SEK-Drogenrazzia: Polizei stürmt Nobel-Wohnung nahe Kudamm

Er soll große Mengen Rauschgift verkauft haben. Aus Angst vor der Polizei sicherte er seine Wohnung in nobler Kudamm-Lage mit zahlreichen Kameras – vergebens. Vermummte Polizisten stürmten jetzt seine Wohnung in Charlottenburg.

Gegen den 30-jährigen Ersan A. erließ ein Richter am Sonntag Haftbefehl. Zuvor hatten Ermittler am Samstag in der Wohnung des Mannes in der Leibnitzstraße in Charlottenburg einen Durchsuchungsbeschluss vollstreckt. 

Griffbereite Glock 17

Die Polizisten wussten, dass der Verdächtige als gewalttätig gilt. Deshalb zogen sie das Spezialeinsatzkommando (SEK) hinzu, das nach Angaben von Beamten sozusagen „mit der Tür ins Haus“ fiel. Als die SEK-Leute in die Wohnung eindrangen, lag Ersan A. im Bett. Griffbereit hatte er nach Informationen der Berliner Zeitung eine mit elf Patronen geladene Pistole vom Typ Glock 17.

Die Beamten trafen in der Wohnung auch eine 28-jährige Polin an. Sie gilt ebenfalls als tatverdächtig und Komplizin des Mannes. Bei der Durchsuchung der Ein-Zimmer-Wohnung entdeckten die Ermittler mehrere Videokameras, die die Wohnung sicherten. Zwei Kameras steckten in Blumenkästen auf dem Balkon. Sie filmten den Hauseingang und einen Teil der Leibnitzstraße. Die Bilder – ebenso wie die aus dem Türspion – wurden live auf einen Monitor übertragen, der eingeschaltet war. „Wir gehen davon aus, dass der Tatverdächtige sich damit vor polizeilichen Maßnahmen schützen wollte“, sagte ein Ermittler der Berliner Zeitung.

Die Beamten entdeckten in der Wohnung einen fünfstelligen Geldbetrag, bei dem es sich vermutlich um Handelserlös aus den Rauschgiftgeschäften des Mannes handelt. Sie fanden zudem rund 890 Gramm Amphetaminpaste, 1,7 Kilogramm Marihuana, circa 200 Gramm Ketamin, etwa 400 Gramm Haschischprodukte sowie verschreibungspflichtige Medikamente und Dopingmittel sowie zwei Messer. Die gefundenen Gegenstände, Drogen und Arzneimittel sowie Kameras und Festplatten wurden beschlagnahmt.

Verdächtiger ist polizeibekannt

Der 30-Jährige hatte bei der Festnahme leichte Verletzungen erlitten. Er wurde ambulant in einem Krankenhaus behandelt und dann zur Gefangenensammelstelle gebracht.

Die Ermittler vernahmen die 28-jährige Frau und entließen sie anschließend. Der polizeibekannte und bereits in der Vergangenheit verurteilte Mann wurde am Sonntag einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der den Untersuchungshaftbefehl aussprach.

Eine Woche lang hatte das Drogenkommissariat der Polizeidirektion 2 gegen den 30-Jährigen ermittelt, nachdem es einen entsprechenden Tipp bekommen hatte. Nach der Razzia leiteten die Ermittler gegen den Mann zu dem bereits laufenden Drogenverfahren weitere Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, das Geldwäschegesetz, das Datenschutzgesetz und das Arzneimittelgesetz ein.

Bereits in der vergangenen Woche war die Polizei mit einer Razzia gegen Mitglieder einer arabische Großfamilie vorgegangen, die in großem Stil Drogen verkauft haben sollen.