Sechsfache Mutter erstochen: Ehemann wegen Mordes ab 29. November vor Gericht

Die Afghanin Zohra Gul wurde im April dieses Jahres mit 13 Messerstichen in Berlin getötet. Sie hatte zuvor Schutz vor ihrem gewalttätigen Ehemann gesucht.

Kurz nach der Tat trauen Menschen bei einer Mahnwache am Tatort um die sechsfache Mutter Zohra Gul.  
Kurz nach der Tat trauen Menschen bei einer Mahnwache am Tatort um die sechsfache Mutter Zohra Gul. Berliner Zeitung/Markus Waechter

Mit 13 Messerstichen wurde die sechsfache Mutter Zohra Gul am 29. April dieses Jahres in Pankow auf offener Straße getötet. Der mutmaßliche Mörder: ihr Ehemann. Gegen den 42-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft Ende September Anklage erhoben. Nun soll das Verfahren vor einer Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts am 29. November beginnen. Dem Angeklagten wird Mord aus niedrigen Beweggründen vorgeworfen. Er soll sich wegen der Trennungsabsichten seiner Ehefrau in seiner Ehre gekränkt gefühlt haben.

Laut Staatsanwaltschaft heiratet der Angeklagte wohl im Jahr 2008 seine damals 17-jährige Frau nach islamischen Recht in Afghanistan. Aus der Ehe gingen sechs gemeinsame Kinder hervor. Der Ehemann soll erwartet haben, dass sich Zohra Gul ihm unterordnet. Doch als die Familie nach ihrer Flucht in Deutschland war, soll die Frau immer nachdrücklicher auf ihre Selbstständigkeit gedrängt haben und, weil sie offenbar auch die Gewalttätigkeiten ihres Mann nicht mehr ertrug, schließlich auch die Scheidung verlangt haben.

Zohra Gul soll sich in den zwei Jahren, die sie in Deutschland war, den Vorgaben ihres Mannes an eine gemeinsame Lebensführung widersetzt haben. Laut Staatsanwaltschaft unterhielt sie angeblich Kontakte zu anderen Männern. Ermittlungen hatten ergeben, dass die Gewalttätigkeiten ihres Ehemannes zu einem Betretungsverbot der von der Familie bis dahin gemeinsam bewohnten Unterkunft geführt hatte. Angeblich ließ die 31-Jährige ihn die gemeinsamen Kinder, zwei bis 13 Jahre alt, nicht so häufig sehen, wie er es verlangte. Zwei Mal schon soll Zohra Gul ihren Mann wegen Gewalttaten bei der Polizei angezeigt haben.  

Das Verhalten seiner Ehefrau soll den Angeklagten gekränkt haben. Deswegen sei in ihm der Entschluss gereift, die Frau mit dem Tod zu bestrafen, so die Staatsanwaltschaft. Am Tattag soll Zohra Gul gegen 9 Uhr auf dem Weg zum Briefkasten gewesen sein, der sich in der Maximilianstraße in Pankow nahe ihrer Flüchtlingsunterkunft befindet. Dort soll sie ihr Ehemann mit einem 30 Zentimeter langen Messer aufgelauert, mehrfach auf sie eingestochen und ihr die Kehle durchtrennt haben. Der Mann wurde noch am Tatort überwältigt und festgenommen.

Für den Prozess sind sieben Nebenkläger zugelassen

Der Tod von Zohra Gul sorgte für Kritik an der Polizei und Behörden. Nach Ansicht einer Frauenrechtsorganisation hätte der Tod der sechsfachen Mutter verhindert werden können. Zohra Gul soll zwei Wochen vor ihrem Tod beim Familiengericht Pankow eine einstweilige Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz beantragt haben, mit dem ihrem Mann ein Kontaktverbot erteilt worden wäre.  Es sei bekannt gewesen, in welcher Gefahr sich die Frau befunden habe, so die Kritik.

In dem Prozess gegen den Ehemann der getöteten Frau treten insgesamt sieben Nebenkläger auf. Für das Verfahren sind bisher 17 Verhandlungstage geplant. Ein Urteil könnte Anfang Februar kommenden Jahres gesprochen werden.