E-Motor statt Zweitakter: Berliner Start-up mit Mobilitätspreis ausgezeichnet

Das junge Unternehmen Second Ride aus Schöneweide hat eine Lösung entwickelt, mit der sich alte Simson-Mopeds leicht und schnell elektrifizieren lassen.

Umbau statt verschrotten: Carlo Schmid bei der Arbeit.
Umbau statt verschrotten: Carlo Schmid bei der Arbeit.Volkmar Otto

Erst in der vorigen Woche hatten Carlo Schmid und Sebastian Marten erfahren, dass sie es mit ihrem Start-up auf die Shortlist des diesjährigen Deutschen Mobilitätspreises geschafft hatten. Am Donnerstag wurden die beiden Berliner Gründer in der Wartehalle Berlin dann tatsächlich zur Preisverleihung auf die Bühne gebeten. Sie sind die diesjährigen Sieger in der Kategorie „Young Vision“.

Insgesamt hatten sich etwa 300 Unternehmen und Personen um den Preis beworben, mit dem das Bundesministerium für Digitales und Verkehr seit 2016 innovative Projekte und Menschen ehrt, die „die Zukunft der Mobilität neu denken und gestalten“. Zu den 36 Nominierten gehörten in diesem Jahr vier Berliner Unternehmen und Projekte. Zum Sieg reichte es nur für Second Ride.

Das erst im Frühjahr gegründete Start-up hat einen Bausatz entwickelt, mit dem sich alte Mopeds der Marke Simson sogar von einem Laien elektrifizieren lassen. Die Idee dafür hatte Carlo Schmid bereits während seines Maschinenbau-Studiums an der TU Berlin. Inzwischen hat der Bausatz Serienreife erreicht. Im nächsten Jahr sollen 500 Kits für den Austausch E-Motor gegen Zweitakter verkauft werden.

Die dahintersteckende größere Idee ist es, alte und mit großem Energieeinsatz produzierte Fahrzeuge nicht zu verschrotten, sondern per Umbau klimaneutral zu machen und so für die Verkehrswende zu nutzen. Retrofit nennt sich diese Spielart der Kreislaufwirtschaft, die hierzulande noch eine vergleichsweise geringe Rolle spielt.

Die beiden Second-Ride-Gründer, die sich demnächst auf dem Umbau von Autos widmen wollen, erhoffen sich von dem undotierten Preis nun vor allem einen Aufmerksamkeitsgewinn für das Thema Retrofit. Sie hatten sich sogar darauf vorbereitet, bei der Preisverleihung Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) zu treffen. Wie sie sagen, hätten sie gern erfahren, wie der Minister über Retrofit denkt und dessen Potenzial einschätzt. Leider sei es dazu nicht gekommen. „Der Minister ließ sich durch seine Staatssekretärin vertreten“, sagt Marten. Laut Ministerium zählt der Deutsche Mobilitätspreis zu den „wichtigsten Auszeichnungen im Bereich Digitales und Mobilität in Deutschland“.