Berlin - Der Polizist, der am Donnerstag wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern vom Dienst suspendiert wurde, war bereits vor acht Jahren im Visier der Staatsanwaltschaft. Am Donnerstagvormittag hatten Polizisten die Treptower Wohnung und den Arbeitsplatz ihres Kollegen durchsucht.

Dem 52-jährigen Beamten des für Schöneberg Süd und Friedenau zuständigen Abschnitts 42 wird dieses Mal schwerer sexueller Missbrauch von zwei 13-jährigen Jungen und einem Jugendlichen vorgeworfen. „Wir haben zwei Rechner und andere Datenträger sichergestellt, die jetzt ausgewertet werden“, sagte Martin Steltner von der Staatsanwaltschaft. „Der Mann bestreitet die Vorwürfe.“ Kinderpornos oder Ähnliches sei auf den Rechnern bislang nicht gefunden worden. Die Auswertung der Festplatten ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Die Eltern eines der mutmaßlichen Opfer hatten den Missbrauch am späten Mittwochabend bei der Polizei angezeigt. Sie waren zuvor von ihrem älteren Sohn informiert worden. Er soll sich darüber gewundert haben, dass sein kleiner Bruder ein neues iPhone hatte und nicht nachvollziehbar erklären konnte, woher es stammte. Schließlich soll sich der Kleine offenbart haben. Die Polizei verweigerte am Freitag Angaben darüber, warum sich die Ermittlungen auf drei Opfer beziehen.

Gegen den Beamten war bereits im Jahr 2005 ermittelt worden. Damals wurde ihm einfacher sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen. Die Zeugen widerriefen jedoch ihre Aussage, sodass das Verfahren eingestellt wurde. Zwischen beiden Verfahren gibt es laut Ermittlern eine Verbindung: Damals wie heute sollen die Opfer denselben Familien angehört haben.

Ähnliche Fälle gab es immer wieder. 2009 verurteilte das Berliner Landgericht einen 45-jährigen Polizisten zu dreieinhalb Jahren Haft. Er hatte sich in mehr als 20 Fällen an Jungen im Alter von 13 bis 15 Jahren vergangen.