Sensoren im U-Bahn-Tunnel: Auch die Linien U5 und U8 werden überwacht

Messfühler zeigten an, dass sich ein Hochhausprojekt negativ auf die U2 ausgewirkt hat. Andere Strecken in der City Ost stehen ebenfalls unter Beobachtung.

Ein Pendelzug fährt in den U-Bahnhof Klosterstraße in Mitte ein. Wer mit der U2 in Richtung Pankow möchte, muss hier umsteigen. Die Züge verkehren nur alle 15 Minuten.
Ein Pendelzug fährt in den U-Bahnhof Klosterstraße in Mitte ein. Wer mit der U2 in Richtung Pankow möchte, muss hier umsteigen. Die Züge verkehren nur alle 15 Minuten.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Es ist leer geworden in der U2. Seitdem Umsteigezwang und Pendelverkehr die Reise zum Teil enorm verlängern, versuchen viele Fahrgäste, die Strecke zu meiden. Weil sich ein benachbartes Hochhausbauprojekt negativ auf den Tunnel ausgewirkt hat, musste im U-Bahnhof Alexanderplatz ein Gleis gesperrt werden, und bisher kann niemand verlässlich sagen, wie lange die Beeinträchtigung andauern wird. Jetzt wurde bekannt, dass nicht nur die U2 unter Beobachtung steht, sondern auch die beiden anderen U-Bahn-Linien in diesem Teil von Mitte überwacht werden. Wie steht es um die U5 und U8?

„Zu DDR-Zeiten wusste man schon, warum man in diesem Bereich nicht baut“, sagte ein Gesprächspartner der Berliner Zeitung. Der östliche Teil des Alexanderplatzes gilt als sensibel. Dort verlaufen drei wichtige U-Bahn-Linien, und die zum Teil mehr als hundert Jahre alten unterirdischen Bauwerke befinden sich in einem Umfeld, das Geologen als schwierig einschätzen: viel Grundwasser, viel Sand, insgesamt ein ziemlich instabiler Boden. Für ambitionierte Bauvorhaben, wie sie Investoren in diesem Teil des östlichen Stadtzentrums planen, ein nicht einfaches Gebiet.

Unterirdisches Bauwerk geriet in Bewegung

Wie berichtet hatten Sensoren, die im Tunnel der U2 unter dem Alexanderplatz installiert sind, schon vor Wochen angeschlagen. Messfühler meldeten, dass sich das Bauwerk mit dem U2-Bahnhof bewegte. Eine sogenannte Setzung wurde angezeigt. So lautet der Fachbegriff, wenn während oder nach Baumaßnahmen der Untergrund nachgibt. Solche Bewegungen können zu Bauwerksrissen führen – das ist offenbar auch hier der Fall. Dem Vernehmen nach bewegten sich einige Bereiche unterschiedlich stark, sodass es zusätzlich in eine leichte Schräglage geriet. „Auf dem Gleis Richtung Pankow kann das Lichtraumprofil nicht mehr eingehalten werden“, hieß es. Anders formuliert: Die Züge standen leicht schräg, und so kamen sie der Wand zu nahe.

Das gesperrte Gleis im U-Bahnhof Alexanderplatz. Inzwischen ist der Bauzaun mit Planen verhüllt, sodass man nicht mehr sehen kann, was dahinter vorgeht. Zementsäcke sind geliefert worden.
Das gesperrte Gleis im U-Bahnhof Alexanderplatz. Inzwischen ist der Bauzaun mit Planen verhüllt, sodass man nicht mehr sehen kann, was dahinter vorgeht. Zementsäcke sind geliefert worden.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Das Immobilienunternehmen Covivio, das neben dem U-Bahnhof eine Baugrube für zwei 130 Meter hohe Zwillingstürme ausgehoben hat, stellte die Arbeiten ein. Zunächst hoffte die BVG, dass keine Verkehrsbeeinträchtigungen erforderlich sind. Doch am 7. Oktober um 23 Uhr zog das Landesunternehmen Konsequenzen. Seitdem ist in diesem Bereich das Gleis Richtung Pankow auf unabsehbare Zeit gesperrt. Zwischen Senefelderplatz und Klosterstraße pendelt ein U-Bahn-Zug im 15-Minuten-Takt, an den Endbahnhöfen kann die Wartezeit jeweils mehr als zehn Minuten betragen.

Technische Aufsichtsbehörde verlangte die Sperrung des Pankow-Gleises

Wie berichtet, hatte sich die Setzung mit 3,1 bis 3,6 Zentimetern dem vereinbarten Grenzwert von vier Zentimetern genähert. Wie jetzt bekannt wurde, war es vor allem die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) des Senats, die eine rasche Teilsperrung forderte, während der Investor darauf verwies, dass die Schwelle noch nicht erreicht sei. Zwar würde die Covivio dem Vernehmen nach die Bauarbeiten gern bald wieder aufnehmen. Doch die Behörde ist dagegen, auch wenn sich das Bauwerk von 1913 aus unbewehrtem Beton Berichten zufolge nicht mehr wesentlich bewegt hat.

Zudem wird der Tunnel der U5 nun ebenfalls verstärkt mithilfe von Sensoren überwacht. „Auch er ist von dem Hochhausprojekt betroffen“, hieß es. Die stark genutzte Ost-West-Linie kommt der Covivio-Baugrube ebenfalls ziemlich nah. Außerdem befindet sich der U5-Bahnhof Alexanderplatz direkt unter der Station der U2. Der Insider dazu: „Wenn sich die Probleme verschärfen, könnte das auch Folgen für den Bahnhof der U5 haben“ – und für die vielen Fahrgäste, die ihn derzeit noch nutzen.

Damit nicht genug: Der Tunnel der U8 an der Jannowitzbrücke in Mitte wird ebenfalls  überwacht. Direkt nebenan, entlang der Holzmarktstraße, errichten Art-Invest und Cesa Group das Ensemble Jaho. Ein 46 Meter hoher Gebäuderiegel und ein Büroturm, der sich direkt neben dem U-Bahnhof erhebt, sollen dort künftig das Stadtbild prägen. 2025 sollen die Bauten fertig sein.

Bislang wurden an der U5 keine kritischen Setzungen oder Hebungen festgestellt, war zu erfahren. Das gilt auch für das Messsystem am U8-Bahnhof Jannowitzbrücke. Jannes Schwentu, Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), teilte lediglich mit: „Grundsätzlich werden im Umfeld von solchen Maßnahmen bereits vor Baubeginn Überwachungssysteme eingerichtet. Dies ist ein seit Jahren übliches Verfahren.“

U2 wurde zuvor schon zweimal in Mitleidenschaft gezogen

Bislang war es die U2, deren Fahrgäste wegen Bauschäden umsteigen oder andere Wege finden mussten. So stellte die BVG den U-Bahn-Betrieb zwischen Mohrenstraße und Potsdamer Platz vom 30. März bis 12. Mai 2012 ein. In die Baugrube der heutigen Mall of Berlin am Leipziger Platz war plötzlich Grundwasser eingebrochen. Die BVG musste einen Schienenersatzverkehr einrichten.

Im November 2015 bereitete dann die Baustelle für das Motel One an der Grunerstraße Probleme. Unter der Baugrube gab der Boden um sechs Zentimeter nach. Bohrarbeiten für die Gründung des 19-Etagen-Hochhauses führten dazu, dass der Tunnel darunter absackte und leicht zur Seite kippte. Dort wurde entschieden, die U2 weiterfahren zu lassen – mit 15 Kilometer pro Stunde. Der Hotel-Baustopp endete im März 2016.

Senat versuchte, die BVG auf Linie zu bringen

Als bekannt wurde, dass der US-Investor Hines im östlichen Bereich des Alexanderplatzes ein Hochhaus errichten will, reagierte die BVG vorsichtig. „Im Aufsichtsrat gab es kritische Stimmen, man solle bloß aufpassen. Doch die Senatsvertreter forderten damals, keinen Widerstand zu leisten.“

Trotzdem setzte sich das Verkehrsunternehmen beharrlich für eine Lösung ein, die den Weiterbetrieb der U5 garantiert. Hines sagte zu, 30 Millionen Euro zu investieren, damit der Tunnel eine Innenschale erhält. Dies komme einem Neubau des mehr als 90 Jahre alten U-Bahn-Tunnels gleich. Fahrgäste würden kaum etwas merken, hieß es bei der BVG. Durch Sperrungen in der Nacht oder am Wochenende. Klar ist derzeit nur eines: Bis der Verkehr auf der U2 wieder wie früher rollt, werden noch Monate vergehen.