Berlin - Die beiden Flügel der Gondeltüren schließen automatisch, einige Fahrgäste gucken skeptisch, weil es ihre erste Fahrt mit einer Seilbahn ist. Sekunden später wird die Gondel beschleunigt und mit einem Haltesystem in das Stahlseil eingehängt. Dynamisch fühlt sich das in der Talstation am Fuß des Kienbergs an. Verlässt die Gondel das Haus und fährt über die Stütze, schaukelt die Kabine nur wenig, man scheint schwerelos zu sein und über dem Wuhletal zu schweben.

Dieser Inhalt ist nicht mehr verfügbar.

Die neue Gondelbahn, die zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) in Marzahn und Hellersdorf errichtet wurde, hat am Freitag ihren ersten Belastungstest mit Fahrgästen bestanden. Die Leitner AG aus Südtirol hat die Bahn für 14 Millionen Euro errichtet. „Für einen Tiroler ist es schon etwas ganz Besonderes, hier in Berlin eine Seilbahn zu bauen“, sagt Michael Seeber, der Aufsichtsratspräsident.

Alles läuft glatt

Etwas Bammel hatten die Seilbahnleute vor der Premierenfahrt, weil meist bei solchen Anlässen etwas schief geht. An diesem Tag aber lautet das Fazit: Alles läuft glatt. Test bestanden. Zu den ersten Fahrgästen zählte der Regierende Bürgermeister. Dass es ihm Spaß gemacht hat, sieht man ihm an. „Man ist sprachlos, man ist erstaunt. Es ist ein besonderer Eindruck, wenn man das Gelände von oben sieht. Ein tolles Erlebnis“, sagt Michael Müller (SPD). Auf das müssen die Berliner aber noch über ein halbes Jahr warten.

Leitner testet jetzt alle Sicherheitsvorkehrungen, spielt technische Szenarien durch, auch Rettungseinsätze mit der Berliner Feuerwehr werden simuliert. Erst mit der IGA-Eröffnung am 13. April 2017 nimmt die Gondelbahn ihren regulären Betrieb auf. Die Fahrt ist im Eintritt zur Gartenschau enthalten.

Stille in der Luft

Dass sich eine Gondelbahn in der Stadt durch Bäume schlängelt und hinauf auf den nicht gerade riesigen Kienberg fährt – dieser Anblick ist schon gewöhnungsbedürftig. Von oben auf die Wuhle zu sehen, über das Tal zu gleiten, später die Gärten der Welt, den Chinesischen Garten mit Teich und Teehaus aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben, ist aber beeindruckend. Denn in der Luft ist es sehr still. Vorausgesetzt, andere Fahrgäste reden nicht die ganze Zeit laut und aufgeregt. Dass die schwarzen Sitzpolster hart sind, spürt man kaum. Bei knapp 30 Grad Spätsommerhitze wird es in den Gondeln trotz offenen Fenstern aber schnell stickig.

Zwischenstopp Kienberg: Von der Bergstation sind es nur ein paar Meter hinauf zum höchsten Punkt. Hier entsteht die 30 Meter hohe Aussichtsplattform Wolkenhain, erklärt IGA-Geschäftsführer Christoph Schmidt. Im Erdgeschoss wird ein Restaurant mit Terrasse eingerichtet. Von dort hat man einen guten Blick über die Stadt. Den genießt man auch, wenn man mit der Gondel wieder zurück ins Tal gleitet. Man sieht bis zum Fernsehturm, fährt auf die Wohnhäuser am Blumberger Damm zu. Die Gondel wird abgebremst. Aussteigen!