Potsdam - Der Vorwurf wiegt schwer, allerdings ist es bislang nur ein Vorwurf. Andreas Kalbitz, dem Vize-Fraktionschef der Alternative für Deutschland (AfD) im Potsdamer Landtag, wird vorgehalten, dass er sich bei einer Veranstaltung des Parteinachwuchses den noch minderjährigen Gästen in sexueller Absicht genähert haben soll.

„Uns liegt eine Strafanzeige vor“, sagte Markus Nolte, Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft. Die Anzeige sei anonym. Über Details wollen die Ermittler beim derzeitigen Stand der Untersuchungen nichts sagen. „Denn es handelt sich um Vorprüfungen, bei denen untersucht wird, ob gegen den Beschuldigten überhaupt ein Anfangsverdacht vorliegt“, sagte Nolte. Erst wenn dies der Fall wäre, würde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

"Völlig haltlos"

Kalbitz selbst bestreitet die Vorwürfe. „Die Sache ist völlig haltlos“, sagte der 44-Jährige der Berliner Zeitung.

Die Vorwürfe beziehen sich auf eine Veranstaltung am 1. August 2015, bei der Kalbitz in seiner Funktion als Stellvertreter von Fraktionschef Alexander Gauland bei einem Kongress der Parteijugend dabei war. Bei der Party danach waren etwa ein Dutzend junge Leute anwesend, einige wohl auch unter 18 Jahren. Dort soll sich Kalbitz jemandem sexuell genähert haben.

„Einige hatten Angst“

Parteiintern sind die Vorwürfe schon länger bekannt. Ein entsprechendes Schreiben wurden anonym an viele Mitglieder verschickt – auch an Parteichef Gauland. In dem Brief empören sich Eltern eines jugendlichen Mitglieds der Jungen Alternative über die sexuelle Annäherung. Sie schreiben, die Jugendlichen hätten sich nicht getraut, über den Vorfall zu reden. „Einige hatten Angst, sich sofort zu offenbaren“, heißt es, denn Kalbitz sitze im Landtag und habe einen hohen Posten in der AfD.

Kalbitz sagte dazu, dass er, als er das Schreiben erhalten hat, sofort eine Anzeige wegen Verleumdung bei der Staatsanwaltschaft gestellt hat. „Das habe ich bereits am 19. Dezember getan“, sagte er. Er habe auch mehrere eidesstattliche Erklärungen von Teilnehmern der Veranstaltung mitgeschickt, dass es keine strafbaren sexuellen Handlungen gegeben habe. „Ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft die Sache vollumfänglich aufklärt.“

Gauland hält zu Kalbitz

Parteichef Gauland sagte: „Ich beschäftige mich grundsätzlich nicht mit anonymen Beschuldigungen. Wer solche schwerwiegenden Vorwürfe anonym erhebt, macht sie sehr zweifelhaft.“ Er arbeite mit Kalbitz seit langem zusammen und habe keinerlei Kritik an ihm.

Kalbitz ist gebürtiger Münchner und lebt in Königs Wusterhausen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit März 2013 ist er in der AfD – Mitgliedsnummer 573. Nach eigenen Angaben war er zuvor bei der Jungen Union der CSU, dann für zwölf Monate bei den als rechtsradikal eingestuften Republikanern und dann wieder bei der CSU. Er war 14 Jahre lang bei der Bundeswehr als Fallschirmjäger, studierte dann Informatik und arbeitete für Verlage.