Sicher durch Kreuzberg: Hier entsteht der zweite geschützte Radweg Berlins

Auf der Holzmarktstraße in Mitte wurde Radfahrern bereits ein grüner Teppich ausgerollt. Nun bekommt auch eine wichtige Hauptverkehrsstraße im Westen der Stadt einen Radfahrstreifen, der mit Kunststoffpollern geschützt wird.

„Der Baubeginn auf der südlichen Seite der Hasenheide soll, sofern die Witterungsbedingungen es zulassen, am Montag erfolgen“, sagte Sara Lühmann, Sprecherin des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg, auf Anfrage. Das Projekt bedeutet auch: Autonutzer müssen sich darauf einstellen, dass sie in dieser Straße künftig weniger Platz zur Verfügung haben.

Vom Südstern bis zum Hermannplatz

Wenn alles klappt, soll der neue Schutzbereich für Radfahrer noch in diesem Jahr freigegeben werden. „Genug Unwägbarkeiten gibt es ja immer. Aber wir können ja mal optimistisch sein“, sagte die Sprecherin. Als letzter Schliff wird die Trasse 2019 mit Kunststoff in Verkehrsgrün (RAL 6024) beschichtet. „Die Grünmarkierung wird im nächsten Frühjahr erfolgen, bei trockenen und frostfreien Witterungsbedingungen“, hieß es.

Der geschützte Radstreifen soll wie berichtet vom Südstern bis zur Wissmannstraße am Hermannplatz verlaufen. Er führt in Richtung Neukölln – auf dieser Seite gibt es noch keine Anlagen für den Radverkehr. „Zunächst werden die Poller angebracht, die den Auto- vom Radverkehr abtrennen“, sagt Lühmann.

Die rot-weiß geringelten, 90 Zentimeter hohen Plastikelemente sollen verhindern, dass Autos und Lieferwagen die Radspur befahren oder dort parken. Die Poller werden auf der ein Meter breiten Pufferzone aufgestellt, die neben dem Radfahrstreifen entsteht. Diese schraffierte Fläche hält ebenfalls Autos auf Distanz.

Ein kompliziertes Projekt

„Der geschützte Radfahrstreifen wird zwei Meter breit“, so die Sprecherin weiter. Besonders opulent ist das nicht. Wenn man den nötigen Sicherheitsabstand zu den Pollern und zum Bordstein berücksichtigt, bleibe Radlern nur eine rund anderthalb Meter breite Fahrgasse, bemängelte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Die neue Velotrasse in der Holzmarktstraße misst 3,50 Meter. Doch umgeplant wurde in Kreuzberg nicht. Das Projekt ist für den Bezirk schon kompliziert genug.

Ursprünglich sollte der Bau im Frühjahr 2018 beginnen. Aber zunächst legte die Feuerwehr ihr Veto ein. Die Poller könnten Drehleiterfahrzeuge bei Einsätzen behindern, hieß es. Es könnte auch sein, dass Feuerwehrautos beschädigt werden, wenn sie die Poller überfahren.

Im Sommer war es dann die gute Baukonjunktur, die das Projekt verzögerte. Baufirmen haben genug anderes zu tun. „Für die Hasenheide haben wir leider bei der Ausschreibung kein passendes Angebot erhalten, so dass wir die Leistung nun erneut ausschreiben müssen“, musste Lühmann im September mitteilen.

Am Ende lauern wieder Gefahren

Jetzt steht weiterer Stress an – mit Autofahrern. Denn dort, wo Radler sicher vorankommen sollen, parken heute noch Autos. Zwar werden einige Stellplätze links neben der Velotrasse neu entstehen – aber zulasten einer Fahrspur. Vollkommen für sich werden die Radler auf ihrer neuen Fahrspur nicht sein: Nachtbushaltestellen und Kreuzungsübergänge werden sie unterbrechen.

Und dann sind da noch die Gefahren, wenn sich die Radfahrer wieder in den Verkehr einfädeln müssen. Am Westende des geschützten Radfahrstreifens in der Holzmarktstraße zeigen sich bereits die Risiken.

Dort spaltet sich die Radspur auf und es kommt zu Konflikten, berichtet Denis Petri von Changing Cities. Am Sonnabend um 9.45 Uhr wollen Radfahrer dafür demonstrieren, dass dieser Bereich sicherer wird. „Zu jedem geschützten Radweg gehört auch eine geschützte Kreuzung.“