Am Anfang des zweiten großen Stillstandes erinnert sich der Berliner Sänger Klaus Hoffmann daran, wie er den ersten erlebt hat: „Durch die damit verbundene Stille im Sommer kam ich runter. Ich habe die letzten Arbeiten an meinem neuen Album erledigt. Mit Musikern, die bis nach London verstreut waren und von überall ihre Beiträge schickten. Ich saß vor meinem Bildschirm und kommunizierte mit ihnen.“ Die Beschäftigung mit dem neuen Album „Septemberherz“, das am Freitag herauskommen wird, wirkte auch als Ablenkung: „Das ging, so lange ich arbeiten konnte. Arbeit ist ein Lebensmittel. Dann kamen alte Ängste hoch. Wo geht es hin mit der Gesundheit? Ich denke als Nachkriegskind natürlich auch daran, was meine Eltern durchgemacht haben.“

Corona hatte dafür gesorgt, dass Hoffmann plötzlich vor sehr wenigen Zuhörern sang: „Ich trat vor 50 Leuten auf und bemühte mich, dass die Kultur nicht aus meinem Herzen rausflog. Es muss weitergehen.“ Die Pandemie und das Gefühl des Ausgeliefertseins wirkten auf den Kladower, im Gegensatz zu anderen Künstlerkollegen, wenigstens nicht lähmend: „Ich bin ja so ein komischer Typ, der in so einer Situation durchstartet. Mir fällt es eher schwer, im Bett zu liegen und zu grübeln. Ich muss raus und mich bewegen. Auch geistig.“ Er erlebt, wie die Umstände andere abdriften lassen: „Das ist das Schwerste, zu verstehen, was wirklich notwendig ist, damit man nicht in irgendwelche Verschwörungstheorien abgleitet. Oder in Sorgen.“

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.