Berlin - Berlins Krankenhäuser stellen sich auf eine Verschärfung der Corona-Lage ein. Angesichts steigender Fallzahlen hat sich die Senatsverwaltung für Gesundheit an die Klinikträger der Stadt gewandt, um eine mögliche Rückkehr in den Krisenmodus vorzubereiten. Sollte sich die Lage auf den Intensivstationen dramatisch verschlechtern, könnte ein im März 2020 entwickeltes Notfallkonzept greifen. Derzeit besteht dazu kein Anlass.

Insgesamt 1046 Intensivbetten stehen in Berlin zur Verfügung, 979 sind belegt. Am Donnerstagnachmittag wurden 112 Menschen wegen Corona intensivmedizinisch versorgt, 71 davon invasiv beatmet. Den bisherigen Höchststand erreichte Berlin am 6. Januar, als das Register der Fachgesellschaft DIVI 456 Intensivpatienten mit einem schweren Covid-19-Verlauf auswies. Momentan sind 20 Betten für Corona-Patienten frei. Die Notfallreserve, die binnen einer Woche aktiviert werden kann, beträgt 400 Betten.

Wie im gesamten Bundesgebiet steigen auch in der Hauptstadt die Fallzahlen an: Ende August wurden knapp 50 Corona-Patienten auf Intensivstationen registriert, 80 waren es bereits am 10. Oktober. „Die Situation wird sich in den kommenden Wochen voraussichtlich noch erheblich zuspitzen, mit deutlich mehr an Covid-19 erkrankten Patientinnen und Patienten, auch auf den Intensivstationen, ist zu rechnen“, sagt Barbara Ogrinz von der Berliner Krankenhausgesellschaft. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnt vor einer Überlastung durch Corona-Kranke ohne Impfschutz.

Kaum Kinder wegen Covid-19 auf Berlins Intensivstationen

Zumindest bei Kindern besteht diese Gefahr nicht. Dort sinkt die ohnehin niedrige Zahl von Patienten mit schweren Infektionsverläufen stark. Vor Wochenfrist befanden sich 15 Kinder auf einer der Berliner Intensivstationen, zurzeit sind es sieben. Aufgenommen werden mussten zuletzt keine Kinder.

„Der Fachkräftemangel in der Pflege ist weiterhin die größte Herausforderung für die Kliniken und limitierender Faktor in der Versorgung“, sagt Ogrinz. Nach der Infektionswelle im Frühsommer stiegen viele Pflegekräfte aus oder wechselten in Teilzeit. Ohnehin treiben die Arbeitsbedingungen Jahr für Jahr Beschäftigte aus ihrem Klinikjob. Einer Studie zufolge könnten in der Alten- und Krankenpflege mindestens 120.000 Aussteiger zurückgewonnen werden – bei besserer Bezahlung und weniger Druck für Körper und Psyche.

„Es ist jetzt dringend erforderlich, politische, organisatorische und finanzielle Unterstützungsmaßnahmen für Krankenhäuser auf Bundes- und auf Landesebene zu diskutieren“, sagt Ogrinz. „Hierfür erwarten wir ein echtes Bekenntnis der politisch Verantwortlichen für alle Krankenhäuser in der Stadt.“