Berlin - Rummel, Gras und Messerstechereien: Die Berliner Zeitung wollte hin, wo’s wehtut und erlebte Überraschendes - die Neuköllner Hasenheide ist ein funkelnder Mikrokosmos der Diversität und hat für jeden und jede was zu bieten. Wir haben unsere Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Volkspark im Herzen der Stadt zusammengetragen.

Man könnte die FKK-Wiese in der Hasenheide als appetitanregende Vorschau missverstehen. Als Vorschau auf das, was hinter der Nackedei-Grünfläche kommt. Im Dickicht der angrenzenden Busch-Partien nämlich tummeln sich seit Jahren schwule und bisexuelle Männer auf der Suche nach einem paarungsbereiten Gegenüber – auch zwei oder drei geile Gleichgesinnte dürfen’s gern mal sein. Viel hilft viel, auch beim Druckabbau.

Die FKK-Wiese aber heißt FKK-Wiese, weil darauf FKK zelebriert wird, die freie Körperkultur, die bekanntlich nicht zwingend etwas mit Sex zu tun hat. Hier aalt sich barbusig und buxenlos, wer das Gefühl der warmen Sonne auf dem nackten Körper mag – auch ganz ohne ungezogene Hintergedanken. Und trotzdem ist es sicherlich so, dass sich gelegentlich die ein oder anderen Blicke auf der FKK-Wiese treffen, bevor dann auch die Reste zweier Körper zwischen Büschen und Bäumen zueinanderfinden.

Der Tiergarten hat die „Tuntenwiese“, die Hasenheide eine Nacktgrünfläche

In den vergangenen Jahren aber, so liest man in einschlägigen Berliner Schwulenblättern wie Siegessäule oder Blu, ist die Outdoor-Sex-Suche, die in der Schwulenszene „Cruising“ heißt, ein wenig aus der Zeit gefallen. In einer Stadt, in der das Kopulieren in der Clubecke mittlerweile zum guten Ton gehört, wird die Jagd im Freien eben überflüssig. Dabei hat diese in Berlin durchaus Tradition, nicht nur in der Hasenheide, sondern vor allem auch im Tiergarten. Dort reiben sich Mann und Mann schon seit mehr als 100 Jahren aneinander, weswegen Berlins größter Park mit der „Tuntenwiese“ eine der berühmtesten Begegnungsstätten im Bereich des Balzens hat.

In jüngster Zeit aber, der Pandemie sei Dank, erfreut sich das Freiluft-Flachgelege wieder größerer Beliebtheit, heißt es in besagten Männermedien. Die Clubs geschlossen, die Sexkinos verrammelt, alles dicht und dunkel – da musste man eben doch wieder auf die Parks ausweichen. Einfach sei das in den vergangenen Monaten allerdings nicht gewesen, immer wieder seien mit Taschenlampen bewaffnete Polizistinnen und Polizisten durch die Pimper-Büsche in der Hasenheide geschlichen. Weniger, um lustvergessene Männer-Duos aufzuschrecken allerdings, sondern eher, um illegalen Corona-Partys nachzuspüren.

Im Visier stehen eher Wildpinkler und Exhibitionisten

Trotzdem – gestört ist gestört, das ein oder andere Vergnügen fand durch die Beamtinnen und Beamten in letzter Zeit ein jähes Ende. Überhaupt ist der öffentliche Sex im öffentlichen Park, auch das Nacktsein an sich, gelegentlich ein Thema für die Ordnungshüter. In Neukölln sei man verhältnismäßig gnädig, heißt es in einem Zeitungsartikel, geahndet würden gelegentlich Wildpinkler oder Parkgäste, die kritische Körperteile arglosen Passantinnen und Passanten als bewusste Provokation entblößt entgegenstreckten.

Für die Personalienaufnahme eines besonders mutigen Pärchens kam die Polizei indes zu spät: 2016 vergnügte sich das – heterosexuelle – Doppel in der Hasenheide. Nicht im schützenden Dunkel der Büsche allerdings, sondern nonchalant mitten auf der Wiese am helllichten Tag. So gut wie alle Berliner Medien berichteten damals; im Internet kursierte das Handyvideo eines Schaulustigen. Zur polizeilichen Kontrolle kam es aber nicht, der Akt war rechtzeitig beendet. Auf seinem Weg Richtung Parkausgang, weg vom Tatort, so heißt es, habe sich der Mann breit grinsend mit einem Zuschauer abgeschlagen. Willkommen in der Hasenheide.