Berlin - Den Film kennt mittlerweile jeder, den aktuellen Spielort noch keiner: Anfang Mai wird der Film „Good Bye, Lenin!“ eine Woche lang an einem noch geheimen Ort in Berlin gezeigt.

Nur so viel ist bekannt: Auf einem etwa 2000 Quadratmeter großen Gelände in Friedrichshain wird eine Woche lang eine kleine DDR-Welt nachgebaut: Mit Ost-Kulisse, Alltagsgegenständen und einem Mitropa-Restaurant, in dem es die Klassiker der sozialistischen Küche geben wird.

Damit die Inszenierung realistisch und lebendig wirkt, sollen auch die Besucher mitspielen. Sie tragen 80er-Jahre-Klamotten, am besten Jacken und Hosen aus Dederon oder Wolpryla, den Kunststoffen der DDR-Mode-Industrie. „Die DDR lebt weiter“, heißt das „sozialistische Live Kino Erlebnis“. Fraglich, welcher Filmfreund, der den real existierenden Sozialismus in der DDR live miterlebt hat, sich auf diese DDR-Festspiele im Retro-Style einlassen wird.

Weißer Hai auf der Luftmatratze

Secret Cinema, geheimes Kino, wird die neue Form der Unterhaltung genannt. „Es geht darum, Kino auf einem anderen Weg als üblich zu erleben“, sagt Christopher Zwickel, Regisseur und Geschäftsführer der Berliner Firma Flimmer, die sich auf die Vermarktung von Kinotrailern spezialisiert hat und ungewöhnliche Film-Aktionen organisiert.

In den vergangenen Jahren gab es schon einige solcher Spaß-Veranstaltungen mit Kultfilmen. Den Film „Der weiße Hai“ haben sich Filmfreunde auf Luftmatratzen im Pool angeschaut. Zu Klassikern wie „Star Treck“ und „Zurück in die Zukunft“ spielten die Zuschauer im passenden Verkleidungen ihre Lieblingsszenen vor der Leinwand nach. Und im Plänterwald trafen sich schon einmal Filmfreunde, um „Planet der Affen“ zu sehen.

Im vergangenen Herbst erinnerte Christopher Zwickel in der Gruga-Halle in Essen an die legendäre Zeit der Beatles. Anlässlich der Dokumentation „Eight Days A Week – The Experience“ kamen etwa 4 000 Gäste in die eigens umgebaute Halle, die nun mit historisch ausgestatteten Geschäften, einem Oldtimer-Kino und Friseursalons an die 60er-Jahre und die Erfolgszeit der Band aus Liverpool erinnerte. 1966 hatten die Beatles in dieser Halle gespielt.

Tickets als Passierscheine

In Berlin erfahren die „Good Bye, Lenin!“-Besucher erst kurz vor Beginn per Email, wo der Film zu sehen sein wird. Die Tickets werden im Internet verkauft, später gelten sie als Passierscheine. Etwa drei Stunden dauert das Spektakel.

Ursprünglich sollte es auf dem Gelände des früheren DDR-Rundfunks an der Nalepastraße in Oberschöneweide stattfinden, jetzt haben sich die Veranstalter für einen Ort entschieden, der zentraler gelegen ist und auch bestens zur Geschichte des Films passt – nicht weit entfernt vom Platz der Vereinten Nationen, der früher Leninplatz hieß, weil dort bis November 1991 das Denkmal des sowjetischen Revolutionsführers stand. Dann wurde es unter Protesten abgebaut. In einer der bekanntesten Sequenzen des Films „Good Bye, Lenin!“ fliegt ein Hubschrauber mit der demontierten Statue am Seil durch die Stadt.

Der Erfolgsfilm von Regisseur Wolfgang Becker erzählt die Geschichte der ostdeutschen Familie Kerner in der Zeit der Wende. Christiane Kerner (Katrin Sass) erleidet am 7. Oktober 1989 einen Herzinfarkt, fällt ins Koma und muss nach ihrem Aufwachen im Juni 1990 jede Aufregung vermeiden. Ihr Sohn Alexander (Daniel Brühl) sorgt mit originellen Ideen dafür, dass seine Mutter von den politischen Veränderungen im Land nichts mitbekommt. In der Wohnung der Familie bleibt die DDR erhalten.

Den mehrfach international ausgezeichneten Film aus dem Jahr 2003 sahen über sechs Millionen Zuschauer. Er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Kinofilmen.