Es ist ein Dienstag, an dem vor 60 Jahren die Entscheidung fällt: Am 1. Juni 1954 bekommt West-Berlin einen eigenen Rundfunksender mit dem Namen SFB – Sender Freies Berlin. Zwar gibt es in der damaligen sogenannten Frontstadt bereits eine Sendeanstalt, die die westlichen Werte propagiert, aber der Rias – der Rundfunk im Amerikanischen Sektor – ist, wie sein Name schon andeutet, keine deutsche Konstruktion. Gegründet und bezahlt wird der Rias von den Amerikanern, und die geben natürlich damit auch die politische Linie vor.

Beim SFB soll das anders sein – er wird aus Rundfunkgebühren der Berliner bezahlt, ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt und soll dem Berliner Rundfunk Paroli bieten. Denn der Berliner Rundfunk ist eigentlich der Hauptstadtsender, seit es seit 1931 Rundfunk in der Stadt gibt. Aber der Berliner Rundfunk wird seit Kriegsende von den Sowjets kontrolliert, die drei Westalliierten haben in dem Haus an der Masurenallee in Westend nichts zu sagen. Seit 1945 ist der Sender in der Hand der sowjetischen Militärverwaltung, obwohl das „Haus des Rundfunks“ im britischen Sektor liegt.

Und so kommt es zur Konfrontation, denn inzwischen herrscht „Kalter Krieg“. Die Sowjets weigern sich, ihren ehemaligen Alliierten Sendezeiten in dem stadtweit zu hörenden Sender einzuräumen. 1952 kommt es daher zur Blockade des Hauses an der Masurenallee. Sozusagen als Gegenmaßnahme für die Abriegelung der Westberliner Exklave Steinstücken im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf blockieren die Briten das Rundfunkhaus. Alle dürfen hinaus, aber keiner hinein. Und da sich die Briten Pfingsten zu diesem Schritt entscheiden, ist in dem Rundfunkhaus feiertagsbedingt nur eine Notbesatzung im Dienst. Unter den wenigen, die dort ausharren, ist auch der spätere DDR-Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler. Und der sendet aus dem belagerten Haus dramatische Kommentare.

Aber auch die helfen letztendlich nichts. Am 9. Juli 1952 verlassen die letzten Mitarbeiter den umzingelten „Berliner Rundfunk“. Der Sendebetrieb wird nun aus Studios in Grünau und später aus der Nalepastraße im Ostberliner Ortsteil Oberschöneweide fortgesetzt. Aber die Sowjets bleiben trotzdem noch in der Masurenallee. Vier Jahre lang steht das Rundfunkgebäude leer, bewacht von einer Hand voll sowjetischer Soldaten, die alle 14 Tage abgelöst werden. „Haus des Schweigens“ wird das Gebäude im Volksmund genannt, denn Sendungen gibt es dort nicht mehr. 1956 geben die Sowjets auf und übergeben den Komplex an die Westberliner Behörden.

Nach einer umfangreichen Sanierung zieht nun 1957 der Sender Freies Berlin in die Masurenallee ein, der bislang provisorisch in einem Haus am Heidelberger Platz untergebracht war. Und er wird ein in Ost- und West-Berlin akzeptierter Sender. Anders als der Rias (im Osten kursieren Sprüche wie „Wer Rias hört, den Frieden stört“) reflektiert der SFB die Situation in der geteilten Stadt ausgewogen. In den 70er-Jahren wird die tägliche Musiksendung s-f-beat Kult, Sprecher wie Juliane Bartel und Henning Voskamp kennt fast jeder Berliner Jugendliche. Drei Radioprogramme betreibt der SFB, dann auch noch einen Fernsehkanal. Nach der Wende ist der Name Sender Freies Berlin überholt, die gesamte Stadt ist nun „frei“. Der SFB fusioniert dann 2003 mit dem ORB, dem Ostdeutschen Rundfunk, zum rbb – dem Rundfunk Berlin Brandenburg.