wenn man erfährt, dass hier einst Goebbels seine Villa hatte und ein Sturm im Jahre 2002 mehrere Todesopfer forderte.

Kein Wunder, dass Viktor Larenz, die Hauptperson in meinem Debüt „Die Therapie“, hier ihren Wohnsitz hat.

3.                 Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

Dafür gehe ich auf die Couch, mit einem guten Buch in der Hand – momentan mit dem zweiten Band vom „Traumpalast“, dem neuen Werk von Peter Prange, das am 26. Oktober erscheint.

4.                 Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Das Absetzbecken des Klärwerks.

5.                 Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Ich gehe gern ins Big Window in der Joachim-Friedrich-Straße in Halensee. Der Wirt ist sehr besonders, hier gilt: Gegessen wird, was der Chef Ivan empfiehlt.

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Marcus Höhn
Zur Person
Sebastian Fitzek, geboren 1971 in Berlin, ist einer der erfolgreichsten deutschen Autoren überhaupt. Seit 2006 schreibt der vierfache Vater Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Sein Debüt „Die Therapie“ eroberte innerhalb kürzester Zeit die Taschenbuch-Bestsellerliste und wurde als bestes Krimidebüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Das Erstlingswerk geht auf eine Idee zurück, die Fitzek im Jahr 2000 im Wartezimmer eines Orthopäden hatte, als er auf seine Freundin wartete.

Fitzeks Bücher wurden bisher in 36 Sprachen übersetzt und weltweit über 15 Millionen Mal verkauft. Viele seiner Werke wurden erfolgreich verfilmt. 2017 wurde er als erster deutscher Autor mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Sein neues Buch „Mimik“ erscheint am 25. Oktober bei Droemer.

6.                  Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Die Buchhandlung Miss Marple in der Weimarer Straße in Charlottenburg. Wie der Name schon verrät, ist das eine Krimibuchhandlung. Hier gibt es wirklich alles aus dem Genre Krimi und Thriller aus aller Welt, moderne Literatur, die Klassiker und natürlich die aktuellen Bestseller. Ich stöbere hier gern, die Chefin Cornelia Hüppe hat mehr als 3000 Titel im Angebot.

7.                 Der beste Stadtteil Berlins ist …

Für mich ist das Charlottenburg, weil ich da geboren wurde und aufgewachsen bin. Daher habe ich hier die größten Heimatgefühle. Das ist wie bei einem Serienkiller, die haben auch ihre ein­schnei­dendsten Erlebnisse in ihrer Kindheit.

8.                 Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Die maroden Schulen. Vor Kurzem wurde zum Beispiel bekannt, dass ein Gymnasium in Pankow von der Investitionsliste gestrichen wurde, obwohl dort bereits die Fenster so verfaulen, dass ein Bauzaun die Kinder und Lehrer davor schützen soll, dass sie ihnen auf den Kopf fallen. Und es passiert weiter nichts, obwohl die Schulsenatorin als Erstes nach ihrem Amtsantritt dort war. Sie schiebt aber die Sanierung dem Bezirk zu. Das geht seit Jahren so.

9.                 Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Dass es hier Kinderarmut gibt, darf nicht sein. Jedes dritte Kind in Berlin ist arm. Manchmal reicht es nicht einmal für Garderobe oder um den Kindern etwas zu essen in die Schule mitzugeben. Wir müssen mehr Geld in die Familien investieren. Und wir brauchen viel mehr bezahlbaren Wohnraum, da müssen wir uns dringend drum kümmern, sonst nehmen die sozialen Verwerfungen weiter zu.

10.               Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Herkommen. Wir brauchen jeden klugen Kopf.

11.               Cooler als Berlin ist nur noch …

Spandau.