Die für den Denkmalschutz zuständige Senatsverwaltung für Kultur hat den geplanten Abriss denkmalgeschützter Gebäude am Rand des ehemaligen Flugplatzes Johannisthal verteidigt. Dort soll, wie berichtet, ein neues Stadtquartier entstehen.

„Aufgrund der nach jahrzehntelanger Vernachlässigung maroden baulichen Substanz vieler Gebäude haben die Denkmalbehörden unter anderem dem Abriss von Halle 4 zugestimmt“, teilte die Kulturverwaltung auf Anfrage mit. Zugleich verwies die Behörde darauf, dass eine Reihe denkmalgeschützter Gebäude erhalten bleibe. Die „jahrelangen Abstimmungen mit den Denkmalbehörden“, so der Sprecher der Senatsverwaltung für Kultur, spiegelten sich im aktuellen Bebauungsplanentwurf für das Areal am Segelfliegerdamm.

Auf dem rund 21,4 Hektar großen Areal soll ein neues Stadtquartier mit rund 1800 Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sollen von elf erhaltenen denkmalgeschützten Gebäuden sechs vollständig und ein Gebäude teilweise abgerissen werden. Wegen Widerstands innerhalb der rot-grün-roten Koalition hat der Senat am vergangenen Dienstag einen Beschluss über den Bebauungsplanentwurf für das neue Quartier aber vertagt. Klärungsbedarf sehen Linke und Grüne insbesondere zum Umgang mit der denkmalgeschützten Halle 4, die auf der Abrissliste steht, sowie zum bezahlbaren Wohnungsbau.

Erster ziviler Motorflugplatz in Berlin

Der Flugplatz Johannisthal war 1909 als erster ziviler Motorflugplatz in Berlin eröffnet worden. Am Rand des Flugplatzes siedelte sich später die Luft-Verkehrs-Gesellschaft (LVG) an, in deren Hallen Flugzeuge produziert wurden, unter anderem für den Ersten Weltkrieg.

„Durch die LVG und den Flugplatz mitsamt den frühzeitig angesiedelten Flugzeugfirmen und Forschungseinrichtungen wurde Johannisthal/Adlershof zu Wiege und Zentrum des deutschen Motorfluges und der deutschen Luftfahrtindustrie“, heißt es in einer Stellungnahme der Denkmalschützer zum Denkmalwert der erhaltenen Gebäude. „In ihrer überlieferten Gestalt sind die Bauten der LVG wichtige Geschichtszeugen für die Entwicklung des einstigen Forschungs- und Technologiestandortes im Bereich des Flugplatzes Johannisthal/Adlershof.“ Sie stellten „den einzigen in seiner Gesamtheit überlieferten Produktionskomplex aus der Zeit vor 1918 dar“.

Nachdem die Linke-Abgeordnete Katalin Gennburg auf Distanz zur Abrissplanung gegangen ist, äußert nun auch der FDP-Abgeordnete Stefan Förster Kritik. „Das Gelände am Segelfliegerdamm ist von großer geschichtlicher Bedeutung, auch die strittige Halle 4 hat einen hohen Denkmalwert“, sagt er. „Hier wäre vor 15 oder 20 Jahren noch deutlich mehr Substanz zu retten gewesen, wenn die Denkmalbehörden offensiver gehandelt und etwa im Rahmen von Ersatzmaßnahmen die nötigen Maßnahmen ergriffen hätten.“ Die Halle 4 wäre etwa ein „idealer Standort für Exponate der Fluggeschichte des Technikmuseums“, so Förster.

Ein Teil der Flächen soll an das Land Berlin verkauft werden

Die Bauwert AG, die einen Großteil der Flächen in dem Gebiet zusammen mit dem Weizmann-Institut für Wissenschaften besitzt, will das Areal am Segelfliegerdamm neu gestalten. Rund die Hälfte der Fläche soll an das Land Berlin verkauft werden, unter anderem zum Bau von Sozialwohnungen. Die Bauwert AG will zugleich an die Geschichte des Ortes erinnern. Im Erhalt von vier „prägnanten Bestandsgebäuden“ am Segelfliegerdamm soll sich die Geschichte ebenso widerspiegeln wie in der Gestaltung der Außenanlagen. Sie soll zudem „durch einen öffentlichen History Point erlebbar gemacht werden“, teilte das Unternehmen vor wenigen Tagen mit.