Was darf Kultur kosten? Schwierige Fragestellung, Protest ist sicher, gerade aus dem Kulturbetrieb. Was dürfen Manager verdienen? Exzellente Frage, dazu gibt es viele Ansichten, auch und gerade aus dem Kulturbetrieb. Paradox ist, dass die Transparenz der öffentlich geförderten Kulturbetriebe jedoch hinter jedem Dax-Unternehmen herhinkt. Was die Intendanten und sonstigen Führungskräfte verdienen, unterliegt in Berlin wie in den meisten großen Städten bislang der Verschwiegenheit.

Eigentlich hat sich die rot-rot-grüne Koalition vorgenommen, das zu ändern. „Die Koalition strebt, analog zu anderen Landesbetrieben, die Offenlegung der Vergütungen in Spitzenpositionen künstlerischer Institutionen an, die vom Land getragen werden“, heißt es auf Seite 116 des Koalitionsvertrags.

Nun hat die Kulturverwaltung Stellung dazu bezogen, wie sie dieses Vorhaben umsetzen will. „Aus Erwägungen der Rechtssicherheit sollte eine neue gesetzliche Regelung verstärkt in Erwägung gezogen werden“, schreibt Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert in der Antwort auf eine noch unveröffentlichte Anfrage des Grünen-Abgeordneten Daniel Wesener, die der Berliner Zeitung vorliegt.

Vorbildliches Schleswig-Holstein

Als Vorbild nennt Wöhlert das Land Schleswig-Holstein. Dort beschloss die im vorigen Jahr abgewählte rot-grün-dänischrote Landesregierung 2015 das Vergütungsoffenlegungsgesetz, das bundesweit Modellcharakter entwickeln könnte. Nicht nur die Chefs von landeseigenen Unternehmen müssen demnach ihre Gehälter offenlegen, sondern auch Institutionen, die mindestens 25 Prozent ihrer Zuwendungen vom Land erhalten.

Dass die Regelung im Kulturbetrieb bislang nur sehr begrenzte Wirkung entfaltet hat, liegt daran, dass die Kulturlandschaft dort ein bisschen ist wie das Land: eher flach, mit Ausnahme einiger Leuchttürme. Einzig das Theater Lübeck taucht im jährlichen Bericht des Finanzministeriums auf. Dessen Geschäftsführender Theaterdirektor Christian Schwandt erhielt 2016 insgesamt 109.000 Euro und 4 Cent.

Claus Peymann legte sein Gehalt offen

Ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Gehalt ist, lässt sich nur abschätzen, denn es gibt bislang lediglich punktuelle Erkenntnisse darüber, was die Spitzenkräfte in den deutschen Bühnenbetrieben, Orchestern und Museen verdienen. Der frühere Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, legte sein Gehalt vor einigen Jahren freimütig offen: „Etwas über 200.000 Euro“ seien es.

Das ist viel Geld, trotzdem lag Peymann verglichen mit seinen Kollegen und in Anbetracht seiner Prominenz und Berufserfahrung wohl im Mittelfeld. Die Vergütung seines Nachfolgers Oliver Reese, als er noch Intendant des Schauspiels Frankfurt war, belief sich nach Recherchen der Frankfurter Rundschau auf 230.000 Euro, hinzu kamen bis zu 50.000 Euro, wenn er selbst inszenierte. Klaus Weise vom Bonner Stadttheater bekam nach eigenen Angaben 320.000 Euro.

Zahlen liegen auch aus Hamburg vor, wo das 2014 verabschiedete Transparenzgesetz die Offenlegung der Gehälter fordert: Joachim Lux, Intendant des Thalia-Theaters bekommt dort beispielsweise etwa 203.000 Euro. Auch diese Zahlen müssen natürlich in einen Zusammenhang gestellt werden. Hilfreich ist dabei beispielsweise der Beteiligungsbericht des Landes Berlin. Seit Jahren veröffentlicht die Finanzverwaltung hier die Gehälter der Spitzenmanager in den Landesunternehmen. Fast alle beziehen ein sechsstelliges Gehalt.

173.000 Euro pro Jahr bekommt beispielsweise der Chef des Parkbetreibers Grün Berlin. Die Geschäftsführer der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften verdienen zumeist zwischen 200000 und 250.000 Euro. Einzelne Kulturinstitutionen, die als GmbH organisiert sind, werden ebenfalls in dem Bericht aufgeführt. Der Friedrichstadtpalast etwa, dessen Intendant Berndt Schmidt 320.000 Euro bekommt. Moderat ist dagegen das Salär von Moritz van Dülmen, Leiter der Kulturprojekte Berlin: Er erhält 85.000 Euro.

Mindestmaß an Transparenz

Berlin sollte nun auch den nächsten Schritt bei der Offenlegung gehen, meint Grünen-Politiker Wesener. „Berlins Stadttheater sind jeden Euro wert, der in ihre Arbeit fließt“, sagte er der Berliner Zeitung. „Aber es handelt sich um öffentliches Geld und deshalb sollte ein Mindestmaß an Transparenz eigentlich selbstverständlich sein.“

Eine recht einfache Idee, wie sie sich herstellen ließe, hat die Kulturverwaltung übrigens verworfen. Dass man neue Spitzenkräfte künftig die Offenlegung ihres Gehalts in die Arbeitsverträge schreibt, sei nicht mit dem Datenschutzrecht vereinbar, schreibt Staatssekretär Wöhlert in seiner Beantwortung der Anfrage.

FDP befürchtet steigende Gehälter

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) ist dennoch optimistisch. „Eine Umsetzung der im Koalitionsvertrag festgehaltenen Offenlegung der Intendantengehälter in der laufenden Legislaturperiode ist durchaus realistisch“, sagte er der Berliner Zeitung. „Mit der Einführung wäre eine Gleichbehandlung aller Einrichtungen erreicht.“

In der Opposition regt sich hingegen Widerstand. „Berlin steht in einem internationalen Wettbewerb um Spitzenkräfte in der Kultur“, sagte der kulturpolitische Sprecher der FDP, Florian Kluckert, der Berliner Zeitung. Die Offenlegung der Gehälter würde die Position der Stadt erschweren. Zudem befürchtet Kluckert eine Neiddebatte. „Die Gehälter würden sicherlich nach oben angepasst, nicht nach unten“, ist er überzeugt. „Wenn alle mehr fordern, wird es teuer für den Steuerzahler.“