Künftig haben noch mehr Berliner Anspruch auf eine geförderte Neubauwohnung mit vergleichsweise niedriger Miete. Der Senat hat am Dienstag die Einkommensgrenzen für den geförderten Wohnungsbau angehoben, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Damit sollen künftig Berufsgruppen wie Busfahrer, Polizisten und Krankenschwestern oder -Pfleger eine günstige Wohnung anmieten können.

Wer hat Anspruch auf einen WBS?

Der Kreis der Anspruchsberechtigten für eine geförderte Wohnung steigt mit der Entscheidung von 44 Prozent der Berliner Haushalte für den klassischen sozialen Wohnungsbau auf nun 64 Prozent. Während die klassischen Sozialwohnungen im Schnitt für 6,50 Euro je Quadratmeter kalt vermietet werden, sollen die Mieten in dem neuen Segment anfänglich acht Euro je Quadratmeter betragen. Um eine geförderte Wohnung für acht Euro je Quadratmeter anmieten zu können, wird ein gesonderter Wohnberechtigungsschein (WBS) benötigt.

Anspruch auf einen solchen WBS haben all jene Haushalte, deren Einkommen die Einkommensgrenzen des Bundes für den sozialen Wohnungsbau um maximal 80 Prozent überschreitet. Ein Single in Berlin darf ein Jahresnettoeinkommen von 21.600 Euro haben. Für einen Zwei-Personen-Haushalt liegt die Einkommensgrenze bei 32.400 Euro, für zwei Erwachsene und ein Kind bei 40.680 Euro und für eine Familie mit zwei Kindern bei 48.960 Euro.

Kritik an Ausweitung der Anspruchsberechtigten 

Die Wohnungen für die Mittelschicht müssen jedoch erst noch gebaut werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schätzt, dass zunächst etwa zehn Prozent der geförderten Neubauwohnungen pro Jahr in dem neuen Segment entstehen. In diesem Jahr wären dies 350 Wohnungen bei insgesamt geplanten 3500 geförderten Wohnungen.

Bis die ersten Wohnungen stehen, dürften anderthalb bis zwei Jahre vergehen. An der Ausweitung des Kreises der Anspruchsberechtigten für eine geförderte Neubauwohnung hatte es Kritik gegeben. Ein solcher Sektor wäre nur dann sinnvoll, wenn er nicht auf Kosten der bisher geplanten Sozialwohnungen gebaut würde, bemängelte die Initiative Mietenvolksentscheid.

Es ist lediglich ein Ausgleich

Die Zahl der geförderten Wohnungen soll jährlich um 500 erhöht werden und so bis 2021 auf 5000 jährlich steigen. Die Zahl der Sozialwohnungen erhöht sich trotz des geplanten Neubaues kaum. Grund: Der Neubau kann den Wegfall von alten Sozialwohnungen nach dem Ende der Sozialbindung gerade mal ausgleichen.

Rund 100.000 Sozialwohnungen gibt es noch in Berlin. Anspruch auf eine klassische Sozialwohnung haben Haushalte, deren Einkommen die Einkommensgrenzen des Bundes für den sozialen Wohnungsbau um maximal 40 Prozent überschreitet. Ein Single in Berlin darf 16.800 Euro netto verdienen, ein Zwei-Personen-Haushalt darf 25.200 Euro kassieren und zwei Erwachsene mit einem Kind können Einkünfte von 31.640 Euro haben.

Darüber hinaus gibt es noch rund 2000 geförderte Wohnungen, deren Miete je nach Einkommen zwischen 6 und 8 Euro je Quadratmeter kalt lag. Wohnungen in diesem Segment werden aber nicht weiter errichtet.