Es sind insgesamt sieben Frauen, die dem stellvertretenden Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Helmuth Frauendorfer, „strukturellen Sexismus“ vorwerfen. Es handelt sich um Mitarbeiterinnen, wissenschaftliche Volontärinnen, Freiwillige im Sozialen Jahr und Praktikantinnen in der Stasi-Gedenkstätte.

In einem Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) beschreiben die Frauen detailliert die sexistischen Verhaltensmuster Frauendorfers. Der stellvertretende Direktor soll seine Macht gegenüber Frauen im Betrieb bewusst ausgenutzt haben, so der Vorwurf. Die Betroffenen berichten von "Eindringen in die Privatsphäre durch persönliche SMS, Whatsapp-Gruppen und nächtliche Arbeitsaufträge". Selbst zu körperlichen Annäherungen wie Streichen über die Arme und engen Umarmungen bei Mitarbeiterinnen soll es gekommen sein. Während der Arbeit soll Frauendofer über sexuelle Aktivitäten (Puff, Swinger-Club) gesprochen haben. Sogar Einladungen zu Bier und Wein nach Feierabend soll es gegeben haben– teilweise in die privaten Wohnungen.

Hier der Brief im Wortlaut:

Frauendorfer hat sich zu den Anschuldigungen bisher nur über seinen Anwalt geäußert. Dieser räumte lediglich sein Fehlverhalten und Mangel an Sensibilität ein.

Hubertus Knabe äußert sich zu den Vorwürfen

Hubertus Knabe, der Direktor der Gedenkstätte wusste von den Vorwürfen, betont aber, ihnen nach bestem Wissen und Gewissen nachgegangen zu sein: „Ich bin entsetzt, wenn ich höre, dass sich Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte von meinem Stellvertreter bedrängt gefühlt haben. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein absolutes No-Go. Die Vorwürfe müssen ohne Ansehen der Person geprüft und, wenn sie sich bestätigen, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln geahndet werden.“

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Ein disziplinarisches Gespräch mit Androhungen auf Konsequenzen soll bereits im Jahr 2016 stattgefunden haben. In einer Pressemitteilung der Gedenkstätte Hohenschönhausen heißt es: „Knabe versicherte, die Gedenkstätte werde dafür Sorge tragen, dass aus den Vorwürfen alle notwendigen Konsequenzen gezogen würden. Bereits im April 2018 habe er Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, als er von den anonymen Beschwerden gehört hätte. Das Ermittlungsverfahren sei im August eingestellt worden, da laut Staatsanwaltschaft der für eine Anklageerhebung erforderliche hinreichende Tatverdacht nicht gegeben sei.“

In ihrem Brief schrieben die betroffenen Frauen: „Wir sind sehr in Sorge, dass möglicherweise weitere Frauen Ähnliches erleben müssen. (…) Daher möchten wir Sie (also Grütters und Lederer, die Redaktion) anfragen, was Sie tun können, die beschriebenen Muster (des Ausnutzens) von männlicher Macht gegenüber Frauen einzuschränken und zu verhindern.“ (BLZ)