Sexueller Missbrauch: 28 Mitarbeiter der Kirche unter Verdacht

Berlin - Im Erzbistum Berlin sind seit dem Jahr 2002 insgesamt 28 Kleriker, Ordensangehörige sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. Das geht aus einem Zwischenbericht hervor, den die katholische Kirche jetzt vorlegte.

Seit dem Jahr 2010, als die enorme Anzahl von Missbrauchsfällen am Canisius-Kolleg in Tiergarten bekanntwurde, hat die Kirche in Berlin ein System zur Prävention und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen etabliert. Dazu gehört, dass Ansprechpersonen benannt wurden, die sich mit Verdachtsfällen befassen, Anträge auf Entschädigungszahlungen bearbeiten und Auskunft über Vorwürfe und Ergebnisse über entsprechende Untersuchungen geben.

Die Vorwürfe gegen Geistliche und Bistumsmitarbeiter gehen bis auf das Jahr 1947 zurück, viele Beschuldigten sind bereits verstorben. Verdachtsfälle auf sexuellen Missbrauch werden seit 2002 systematisch erfasst.

Zurzeit laufen in sieben Fällen staatliche oder kirchliche Ermittlungsverfahren. Darunter sind auch Fälle, über die die Berliner Zeitung berichtet hat. In Hohenschönhausen wie auch in Reinickendorf waren Priester aus dem Gemeindedienst genommen worden.

Mutmaßlicher Täter verurteilt

Die katholische Kirche hat sich vor Jahren bereiterklärt, das Leid, das Opfern sexuellen Missbrauchs durch Funktionsträger der Kirche zugefügt wurde, durch eine finanzielle Entschädigung formal anzuerkennen. Wie die Beauftragten mitteilen, wurden 14 Anträge auf Leistungen gestellt. Zwölf seien bereits bewilligt worden. Wie die Kirche mitteilt, seien insgesamt 55 000 Euro ausgezahlt worden.

Nach Bekanntwerden der Fälle hatten sich vermehrt Missbrauchsopfer mit Anschuldigungen an die Kirche gewendet. Das Erzbistum war beschuldigt worden, Vorgänge zu vertuschen, Priester nur zu versetzen und sich dadurch mitschuldig zu machen.

Jetzt wurde bekannt, dass das Kirchengericht einen mutmaßlichen Haupttäter bei den Missbrauchsfällen am Canisius-Kolleg verurteilt hat. Der heute 72-jährige Jesuitenpater sei auf Lebenszeit vom Priesterdienst ausgeschlossen worden, sagte Erzbistums-Sprecher Stefan Förner. Der Geistliche habe das Urteil akzeptiert und eine erste Rate der Geldstrafe in Höhe von 4 000 Euro an einen Fonds für Opfer bezahlt. Straf- und zivilrechtlich sind die Taten verjährt.