Berlin - Der Andrang ist ungebrochen. Bis zum 1. Oktober sind 1 943 Anträge eingetroffen, so die Senatsverwaltung für Wirtschaft. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen, Freiberufler und gemeinnützig Tätige wollen sich den Einstieg in die E-Mobilität vom Land bezuschussen lassen. „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“, kurz WELMO: So heißt das Förderprogramm, das im Juli 2018 aufgelegt wurde und bis Ende 2020 dauert.

„Der Umstieg auf Elektromobilität in Berlin nimmt immer mehr Tempo auf. Die Resonanz auf unser Förderprogramm ist ungebrochen groß, das belegen die aktuellen Antragszahlen“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Sie freut sich, dass Berliner Unternehmen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Steigerung der Lebensqualität in dieser Stadt leisten.

Wenig Interesse in der Taxibranche

Bisher wurden Zuschüsse für insgesamt 2374 Fahrzeuge beantragt. 565 E-Mobile sind schon in Berlin unterwegs. Für Batterie-Pkw gibt es 4 000, für leichte Elektro-Nutzfahrzeuge 8 000 Euro. Geringer fallen die Zuschüsse für Plug-In-Hybride aus. Auch E-Roller und E-Bikes werden gefördert. Außerdem wurde Geld für 422 Ladepunkte beantragt, von denen 74 bereits in Betrieb sind. In 63 Anträgen ging es um Beratung.

Aus der Berliner Verkehrs- und Logistikbranche trafen allerdings nur 23 Anträge beim Business Team der Investitionsbank Berlin ein, teilte die Verwaltung mit. „Für den Einsatz als Taxis haben E-Autos eine zu geringe Reichweite, und das Laden dauert zu lange“, erklärte Detlev Freutel vom Taxi- Verband Berlin Brandenburg. Längst nicht an allen Ablösepunkten, wo Fahrer wechseln, seien Ladesäulen in der Nähe. Generell gelte: „Unsere Branche erlebt unsichere Zeiten.“ Angesichts der Ausbreitung neuer Angebote wie Berlkönig und Clever Shuttle hielten sich Taxibetreiber mit Anschaffungen zurück.

Bund zahlt Privatleuten Zuschuss

Wer sich privat ein Elektroauto anschaffen will, kann ebenfalls auf Förderung hoffen. Zuständig ist hier aber der Bund – genauer gesagt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Seit drei Jahren wird der Kauf von Elektroautos und Pkw mit Brennstoffzelle mit 4 000 Euro subventioniert, für Plug-in-Hybride beträgt der Zuschuss 3 000 Euro.

Batterieelektrische Fahrzeuge werden zehn Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit. Den Bonus gibt der Bund aber nur, wenn das E-Auto auf der Liste der förderfähigen Fahrzeuge steht. Zudem muss der Netto-Listenpreis unter 60 000 Euro liegen.

Auch auf lokaler Ebene steht Geld bereit. Sehr spendabel ist die Stadt München – für Ladeinfrastruktur werden bis zu 10 000 Euro gezahlt. Mainz, Nürnberg, Karlsruhe und andere Städte steuern dreistellige Beträge bei, wenn sich jemand eine Wallbox montieren lässt. Anderswo wird der Kauf von E-Autos bezuschusst. Beispiele: In Unterschleißheim (Bayern) gibt die Gemeinde 1 500 Euro, in Neuwied in Rheinland-Pfalz und Frankfurt (Oder) zahlen die Stadtwerke bis zu 500 Euro.

"Eine Geldvernichtungsmaschine"

Trotz diverser Fördertöpfe hält sich die Zahl der Elektrofahrzeuge aber weiterhin in engen Grenzen. Von den mehr als 47 Millionen Pkw, die in Deutschland zugelassen sind, fahren nur etwas mehr als 87 000 batterieelektrisch.

Der Mobilitätsforscher Heiner Monheim bewertet die bisherige Strategie der Verkehrspolitiker skeptisch. "Der Austausch der Antriebseinheiten ist keine Verkehrswende", sagte er der Berliner Zeitung. "Doch das ist politisch immer noch ein Tabuthema. Diese Debatte wird weiterhin nicht  geführt."

Monheim ärgert es, dass " bei dieser Diskussion die entscheidenden Dinge nicht angesprochen werden: Wie viele Autos verträgt eine Stadt? Auch Elektroautos nehmen Platz in Beschlag, stehen einander im Weg, stauen sich. Da ist es völlig egal, ob sie  mit Strom, Benzin oder Diesel angetrieben werden. Auch Elektroautos verursachen Geräusche. Die bisherige Förderung von Elektro-Pkw war eine Geldvernichtungsmaschine."

Viel sinnvoller wäre es gewesen, den Aufbau von elektrischen Fahrzeugflotten zu fördern, etwa im Handwerk, bei kleinen und mittleren Unternehmen, in der Logistik, mahnte Monheim. So gesehen ist das Berliner Förderprogramm WELMO ein Schritt in die richtige Richtung.