Berlin - Drei Tage nach dem offenen Brief der Bezirksverordneten Jenna Behrends hat die Berliner Frauen Union (FU) Worte zur Sexismusdebatte in der CDU gefunden. „Ein diskreditierender Umgang mit Frauen darf nirgendwo Platz haben“, erklärte die FU-Vorsitzende Edeltraut Töpfer am Montagnachmittag.

Sie kündigte an, dass auf Landesebene eine Arbeitsgruppe eingerichtet werde, um  Frauen besser zu fördern.
Unterdessen äußern sich mehr und mehr Frauen in der Partei unzufrieden über den Umgang mit Behrends. Zwei Vorstandsmitglieder der FU im Bezirk Mitte legten aus Protest gegen deren Vorsitzende Sandra Cegla ihre Ämter nieder. 

„In einer solchen Angelegenheit MÜSSEN wir zunächst den Blick auf die erhobenen Vorwürfe richten und nicht in erster Linie die Glaubwürdigkeit unserer Kollegin anzweifeln“, erklärte die Schriftführerin Anja Pfeffermann in einer Stellungnahme, die sie auf Facebook veröffentlichte. „Ich möchte dieses Vorgehen nicht weiter mittragen.“

Jenna Behrends hatte in ihrem offenen Brief den Umgang mit ihr im CDU-Bezirksverband Mitte geschildert. Unter anderem habe der Landesvorsitzende Frank Henkel sie als „große süße Maus“ bezeichnet und  einen Parteifreund in vulgärem Tonfall gefragt, ob er eine sexuelle Beziehung mit ihr pflege. Henkel dementiert diese Vorwürfe nicht.

„Offensiv gegenüber Männern“

Die FU-Bezirksvorsitzende Cegla jedoch attackiert ihre Parteifreundin. Sie erklärte, es sei nicht erstaunlich, dass es im CDU-Bezirksverband, der ebenfalls von Frank Henkel geleitet wird, Spekulationen über das Privatleben der 26-jährigen Behrends gegeben habe. „Ich habe sie als sehr offensiv Männern gegenüber empfunden“, sagte Cegla der Berliner Zeitung. Zudem habe Behrends ihr von einem Verhältnis zu einem Mitglied des Bundesvorstands berichtet.

Zu den Vorwürfen gegen Henkel sagte Cegla: „Ich weiß, was Sexismus ist. Und das ist keiner.“ Die Frage Henkels an seinen Parteifreund Sven Rissmann, die Behrends betraf („Fickst du die?“), habe Behrends ja nicht gehört. „Das war ein Satz unter Männern, der dann weitergetragen wurde.“

Behrends wies Ceglas Aussagen zu ihrem Privatleben scharf zurück. „Ich kann gar nicht fassen, was da passiert. Das ist eine mediale Schlammschlacht der übelsten Sorte“, sagte sie der Berliner Zeitung. Cegla ginge es offenbar darum, sie aus der Partei zu drängen. „Nach dem, was mit mir geschieht, wird sich kaum eine Frau trauen, noch einmal etwas zu sagen.“

Allerdings scheinen die Mitglieder der Frauen Union nach dem mehrtägigen Schweigen allmählich Worte zu finden.  „Ich finde es schade, wie mit Frau Behrends umgegangen wird“, sagte eine FU-Funktionärin.  „Wir müssen in der Partei offensiver auftreten.“ Die Vize-Vorsitzende Monika Thamm forderte grundlegende Reformen. „Wir haben genug gute Frauen. Wir brauchen eine Quote, am besten wären 50 Prozent“, sagte sie der Berliner Zeitung.

„Ich kenne diese Sprüche“

Offene Unterstützung erhielt Behrends auch von der CDU-Bundestagsabgeordneten Christina Schwarzer, die dem Bezirksverband Neukölln angehört.  Sie kritisierte die zögerliche Haltung der FU. „Die Frauen Union Berlin muss die Debatte dringend aufgreifen und sich überlegen, wie sie für junge Frauen attraktiv werden kann. Es gibt hier durchaus Reformbedarf“, sagte sie am Montag der Berliner Zeitung.

Schwarzer sagte, Behrends’ Schilderung der Umgangsformen in der CDU könne sie bestätigen. „Ich kenne diese Sprüche, ich habe sie mir früher auch anhören müssen. Und es ist schade, wenn gute Frauen der Union auf diese Weise abhanden kommen.“ Zwar sei es richtig, dass andere Parteien ähnliche Probleme hätten. Das sei aber keine Entschuldigung, sich der Debatte nicht zu stellen.