Dieser Krimi dreht sich vor allem um eine Frage: Wie gelangte ein Berliner Pizzeria-Betreiber an den gestohlenen Nachlass von Ex-Beatle John Lennon? Das Diebesgut war überraschend bei einem Insolvenzverfahren in Berlin aufgetaucht. Am Montag wurde, wie berichtet, der 58-Jährige Erkan G. aus Kreuzberg als mutmaßlichen Hehler verhaftet.

Am Dienstag präsentierte die Polizei zusammen mit der Staatsanwaltschaft den Sensationsfund im Polizeipräsidium in Tempelhof. Elf sehr persönliche Gegenstände lagen in einem kleinen Raum auf einem Tisch. Verloren geglaubte Musikgeschichte, die niemand berühren durfte. Da lagen die mit einem Bleistift niedergeschriebenen Noten vom Hit „Woman“ aus dem Jahr 1980, daneben Lennons Etui mit zehn Zigaretten der Marke Gitanes und drei seiner Tagebücher.

Elf Jahre lang waren die Stücke verschwunden, nachdem sie 2006 mit vielen weiteren Gegenständen aus der Wohnung von der Lennon-Witwe Yoko Ono im Dakota Building in New York gestohlen worden waren.

Yoko Onos damaliger Chauffeur Koral K. wurde verdächtigt, die Tat begangen zu haben. Der heute 50-Jährige Türke wurde festgenommen, nachdem er Yoko Ono erpresst hatte. 1,5 Millionen Dollar hatte er gefordert, sonst würde er pikante Fotos veröffentlichen. Weil er einen Deal mit der Staatsanwaltschaft aushandelte, wurde er nach 60 Tagen frei gelassen. Danach setzte er sich in die Türkei ab.

„Wir gehen davon aus, dass das Diebesgut erst in die Türkei gebracht wurde“, sagte Michael von Hagen, stellvertretender Leiter der Staatsanwaltschaft. Der gesuchte Koral K. soll immer noch in der Türkei leben und untergetaucht sein.

Über 100 Gegenstände

Unklar ist bisher, wo der gestohlene Lennon-Schatz jahrelang lagerte. Ende 2013 tauchte ein Teil davon erstmals in Berlin auf. Der in Kreuzberg verhaftete Erkan G. soll mehrmals versucht haben, das Diebesgut zu verkaufen. Er soll die Gegenstände von Koral K. erhalten haben, um sie zu Geld zu machen. Die beiden wurden Geschäftspartner, als K. in Berlin ein Haus kaufte. G. soll ihm dabei geholfen haben.

Doch G. hatte vergeblich nach Abnehmern für die rund 100 privaten Gegenstände Lennons gesucht. Erst das Berliner Online-Auktionshaus Auctionata interessierte sich. Die Firma kaufte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft erst eine Uhr mit einer Widmung von Yoko Ono, dann 86 weitere Privatgegenstände des Ex-Beatles. Die Uhr war ihr letztes Geburtstagsgeschenk an John Lennon, bevor er am 8. Dezember 1980 in New York von einem Verwirrten erschossen wurde.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde die Uhr von Auctionata für 600 000 Euro weiterverkauft. Aufgrund der Ermittlungen stünden ihr Besitzer und Yoko Ono mittlerweile in Verbindung. Unklar sei bisher, in wie weit Angestellte des Auktionshauses wussten, dass die Uhr gestohlen war.

Einer der ehemaligen Geschäftsführer schweigt dazu und macht von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. „Wenn klar wird, dass er davon wusste, wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“, erklärte von Hagen. Angeboten wurden die Lennon-Stücke angeblich nie.

Was sich im Lager der insolventen Firma verbarg, wurde bereits im Juli offenbar. Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff stieß auf 86 persönliche Gegenstände, die möglicherweise John Lennon gehörten.

Daraufhin hatte Brockdorff einen Brief an das Landeskriminalamt gesendet, und die Ermittlungen begannen. Recht schnell war den Beamten klar, dass die drei Tagebücher von 1975, 1979 und 1980 echt sind. Das Auktionshaus bezifferte in einem Gutachten den Wert der gefundenen Gegenstände auf 3,1 Millionen Euro.

Befragung von Yoko Ono

Die Ermittler nahmen Kontakt zum Anwalt von Yoko Ono auf und flogen im Herbst mit einigen Gegenständen und vielen Fotos nach New York. Im deutschen Generalkonsulat trafen sie die Witwe. „Sie war sehr gerührt und man hat deutlich gemerkt, dass sie an diesen Gegenständen hängt und sie natürlich auch gerne zurückhaben will“, sagte Staatsanwältin Susann Wettley.

In Berlin konzentrierten sich Experten des LKA-Kommissariats für „qualifizierte Eigentumsdelikte“, auf Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Hehler, von dem die Gegenstände Anfang 2014 an das Auktionshaus gingen. Am Montagmorgen durchsuchten die Ermittler dann ein Haus, ein Geschäft und in Kreuzberg die Pizzeria des Verdächtigen und fanden 20 weitere Gegenstände.

Zu ihrer großen Überraschung fanden sie im Reserverad-Kasten eines Autos des Verdächtigen eine Mappe mit weiteren Materialien von Lennon. Der mutmaßliche Hehler Erkan G. sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.