Berlin - Leises Meeresrauschen, ein feiner Sandstrand. Dazu der Geruch von Sonnenöl. Kein Stress, keine Sorgen, keine Pandemie. Das klingt zu schön, um wahr zu sein? Die Sehnsucht nach Urlaub ist so groß wie nie, und dennoch ist sie schwer zu stillen. Täglich steigende Infektionszahlen und viele Einschränkungen machen Urlaub fast unmöglich. Oder? Wohin könnte ich jetzt fliegen, wenn ich spontan buche? Wer hilft wo? Wer gibt Tipps?

Die erste Herausforderung: in Berlin einen Reiseberater finden, ein Reisebüro, das geöffnet hat. Auf nach Mitte. In einem Reisebüro am Alexanderplatz ist alles dunkel, die Schreibtische sind leer. In der Friedrichstraße sieht es nicht anders aus. Da die meisten Mitarbeiter aus der Touristikbranche in Kurzarbeit sind, vergeben viele Reisebüros feste Termine an ihre Kunden, sie sind vor Ort nur stundenweise am Tag erreichbar.

In Friedenau an der Rheinstraße brennt bei GBFR-Reisen Licht. Ein Mann mit Brille und blondem Haar sitzt am Schreibtisch. Dennoch ist die Tür verschlossen, es wird um telefonische Terminabsprache gebeten, so steht es auf einem Schild. Ich klopfe an die Scheibe, der Mitarbeiter macht mir auf. Ich habe Glück und bekomme sofort einen Termin.

Der Reiseexperte empfiehlt die Balearen und die Kanaren

Michael Kotzurek, der auch Geschäftsführer des Reisebüros ist, rät momentan von Fernreisen ab. Das Risiko, aus dem Ausland nicht wieder zurückzukommen, sei zu groß. „Wer jetzt gern weg möchte, sollte die Balearen oder Kanarischen Inseln wählen“, sagt er.

Allerdings: Während bei der Einreise von den Balearen nach Deutschland nur ein negatives Testergebnis nachgewiesen werden muss, ist es bei den Kanaren komplizierter. Da das Gebiet als Risikogebiet ausgeschrieben ist, ist nach dem Urlaub zusätzlich eine Quarantäne von zehn bis 14 Tagen vorgeschrieben.

Foto: Volkmar Otto
Nicolas Heuss vom L’Tur-Reisebüro in Steglitz.

Für zusätzliche Irritationen unter Mallorca-Urlaubern hat vor wenigen Tagen eine von der Balearen-Regierung umgesetzte Verschärfung der Maskenpflicht gesorgt. Die spanischen Politiker forderten, dass die Maske auch während des Sonnenbadens am Strand und Pool getragen wird. Doch laut Mallorca Zeitung ist die Verordnung nun „erst einmal ausgesetzt“.

Der Reise-Experte Kotzurek, der sein Unternehmen seit 1988 mit zwei weiteren Geschäftspartnern führt, empfiehlt seinen Kunden, in der Pandemie am besten Pauschalreisen inklusive Verpflegung im Hotel zu buchen. Zum einen, weil die Stornierungsbedingungen bis zu zwei oder vier Wochen vor Reiseantritt kulant auf die derzeitige Situation abgestimmt seien und zum anderen, weil die Restaurants auf Mallorca nur eingeschränkt bis 17 Uhr geöffnet haben.

Kunden kann er „an einer Hand abzählen“

Viele Kunden kämen nicht bei ihm in Friedenau vorbei, berichtet Michael Kotzurek. Er könne die, die er an einem Tag berate, „an einer Hand abzählen“. Gerade hat er einer Kundin eine Reise nach Lanzarote verkauft. Den „harten Kern der Reisewütigen“ gebe es noch immer. Dennoch habe er selten mehr als eine Buchung am Tag. Die Kalender und die Papierunterlage auf seinem Schreibtisch stammen allesamt noch aus dem Jahr 2020. Fast so, als wäre die Zeit stehengeblieben. Neuere sind noch nicht gedruckt worden. Weil es sich nicht lohnt.

Statt der Fernreise-Kataloge liegen nun Kataloge mit deutschen Reisezielen im Regal: Schleswig-Holstein zum Beispiel, Mecklenburg-Vorpommern. „Ich musste mich damit überhaupt erst einmal vertraut machen“, berichtet Kotzurek. Er glaubt, dass Reisen innerhalb Deutschlands bald wieder möglich sein wird. Ferienwohnungen und -häuser könnten im Sommer interessant sein. Auch die griechischen Inseln, die derzeit noch zum Risikogebiet zählten, könnten neben den Balearen und Kanaren in den Ferienmonaten ab Juli wieder gefragt sein, sofern sich die Inzidenzwerte dort positiv entwickelten.

Sichere Prognosen kann in diesen Wochen niemand abgeben. Momentan ist das Verreisen im eigenen Land ausschließlich zu geschäftlichen Zwecken möglich. Michael Kotzurek selbst hatte Glück und war im vergangenen Jahr noch kurz vor den gesetzlichen Beschränkungen im Berchtesgadener Land. „Danach wurde dort der harte Lockdown verhängt, weil die Fallzahlen explodierten.“

Foto:  Volkmar Otto
Michael Kotzurek von GBFR-Reisen. Im Hintergrund sind Kataloge mit Inlandsreisen einsortiert.

Weiter geht die Reisebüro-Reise: Im L’Tur-Büro an der Schloßstraße in Steglitz sitzt Nicolas Heuss und telefoniert. „Da sich täglich an den Reisebedingungen etwas ändern kann, stehen wir in engem Kontakt mit unseren Kunden“, sagt er. Vor kurzem sei Kuba noch attraktiv gewesen, doch nun gebe es auch dort eine Reisewarnung. Einige von Heuss’ Kunden sind über Ostern nach Mallorca geflogen. Er erkundigt sich alle zwei Tage nach ihrem Befinden. Der persönliche Austausch gehöre zum Service dazu und sei besonders jetzt sehr wichtig, sagt er.

Für 570 Euro nach Mallorca

Auch Heuss verkauft „dramatisch wenig“, wie er sagt. Normalerweise hätten seine Kollegen und er um diese Zeit wahnsinnig viel zu tun. Das hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch geändert. Im aktuellen Angebot hat er eine Flugreise nach Paguera auf Mallorca: ein Viersternehotel mit Halbpension für 570 Euro. Der Flug soll schon morgen am BER starten. Bislang sind noch Plätze frei.

„Die Nachfrage nach Urlaubsreisen ist grundsätzlich da, die Menschen haben Fernweh. Bei den aktuell noch zurückhaltend eingehenden Buchungen für die Sommermonate zeichnet sich ein großes Interesse für das Mittelmeer ab: Griechenland, Türkei, Spanien, Portugal, Kroatien sind dabei derzeit gefragt“, sagt auch Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin.

Aktuell seien es vor allem die Quarantäne-Bestimmungen bei der Rückkehr nach Deutschland, die Kunden abschreckten. Die meisten buchten für den Sommer oder sogar für das nächste Jahr. Mit der Aussicht auf Impfungen und mehr Möglichkeiten für Tests steige aber die Zuversicht, bald wieder verreisen zu können. „Zudem rechnen wir mit einem Nachholeffekt, da viele Menschen im vergangenen Jahr keinen Urlaub machen“, sagt Schäfer. 

Bange Frage all derer, die jetzt loswollen: Was macht man, wenn man bereits gebucht hat und nicht reisen kann? Die Verbraucherzentrale Berlin rät, in diesen Tagen und Wochen die Stornoregelungen besonders genau zu prüfen. „Je früher man storniert, desto günstiger ist es“, sagt eine Sprecherin. Manche Reiseveranstalter böten jetzt auch extra Storno- oder Corona-Versicherungen an.