Wer das Gefühl hat, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) unpünktlicher und unzuverlässiger geworden sind, findet sich durch neue Zahlen des Senats bestätigt. Die offiziellen Daten für das vergangene Jahr zeigen, dass es mehr Verspätungen und Ausfälle gibt. Das Landesunternehmen hat ein Qualitätsproblem – das wird anhand der Statistik deutlich. Doch BVG-Sprecherin Petra Nelken sagte: „2018 war kein Jahr, in dem wir aus Scham im Boden versinken mussten.“ Für einige Zahlen, die negativ anmuten, gebe es plausible Gründe.

Verspätungen nahmen am stärksten bei der U1 zu

Auf Anfrage des SPD-Verkehrspolitikers Tino Schopf hat Umwelt-Staatssekretär Stefan Tidow (Grüne) die Daten geliefert. Sie lassen sich mit früheren Zahlen des Senats, die sich auf 2016 beziehen, vergleichen.

Danach ist der Anteil der Fahrten, die als pünktlich gewertet wurden, bei der U-Bahn von 98,7 auf 98,3 Prozent zurückgegangen. Bei der Straßenbahn sank die Pünktlichkeitsquote von 91,4 auf 90, beim Bus von 87,2 auf 86,8 Prozent. Als pünktlich wertet der Senat bei der BVG Fahrten, die höchstens 90 Sekunden vor der geforderten Zeit oder maximal 210 Sekunden danach stattfinden.

Bei der U-Bahn schnitt die U1, die sich von der Warschauer Straße zur Uhlandstraße zieht, am schlechtesten ab. Der Anteil der Züge, die als pünktlich gewertet wurden, sank von 98,4 auf 97,3 Prozent. Diese Quote erzielte auch die U6 (Alt-Tegel – Alt-Mariendorf), die zwei Jahre zuvor mit 98,5 Prozent ebenfalls noch gut abgeschnitten hatte. Bei der U3, die heute die Warschauer Straße mit der Krummen Lanke in Zehlendorf verbindet, sackte die Quote von 99,1 auf 97,7 Prozent ab. Dass die U55 in Mitte mit 99,9 Prozent erneut den besten Wert erzielte, verwundert nicht: Auf der zwei Kilometer langen Strecke pendelt ein einziger Zug.

Baustellen sorgten verstärkt für Verspätungen

Bei der Straßenbahn hat sich die Pünktlichkeitsquote der Linie 21 besonders stark verschlechtert – von 85,7 auf 75,8 Prozent. Damit war die Strecke von Lichtenberg nach Schöneweide, an der viel gebaut wird, im vergangenen Jahr das Schlusslicht der Tram-Statistik. Auch die Linie 12 zwischen Weißensee und Mitte, auf der zwei Jahre zuvor 87,4 Prozent der Fahrten als pünktlich registriert worden waren, rutschte ab – auf 79,8 Prozent. Es gab aber auch Verbesserungen, etwa auf der M1 und M10.

Bei den Bussen bekam eine kurze Route im Südwesten eine besonders schlechte Wertung. Auf der Linie 380 zwischen dem Rathaus Steglitz und dem Saaleckplatz in Lichterfelde galten im vergangenen Jahr 73,2 Prozent der Fahrten als pünktlich. Nicht viel besser war die Pünktlichkeit der Linie M48 von Mitte nach Zehlendorf: 74,8 Prozent. Die Zentrumslinien 140 und 200 brachten es auf 76,1 Prozent. Gut hatten es dagegen die Fahrgäste der kurzen Spandauer Nachtbuslinie N30. Dort betrug die Pünktlichkeitsquote 98,8 Prozent.

BVG musste mehr Fahrten als in den Jahren zuvor absolvieren

Die Ausfälle haben ebenfalls zugenommen. Bei der U-Bahn wurden im vergangenen Jahr rund 581.000 Kilometer, die vertraglich mit dem Senat festgelegt worden waren, nicht gefahren. Zwei Jahre zuvor waren 169.000 Kilometer ausgefallen. Bei der Straßenbahn stiegen die Ausfälle von 361.000 auf 645.000, beim Bus von 517.000 auf 1,41 Millionen Kilometer. Unterm Strich fielen 2,6 Millionen Kilometer aus. Als Folge wird sich in der Abrechnung der Senatszahlungen an die BVG ein Abzug von 8,28 Millionen Euro wiederfinden.
Auch der Senat trägt Mitschuld

„Bei den Ausfallzahlen müssen wir bedenken, dass die vom Senat geforderte Verkehrsleistung gestiegen ist“, konterte Petra Nelken. Was die Zahl der gefahrenen Kilometer anbelangt, habe die BVG 2018 das Niveau von 2017 erreicht. „Beim Bus sind wir sogar 400.000 Kilometer mehr als 2017 gefahren. Faktisch sind wir also nicht schlechter geworden, konnten aber nicht alle Mehrbestellungen liefern.“

Auch der Personalmangel der BVG führte zu Verspätungen

Zudem sei die Zahl der Fahrgäste gestiegen – allein von 2016 bis 2018 um 57 Millionen. Die BVG-Sprecherin: „Mehr Fahrgäste brauchen mehr Zeit beim Ein- und Aussteigen.“ Bei der U-Bahn zeige sich, dass es sich um eine „alte Dame“ handelt, mit einem betagten Wagenpark. In der Tat dominieren bei diesem Verkehrsmittel „fahrzeugbedingte Ausfälle“, so Stefan Tidow. Fahrzeugmangel war im vergangenen Jahr je nach Monat an 53 bis 88 Prozent der U-Bahn-Ausfälle schuld. In den anderen Bereichen war Personalmangel das größte Problem. Beim Bus waren bis zu 85 Prozent der Ausfälle personell bedingt, bei der Tram bis zu 90.

Daneben machten dem Busverkehr außer Bauarbeiten sowie Demonstrationen auch „nicht optimierte Lichtsignalanlagen und eine unzureichende Qualitätssicherung der Beschleunigung“ zu schaffen, so Tidow. Die Kritik richtet sich an die eigene Adresse: Für beide Themen ist die Senatsverwaltung zuständig.