Vorlesung in einem Hörsaal im Hauptgebäude der Humboldt-Universität – vor Corona.
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BerlinDie Berliner Universitäten stellen sich auf ein leicht verkürztes Wintersemester ein. Wegen der Verschiebungen, die durch die Corona-Krise bereits im Sommersemester entstanden, beginnen die Vorlesungen erst am zweiten November, nicht wie üblicherweise Mitte Oktober. Grund dafür sind außerdem die ebenfalls verzögerten Abiturprüfungen und deshalb später angelegte Bewerbungsfristen für die Studiengänge. Schulabgängern sollte damit eine fristgerechte Bewerbung ermöglicht werden, so hatten es die Kultusminister beschlossen.

Gleichzeitig wollen die Hochschulen nach den herausfordernden Monaten des Frühjahrs, in denen Bibliotheken in Windeseile geschlossen, Veranstaltungen abgesagt und schließlich online organisiert wurden, zurück zum gewohnten Rhythmus finden: „Es wird angestrebt, ab dem Sommersemester 2021 zum regulären Takt und zu der üblichen Dauer der Vorlesungszeit zurückzukehren“, informiert dazu die Freie Universität (FU) auf ihrer Homepage. Die Vorlesungszeit an den Berliner Universitäten wird deshalb zum 27. Februar 2021 enden, sodass im Studienplan nur eine Woche fehlt.

Wie Lehre mit weniger Veranstaltungsterminen funktioniert, hängt im Detail von den Fachbereichen ab. „Die Dozierenden müssen sich darauf einrichten“, sagt Stefanie Terp von der Technischen Universität (TU). Die Universitätsverwaltung kümmere sich derweil „unter Hochdruck“ um die hygienekonforme Raumplanung: Belüftungssysteme, Abstände zwischen den Sitzplätzen, Einlass-Vorschriften.

Ungewöhnliche Lehr- und Lernbedingungen wegen Corona

Denn die einschneidende Herausforderung bleibt auch im Wintersemester die Organisation der Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen. Die Unis wollen eine Mischung aus digitaler Lehre und Präsenzbetrieb anbieten. Der „große Wunsch“ der TU sei es, zumindest den Erstsemestern wenigstens eine Veranstaltung pro Semester mit physischer Anwesenheit zu ermöglichen. In einer gemeinsamen Meldung der Berliner Hochschulen hieß es bereits im Juni, man richte sich darauf ein, dass das „kommende Wintersemester unter besonderen und weiterhin ungewöhnlichen Bedingungen stattfinden“ wird.

Den Großteil der Veranstaltungen werden die Studenten also weiterhin online besuchen. Das ist besonders für Studienanfänger eine Herausforderung. „Da viele Studiengänge nur zum Wintersemester zulassen, wird im Vergleich zum Sommersemester eine größere Zahl von Studierenden nach Berlin kommen, die den Hochschulbetrieb, seine Abläufe, seine Studienorganisation nicht kennen und auch mangels Präsenzveranstaltungen kaum Gelegenheit haben, Kommiliton*innen kennenzulernen“, erklärten die Hochschulen.

So wird auch die offizielle Begrüßungsveranstaltung der TU, zu der in anderen Zeiten 3000 bis 4000 Neulinge zusammenkamen, digital umgesetzt. Die Fakultäten bereiteten jedoch Begrüßungen in kleineren Formaten zum analogen Kennenlernen vor, erzählt Terp. Denn Universität setze „Vernetzung voraus, auch Lerngruppen“, so die Sprecherin. Die Studierenden sollen „einen Begriff bekommen, wo sie studieren, mit wem, und wer die Dozierenden sind“.