SEELOW - Manchmal können ein paar Dutzend bunte Gehwegplatten für mächtig Aufregung sorgen. So geschehen an der Gedenkstätte Seelower Höhen (Märkisch- Oderland). Dort steht ein Denkmal für sowjetische Soldaten, die sich dort am 16. April 1945 mit den deutschen Truppen die größte Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden lieferten. Die Gedenkstätte, die ab 1972 in ihrer heutigen Form errichtet wurde, soll in den kommenden Jahren für mehr als 1,6 Millionen Euro saniert werden. Aber schon jetzt wurden nach einer Spende neue Gehwegplatten verlegt – und die sorgen für Ärger.

Denn die Platten auf einem Nebenweg, der auf das Denkmal mit dem Sowjetsoldaten zuführt, liegen nun in schwarz-rot-gelben Reihen. Die Assoziation, die sich bei den meisten einstellt ist: Deutschlandfahne. Manch einer könnte gar eine deutsch-nationalistische Provokation gegen die Russen vermuten.

Denkmalschützer fassungslos

Als der oberste Denkmalschützer des Landes, Thomas Drachenberg, die Bilder sah, sagte er: „Ich bin fassungslos.“ Die Neupflasterung des Weges widerspräche „völlig der genehmigten Instandsetzung“. Denn es sollte nur eine Reparatur erfolgen – aber nicht mit neuem Material, sondern mit vorhandenen Originalplatten. Er bezeichnete es als abwegige Idee, den Weg mit neuen farbigen Platten zu versehen, die wie die Deutschlandfahne aussehen.

Dieses Mahnmal ist durchaus ein Politikum und nicht irgendein Denkmal für Soldaten der Roten Armee. Solche Mahnmale und auch Kriegsgräber für Sowjetsoldaten gibt es in jeder größeren Stadt in Ostdeutschland. Doch dieses Denkmal erinnert an die Schlacht bei Seelow, die die Großoffensive auf Berlin eröffnete, bei der sich Hunderttausende Soldaten gegenüberstanden und mehr als 100 000 starben. Das Mahnmal gehört zu jenen drei Erinnerungsstätten, die General Georgi Schukow – der Sieger der Schlacht um Berlin – 1945 bereits wenige Wochen nach dem Sieg in Auftrag gab: Die Gedenkstätten in Küstrin, Seelow und Berlin-Tiergarten sollen den Weg von Schukows Truppen nach Berlin nachzeichnen.

Landrat Gernot Schmidt (SPD) versteht die ganze Aufregung um den neuen Weg nicht so richtig. „Denn der Weg sieht farblich nun aus, wie er im Original war“, sagte er. Das hat aber niemand mehr gesehen, weil die alten Betonplatten ausgewaschen waren und keine Farbe mehr erkennbar war.

Die Gedenkstätte befindet sich im Eigentum des Kreises, der dafür auch keine festen Zuschüsse vom Land oder Bund erhält, sondern die Gedenkstätte selbst finanziert. Die Sanierung des Weges erfolgte, weil der Kreis drei Spenden erhalten hatte, eine davon war vom russischen Gaskonzern Gazprom. Von den 45000 Euro wurden nun Wege und der Platz am Denkmal saniert.

Aus Sicht des Kreises erfolgt alles korrekt: Als der Weg repariert wurde, stellten die Arbeiter fest, dass eine Reparatur mit so vielen defekten Platten nicht möglich ist. Als sie die Platten hochhoben, sahen sie an den Rändern der Platten, dass sie früher farbig waren und schwarz-rot-gelb in Reihen verlegt waren.

Unterlagen oder alte Fotos gab es dazu nicht. Der Landrat telefonierte aber mit Leuten, die in den 70er Jahren bei der Erstverlegung dabei waren und erfuhr: Das Schwarz-rot-gelb war als Symbol der deutschen-sowjetischen Freundschaft gedacht. Damit war für den Kreis klar, dass es dem Denkmalschutz entspricht, den Weg wieder im Originalzustand herzurichten.

Ist das Original ausschlaggebend?

Am Dienstag war der oberste Denkmalschützer Drachenberg zu einem bereits längere Zeit geplanten Besuch in Seelow, bei dem der Landrat aber nicht dabei sein konnte. Hinterher sagte Drachenberg: „Der Fehler ist passiert, als die Platten aufgenommen wurden und festgestellt wurde, dass der Weg mit dem vorhandenen Platten nicht mehr repariert werden konnte“, sagte Drachenberg. „Für eine Neuverlegung, noch dazu mit farbigen Platten, hätte es einer erneuten denkmalrechtlichen Erlaubnis bedurft.“

Doch die Denkmalbehörde wurde nicht gefragt. Drachenberg sagte auch, dass die Denkmalpflege nicht zwanghaft dem Originalzustand verpflichtet sei, sondern dass es darum gehe, den aktuellen Bestand zu erhalten. Drachenberg geht es auch nicht um eine mögliche Debatte mit Russland.

„Es geht allein um den Denkmalschutz“, sagte er. „Mit dieser farblichen Gestaltung kommt diesem Weg eine Aufmerksamkeit zu, die ihm als eigentlich unauffälligem Nebenweg gar nicht zusteht. Deshalb geben wir die dringende denkmalpflegerische Empfehlung, die ganze Sache zu korrigieren.“

Vor Ort gibt es auch Leute, die sich wundern, dass in den 70er-Jahren Schwarz-Rot-Gold ganz offiziell ohne DDR-Emblem eingesetzt worden sein soll. Andere sagen, es müsse nun verhindert werden, dass die Sache politisch von rechts außen instrumentalisiert wird.

Landrat Schmidt zeigte sich weiterhin irritiert, dass nicht die Originalfarbe als ausschlaggebend gilt. „Aber wenn die Denkmalpflege es so haben will, dann wollen wir dafür einen schriftlichen Bescheid“, sagt er, „damit es hinterher nicht wieder Debatten gibt.“