Jacken in einer Kita.
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Der Berliner Senat will die Kita-Notbetreuung in der Corona-Krise bis zum Sommer schrittweise auf alle Kinder ausweiten. Ab nächsten Donnerstag, 14. Mai, sollen zunächst die Kinder am Übergang zur Grundschule und deren Geschwister wieder in die Kita gehen können, teilte die Senatsverwaltung für Bildung am Donnerstagabend mit. Als nächste Schritte seien vorgesehen, das jeweils altersmäßig absteigend weitere Jahrgänge hinzukommen, plus die jeweiligen Geschwisterkinder. „Bis zum Sommer soll jedes Kind wieder ein Betreuungsangebot erhalten“, teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit. 

Allerdings werden die Betreuungsmöglichkeiten und -zeiten stark eingeschränkt werden, auch für jene, deren Kinder zurzeit länger in die Kita gehen. Von Regelbetrieb kann keineswegs die Rede sein. Die vorhandenen Ressourcen müssten geteilt werden, teilte die Senatsbildungsverwaltung mit. Alle anspruchsberechtigten Kinder erhalten laut Verwaltung ein Betreuungsangebot von bis zu vier Stunden pro Tag. Das entspricht einem Halbtagsplatz. Dieses Angebot könne „flexibel gestaltet werden“. Für systemrelevante Berufsgruppen, besonders im Gesundheits- und Pflegebereich, könnten in Einzelfällen längere Betreuungszeiten vereinbart werden.

Für die Kita-Träger ist die Herausforderung enorm. Sie müssen sich nun bis nächsten Donnerstag auf eine wesentlich größere Zahl Kinder in der Betreuung vorbereiten und Schutzkonzepte erarbeiten. Die Senatsbildungsverwaltung teilte mit, dass man gerade ein „detailliertes Informationsschreiben“ an die Kita-Träger vorbereite - mit Hinweisen zu Personaleinsatz, Organisation und Gesundheitsschutz. Die Umsetzung der Maßnahmen solle möglichst im Einvernehmen mit den Eltern und unter Berücksichtigung der Bedingungen vor Ort erfolgen. Mögliche Maßnahmen, die von Kitas empfohlen werden könnten, seien beispielsweise: stundenweise Betreuung von Kindern, Vormittags-/Nachmittagsgruppen sowie ein wöchentliches Wechselmodell. Auch die Nutzung von Räumen anderer Einrichtungen wie Familienzentren sei zu begrüßen. 

Im Lauf der kommenden Woche werde neben der bereits bestehenden Hotline der Bildungsverwaltung (030-902276060) eine weitere Hotline für Fragen zur Kita-Betreuung angeboten. 

Roland Kern vom Dachverband der Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS) begrüßte die Öffnung. Es müsse allerdings klar kommuniziert werden, dass das Motto „Ausweitung durch Teilung“ gelte: Mehr Kinder könnten in die Kita kommen, die Gruppen müssten aber zeitlich entzerrt werden - deswegen eben könne es ab sofort für alle nur noch einen Halbtagsplatz geben. 

Die Kita-Träger hätten von der erweiterten Öffnung erst am heutigen Donnerstag aus den Medien erfahren. „Aus Sicht der Kitas ist es extrem misslich, dass man im Internet davon erfährt“, sagte Kern. Jeder Schritt brauche Planungsvorlauf. Eine Woche habe man nun immerhin, das genüge.  

Dabei sei es in Kitas nicht nur schwierig, sondern „unmöglich“ den Infektionsschutz einzuhalten. „Den Schutz können wir weder für Kinder noch für Beschäftigte gewähren“, so Kern. Das sei inzwischen wohlbekannt. Der Senat hat den Kitas bisher keine maximale Gruppengröße vorgeschrieben. Kern wünscht sich hier eine Empfehlung des Senats, um Kitas in Notsituationen das Ziehen der Reißleine zu erleichtern: „Wir wünschen uns eine Orientierung für die maximale Gruppenstärke und schlagen die Zahl 10 vor.“

Auch Corinna Balkow vom Landeselternausschuss Kita begrüßte den Öffnungsschritt. „Aus unserer Sicht müssen möglichst viele Familien in den Notbetrieb integriert werden.“ Balkow appellierte an Eltern, „solidarisch auch kürzere Betreuungszeiten zu akzeptieren“. 

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) erklärte in der Senats-Pressekonferenz am Donnerstagabend auf Nachfrage, dass auch die private Kinderbetreuung ausgeweitet werden solle: Bisher habe hier eine Obergrenze von fünf Kindern gegolten, jetzt dürfen sich drei Haushalte gegenseitig helfen – ohne Obergrenze bei der Gruppengröße, kündigte Pop an.

Bildungssenatorin Scheeres betonte, Berlin befinde sich weiterhin in einer Ausnahmesituation, es könne noch keine Ganztagsbetreuung für alle geben. „Ich bitte die Eltern um Verständnis und appelliere auch an die Arbeitgeber, Eltern in dieser schwierigen Phase zu unterstützen.“ Sie wisse, dass die weitere Öffnung eine große Herausforderung für die Träger bedeute. Ihr Engagement verdiene „höchsten Respekt“. 

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte bereits am Vormittag angekündigt, die Kitas während der Corona-Pandemie wieder Zug um Zug in Betrieb zu nehmen. „Wir sind schon bei einer Versorgung von rund 40 Prozent des Normalbetriebs und gehen jetzt schrittweise auf 70 Prozent“, sagte er im RBB-Inforadio vor Beginn der Senatssitzung. Das sei bereits deutlich mehr als in anderen Bundesländern, die teilweise erst jetzt eine Notbetreuung einrichteten.

Anmerkung: Der Text wurde am Donnerstagabend nach der Senatssitzung aktualisiert.