Die Fassade ist mit Graffiti beschmiert, zerschlagene Fenster sind mit Sperrholz vernagelt: Das Sport- und Erholungszentrum an der Landsberger Allee in Friedrichshain, kurz SEZ, wirkt wenig einladend. So als seien Besucher nicht erwünscht. Doch so ist es nicht, sagt Rainer Löhnitz, der Eigentümer des Hauses: „Das SEZ ist ein Spiegel dieser Stadt, in der es keinerlei Respekt vor dem Eigentum anderer gibt.“ Um dem Vandalismus die Angriffsfläche zu nehmen, lasse er die Schäden einfach nicht mehr reparieren.

Löhnitz, der vor zehn Jahren das marode DDR-Spaßbad für einen symbolischen Euro vom Land Berlin gekauft hat, sieht aber nicht nur sein Haus besudelt – auch er selbst fühlt sich schlecht behandelt. Vom Bezirk, der ihm seit Jahren Steine in den Weg lege: „Alle meine Pläne, die darauf gerichtet sind, das Objekt wirtschaftlich zu betreiben, werden abgeschmettert.“ Tatsächlich hält Friedrichshain-Kreuzberg die Anfrage des Unternehmers, auf dem SEZ-Freigelände einen Stellplatz für Wohnmobile einzurichten, den entkernten Verwaltungstrakt aufzustocken und zum Hostel auszubauen, für nicht genehmigungsfähig. Auch das Vorhaben, hinterm Haus fünf Stadtvillen mit Ferienappartements zu bauen, wird abgelehnt. „Durch die Um- und Neubaupläne würden das Sportgebäude SEZ, die Freifläche und der benachbarte Volkspark negativ beeinflusst“, sagt der Bürgermeister Franz Schulz (Grüne).

Jetzt hat Löhnitz eine dritte Anfrage ins Bauamt geschickt. Diese beinhaltet den Abriss des SEZ. Auf der Fläche des alten Gebäudes will er eine moderne Sportanlage mit Wellness, Hostel und Wohnungen errichten. Löhnitz: „Wenn nichts anderes geht, muss ich etwas Neues schaffen, das wirtschaftlich und am Bedarf orientiert ist.“ Der Abriss wäre für ihn aber nur der letzte Weg – immerhin habe er zehn Jahre seines Lebens und viel Geld in das SEZ investiert.

Als der heute 50-Jährige das SEZ kaufte, verpflichtete er sich, das Haus instand zu setzen und unbefristet als Sport- und Erholungs-Zentrum zu nutzen. Er erneuerte Saunen und Umkleiden, nahm Ballsporthalle und Bowlingzentrum wieder in Betrieb und schuf einen Fitnessbereich. Ein Schwimmbad, wie es viele erhofft hatten, gibt es nicht wieder. Ein Schwimmbad steht auch nicht im Kaufvertrag. Dort ist die Rede von einem Hallenbad. Doch das ist ein juristisch unscharfer Begriff, jeder Hotelpool darf sich so nennen. Im SEZ gibt es drei Pools. Löhnitz: „Eine Schwimmhalle gibt es nur rund 500 Meter entfernt im Europasportpark.“ Er als Einzelunternehmer könnte da wirtschaftlich nicht mithalten.

Ohne Genehmigung möglich

Im Gegensatz zu den Aus- und Neubaumaßnahmen, für die Genehmigungen benötigt werden, müsste Löhnitz den Abriss dem Amt nur anzeigen. Bürgermeister Schulz: „Die neoliberale Berliner Bauordnung will das seit 2005 so.“ Der Verkäufer, der Liegenschaftsfonds im Auftrag des Senats, habe es versäumt, den Bestand des Gebäudes abzusichern. „Zum baulichen Fortbestand des SEZ bestehen keine vertraglichen Verpflichtungen“, heißt es in der Finanzverwaltung. Nutzungsänderungen sind erlaubt. „Der Verkäufer“, so steht es im Kaufvertrag, „wird die Zustimmung zu einer Nutzungsänderung nicht versagen, wenn sie wirtschaftlich geboten oder sinnvoll ist und mit der Wirtschafts-, Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik des Landes Berlin vereinbar ist.“ Genannt werden Hotel, Supermarkt, Tankstelle und Wohnungen. Ohne Zustimmung des Verkäufers, also Berlins, wäre eine Nutzungsänderung möglich, die im Rahmen der Sport-, Wellness- und Erholungsangebote erfolgt. Löhnitz: „Wenn Herr Schulz meine Aus- und Neubaupläne für einen Ferienclub ablehnt, ist das die höchste Form des Amtsmissbrauchs.“

Das sieht Schulz anders. Es sei völlig irrelevant, sagt er, was privatrechtlich vereinbart worden sei: „Für uns als Genehmigungsbehörde gelten nur das Baugesetzbuch und die Baunutzungsordnung.“ Und diese würden die Umbaupläne verbieten. Löhnitz hat Teile des Kaufvertrags ins Internet gestellt (www.sez-berlin.de). Noch präferiert er seine Idee eines Wohnmobil-Stellplatzes. Sollte dies nichts werden, „dann steht der Abriss an“.