Das Straßenbahnnetz wächst. Doch dem Fahrgastverband IGEB und dem SPD-Fachausschuss Mobilität geht der Ausbau zu langsam voran. Sie haben Konzepte vorgelegt, die eine massive Erweiterung des Streckennetzes vorsehen. Nun hat der Senat die Erwartungen gedämpft. Nach Informationen der Berliner Zeitung haben Planer in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung inzwischen die Konzepte bewertet – sie empfehlen andere Strategien, wie es mit Berlins Straßenbahnnetz weitergehen sollte.

Lieber nach Moabit und Malchow

Im Grundsatz stimmen sie zu: Die Straßenbahn ist ein Verkehrsmittel, das der Umwelt und der Stadt gut tut. Sie ist attraktiver als der Bus. Neue Strecken sind mit zehn Millionen Euro pro Kilometer preiswerter zu bauen als ein Kilometer U-Bahn, der im Schnitt 150 Millionen Euro kostet. Doch der Ausbau des Netzes müsse gut geplant werden, hieß es.

Wie alle neuen Schienenstrecken benötigen auch neue Tram-Trassen eine ausreichende Zahl potenzieller Fahrgäste, damit die Investitionen gerechtfertigt werden können. Für das Gelände des Flughafens Tegel, auf dem künftig Arbeits- und Studienplätze entstehen sollen, sei das nicht zu erwarten, hieß es. Damit sei fraglich, ob der von dem SPD-Gremium skizzierte Straßenbahnanschluss wirtschaftlich wäre. Das gelte auch für die ebenfalls vorgeschlagenen Strecken nach Spandau.

Planungskapazitäten fehlen

Auch wenn die Verwaltung neues Personal einstellt: Für einen derart massiven Netzausbau, wie ihn IGEB und SPD vor allem im Westen Berlins fordern, würden auf absehbare Zeit Planungskapazitäten fehlen. Und in dicht besiedelten Gebieten werde es immer schwieriger, derart komplexe Bauvorhaben zu planen und umzusetzen, so die interne Einschätzung. Regelungen, die Anwohner vor Schienenverkehrslärm schützen, sollen verschärft werden, zudem würden Förderprogramme, mit denen der Bund solche Projekte ermöglicht, zum Teil 2019 enden.

Für die Zukunft empfehlen die Planer, sich auf wirklich wichtige Straßenbahn-Bauprojekte zu konzentrieren. Mit der BVG sei man sich einig, die Strecke, die bis 2020 zwischen dem Hauptbahnhof und dem U-Bahnhof Turmstraße entstehen soll, zu verlängern. Vorrangig sei auch, Teile von Blankenburg und Malchow sowie große Neubaugebiete ans Tram-Netz anzuschließen.