Berlin - Radfahrer freuen sich über das Angebot, Fußgänger kritisieren zugestellte Gehwege. In Berlin stehen mehr als 15.000 Mietfahrräder zur Verfügung. Das geht aus Zahlen hervor, die Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) auf eine Anfrage der AfD hin genannt hat. Nach Einschätzung von Beobachtern ist Berlin die deutsche Sharing-Haupstadt.

Das chinesische Unternehmen Mobike bietet rund 7300 Mieträder an, so der Senatspolitiker. Auf dem zweiten Platz folgt Lidl-Bike, das einstige Call-A-Bike der Bahn, mit zirka 3000 Zweirädern. Deezer Nextbike offeriert zirka 2500 gemeinschaftlich genutzte Räder. Als weitere Anbieter nannte Staatssekretär Streese Jump von Uber und Donkey Republic (jeweils tausend Räder), Lime (700) und Byke (50). Die Zahlen schwanken je nach Jahreszeit.

Land Berlin soll Nutzungsgebühren kassieren

Derzeit stehen aber die neuen elektrischen Tretroller im Mittelpunkt der Diskussion. Doch zu den E-Scootern, die Straßen und Gehwege bevölkern, kann der Senat noch nicht viele Angaben machen. Nur so viele: Vier Anbieter seien im Juni gestartet, fünf hätten dies angekündigt oder zeigt Interesse. Lime habe mit Einzelzulassungen für 250 elektrische Tretroller angefangen, hieß es.

Zu den elektrischen Motorrollern heißt es, dass Emmy rund 800 und Coup zirka 1500 Zweiräder dieser Art anbietet. Ab Oktober 2019 möchte auch Felyx E-Motorroller in Berlin bereitstellen.

Und was ist mit dem Carsharing? Es gibt Anbieter, deren Fahrzeuge an Stationen aufgepickt werden müssen – in Berlin seien es 900 Autos der Anbieter Cambio, Flinkster, Greenwheels, Stadtmobil, Ubeeqo und Oply, so der Senat. Anteil der E-Autos: weniger als ein Prozent. Im Free-Floating-Carsharing, bei dem die Autos auf den Straßen verteilt werden, gab es Ende Juni 3100 Fahrzeuge. Weniger als zehn Prozent sind E-Autos. Dank WeShare kamen vor kurzem 1500 elektrische Carsharing-Autos dazu. Als weitere stationslose Anbieter nannte der Staatssekretär DriveNow, car2go, Miles und Sixtshare.

„Es sollte erwogen werden, Gebühren für die Nutzung des öffentlichen Straßenlandes durch Sharinganbieter zu erheben“, sagte der Abgeordnete Frank Scholtysek (AfD). „Es ist nicht einzusehen, warum von der zusätzlichen Verstopfung der Straßen nur die Unternehmen profitieren sollten und nicht auch die Landeskasse.“ Er kritisierte auch, dass der Senat nicht alle Carsharing-Anbieter genannt habe.

Landesregierung müsse sich dringend Übersicht verschaffen

So fehle Robben & Wientjes, wo Transporter nach einem Sharingmodell angeboten würden. „Die Landesregierung muss sich dringend eine Übersicht verschaffen, wer das Berliner Straßenland in welchem Umfang für seine Geschäfte nutzt, um gegebenenfalls regulierend eingreifen zu können", sagte Scholtysek.

Mobilitätsforscher weisen aber darauf hin, dass Sharing-Fahrzeuge wesentlich häufiger genutzt werden als zum Beispiel Privatautos, die die meiste Zeit ungenutzt herumstehen. Damit sei diese Form der Mobilität wesentlich effizienter, was die Nutzung des immer knapper werdenden öffentlichen Raums anbelangt. Zudem sei ihre Zahl im Vergleich zu anderen Fahrzeugen verschwindend gering. In Berlin sind mehr als 1,2 Millionen Pkw zugelassen.