Loriot und Evelyn Hamann zeigten perfekt, wie Männer und Frauen aneinander vorbeireden können.
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BerlinMänner und Frauen passen einfach nicht zusammen, hieß es einst bei Loriot. Nehmen wir nur meine Frau und mich, wenn wir Eis essen gehen. Wir setzen uns hin, ich im Schatten, sie in der Sonne, und greifen die Eiskarte. Ich blättere zwei Minuten, dann weiß ich: der Nusseisbecher! Das belle ich auch hin, wenn jemand kommt. Meine Frau bestellt ungefähr so: „Ich hätte gerne den Eisbecher mit gemischten Früchten. Aber ohne gemischte Früchte. Dafür mit Erdbeeren. Und statt der drei Kugeln Vanilleeis hätte ich gern Kirsche, Waldfrucht und Schokolade. Und bitte ohne Sahne!“

Nicht nur unsere Geschmäcker sind verschieden. Auch unsere Gehirne arbeiten unterschiedlich. Meine Frau kann sich Zahlen und Texte merken, bei mir läuft alles über Bilder und Musik. Ihr macht alles Spaß, was knifflig ist. Früher hat sie stundenlang am Rubik-Würfel gedreht. Ich würde das Ding höchstens nach einem Einbrecher schmeißen. Sie guckt Krimis, ich romantische Serien. Wenn draußen der Asphalt kocht und das Thermometer 37 Grad anzeigt, sagt sie: „Jetzt fühl ich mich endlich wohl.“ Ich packe mir einen Eisbeutel auf den Kopf und verziehe mich in den Keller.

Wenn wir spazieren gehen, erkenne ich auf der Straße lauter Leute. Sie dagegen hat Probleme, Gesichter auseinanderzuhalten. „Mit dir kann man nicht auf die Straße gehen“, sagt sie. „Du erkennst ja jeden, mit dem du mal im Kindergarten gebuddelt hast. Und das Schlimmste ist: Du sprichst den auch an.“ Das stimmt. Es führt mitunter zu komischen Situationen. Aber es ist nicht so, dass meine Frau überhaupt keinen erkennt. Neulich fragte sie: „War das nicht der Dingsbums, der früher mal im Nebenhaus gewohnt hat?“ Ich sagte: „Ja.“ Und sie rief: „Hurra, ich habe auch mal jemanden erkannt!"

Mitunter aber geht es uns beiden gleich. Wir kommen nicht auf eine bestimmte Person. Zum Beispiel beim Filmgucken, wenn wir eine Schauspielerin sehen, die uns bekannt vorkommt. „Das ist doch die, die du so magst“, sagt meine Frau, „die aus dem kitschigen Film, wo die Mutter ihre Töchter verheiraten will und alles durcheinandergeht.“ Ich sage: „Nee, das ist eine andere. Ich glaube, das ist die, wo zwei Freunde nur Freunde sein wollen, aber zusätzlich Sex haben.“ – „Quatsch, die ist das nicht. Ich glaube, das ist die Dingsda, die auch bei dem Film – na, sag – mitgespielt hat mit dem komischen Käptn, der sich so viele Augen auf die Backe gemalt hat.“ – „Nee, die ist das auf alle Fälle nicht!“ – „Schade, ich dachte.“

Schön, dass meine Frau und ich was gemeinsam haben. Diese Art Dialog erinnert mich an eine Szene, die der Berliner Autor Adolf Glaßbrenner vor etwa 180 Jahren aufgeschrieben hat. Ein Berliner fragt den anderen, ob er schon die neue Geschichte gehört habe, „die da draußen vorjejangen is, da bei – da draußen bei – Jott, du muss ja den Ort kennen!“ Der andere sagt: „Ach jees, des is die Jeschichte mit den – ja, die kenn‘ ick – mit den – na, mit den, jees, wie heeßt er doch? Die meenste?“ – „Richtig, die meen‘ ick. Also, du kennst de schon?“ – „Ja, die kenn‘ ick; die hat mir ja der – der – na, wie heeßt er denn erzählt. Der – da draußen – du weeßt ja!“ – „Ja, ick weeß schon, det is die Jeschichte! Von den hab‘ ick se ooch.“ Ein echter Klassiker!