Langsam nehmen die Schulen wieder ihren Betrieb auf. 
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BerlinDer Berliner Senat will in Zukunft auch verstärkt Kinder und Jugendliche auf Corona testen. „Wir beginnen mit Testungen in Schulen und Kitas“, kündigte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus an. Die Testungen würden in Kooperation mit der Berliner Charité durchgeführt.

Welche Kinder sollen getestet werden? Ab wann? Mit welchem Ziel? Diese Fragen konnte die Senatsgesundheitsverwaltung allerdings auch am Freitag noch nicht beantworten. Auch aus der Bildungsverwaltung hieß es, man könne noch keine Details zur Planung nennen, man stehe dazu im Austausch mit Gesundheitsämtern, Gesundheitsverwaltung sowie den Schulträgern. „Zum Schutz der Schüler wollen wir tun, was möglich ist“, sagte Martin Klesmann, Sprecher der Bildungsverwaltung, der Berliner Zeitung. Doch: „Wir müssen schauen, was wirklich möglich und leistbar ist an Testkapazitäten.“

Auch in der Konferenz der 16 Landeschefs mit der Kanzlerin am Donnerstag waren die Schulen Thema. „Wir haben brennendes Interesse daran zu wissen: Wie wirkt dieses Virus auf Kinder?“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Es sei Aufgabe der Wissenschaften, das nun zu untersuchen. 

Ein Forscherteam der Charité um den Virologen Christian Drosten hatte am Donnerstag eine erste Analyse zur Ansteckungsgefahr von Kindern in der Corona-Krise in Deutschland veröffentlicht. Drostens Team zog in dem Papier den Schluss: Kinder seien vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Zahl der Viren, die sich in den Atemwegen nachweisen lasse, unterscheide sich bei Infizierten verschiedener Altersgruppen nicht.

Die Forscher warnen vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten. „In der gegenwärtigen Situation mit einer weithin anfälligen Bevölkerung und der Notwendigkeit, die Übertragungsraten durch nicht-pharmazeutische Interventionen niedrig zu halten, müssen wir vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten warnen“, schreiben sie. Die 16-seitige Analyse wurde vorab veröffentlicht und von Fachkollegen noch nicht begutachtet.

Daten und Expertenmeinungen dazu, wie stark das Virus Kinder angreift und welche Rolle sie bei seiner Verbreitung spielen, sind bisher dünn und widersprüchlich. Auch das Papier des Charité-Teams betont: Die Untersuchung dieser Frage sei schwierig, gerade weil die Schulen früh geschlossen wurden und das Virus vor allem in der Anfangsphase von erwachsenen Reisenden weitergegeben wurde. Ein weiteres, zentrales Problem: Kinder hätten oft keine oder nur leichte Symptome, wenn sie infiziert sind, und würden deshalb wesentlich seltener getestet als Erwachsene.

Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid warnte vor diesem diagnostischen Problem und der Öffnung der Schulen bereits am 18. April. Er bezeichnete die Schulöffnungen im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur als „Experiment“ mit ungewissem Ausgang: „Wir spielen Vabanque. Wir haben keine Zahlen dazu. Ich bin skeptisch, ob das Experiment Schulöffnung so gut geht.“

In Berlin haben die Schulen an diesem Montag wieder für die Zehntklässler geöffnet, nächste Woche sind an Gymnasien die elften und an Sekundarschulen die neunten und die zwölften Klassen dran. Auch Sechstklässler in Grundschulen sollen ab Montag wieder zur Schule. 

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen teilte am Donnerstag mit, dass dort bereits ab dem 11. Mai auch alle Grundschüler zurück in die Schulen kehren sollen.