Nach elf Tagen Hungerstreik haben die Flüchtlinge am Brandenburger Tor ihre Aktion vorerst abgebrochen − doch ihre Zukunft ist nach wie vor ungewiss. Zuvor hatten sie ein längeres Gespräch mit Berlins Senatorin für Integration, Dilek Kolat (SPD), dem Vizepräsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Michael Griesbeck, sowie dem SPD-Migrationspolitiker Rüdiger Veit. In dem Gespräch war den Flüchtlingen zugesichert worden, zumindest bis Januar in Berlin bleiben zu dürfen. In dieser Zeit sollen ihre Asylanträge individuell geprüft und nach Möglichkeit auch entschieden werden.

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Die 25 Flüchtlinge, zwei von ihnen sind Frauen, kamen am Wochenende in einem Gebäude der Evangelischen Kirche in der Gitschiner Straße in Kreuzberg unter. Dort können sie aber nur wenige Tage bleiben, wie Pfarrer Jürgen Quandt von der Organisation „Asyl in der Kirche e.V.“ am Sonntag gegenüber der Berliner Zeitung sagte. Die Flüchtlinge schlafen gemeinsam in einem großen Raum auf dem Boden. Jetzt wird nach einer längerfristigen Unterkunftsmöglichkeit für sie gesucht. Der Hungerstreik sei lediglich für drei Monate unterbrochen worden, betonte Tadele Brook, der Sprecher der Flüchtlinge, der aus Äthiopien stammt, im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Veit hatte in Aussicht gestellt, zentrale Forderungen der Flüchtlinge in die anstehenden Koalitionsgespräche von Union und SPD im Bund einzubringen. Insbesondere die Residenzpflicht für Asylbewerber sowie das Arbeitsverbot müssten abgeschafft werden, die Asylverfahren beschleunigt, fordern die Flüchtlinge.

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Nach dem Willen der neuen Grünen-Spitze soll die Flüchtlingspolitik ins Zentrum des nahenden Europawahlkampfs gerückt werden. Cem Özdemir und seine neue Ko-Vorsitzende Simone Peter versprachen dies am Sonntag auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Berlin.

Die Grünen wollten eine Stimme für Flüchtlinge sein, sagte Peter, nachdem eine Gruppe von Flüchtlingen aus Lampedusa zu den Delegierten gesprochen hatte. Die Delegierten sprachen sich für mehr legale Einreisemöglichkeiten für Migranten nach Deutschland aus und dafür, humanitäre Visa einzuführen. Die Bundesrepublik müsse insgesamt mehr Flüchtlinge aufnehmen als bislang, beschlossen die Grünen.

Hinter den Kulissen streiten die Länder Berlin und Bayern bereits um die Frage, wer die Kosten für Unterkunft und Verpflegung der Berliner Gruppe in den nächsten Monaten übernimmt. Die Asylsuchenden, die aus verschiedenen afrikanischen Ländern sowie aus Afghanistan, Syrien und Pakistan stammen, waren zunächst in Bayern untergebracht gewesen, bevor sie Anfang Oktober nach Berlin kamen.