Berlin - Deshalb laufen die Verträge mit der Wachschutzfirma Prodiac zum Jahresende erst einmal aus. „Wir können den Wachschutz derzeit und womöglich auch perspektivisch nicht mehr finanzieren“, räumte Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD) am Freitag gegenüber der Berliner Zeitung ein. Giffey begründete die Entscheidung damit, dass der Neuköllner Haushalt derzeit mit vier Millionen Euro unterfinanziert sei. Zudem benötige man allein 3,5 Millionen Euro, um den Neubau von drei Schulgebäuden zu planen und vorzubereiten.

Betroffene reagieren empört

„Der Wachschutz an Schulen ist aus unserer Sicht ein Erfolgsmodell“, sagte Giffey. Doch leider sehe Neukölln derzeit keine andere Möglichkeit, als die knapp 700 000 Euro einzusparen, die die Wachschützer jährlich kosten. Die Schulleiter reagierten empört. „Wir sind sehr traurig, dass künftig niemand mehr den Zugang zu unserem weitläufigen Schulgelände kontrollieren soll“, sagte Hartwig Beier, Leiter der Clay-Sekundarschule in Rudow. „Wir werden dann wohl wieder häufiger Gewaltvorfälle melden müssen.“ Seit zwei Wachschützer den Zugang kontrollierten, sei nämlich wieder Schulfrieden eingekehrt. Zuvor seien häufig schulfremde Jugendliche in das langgezogene und von mehreren Seiten offene Gebäude eingedrungen und hätten Streit gesucht. „Selbst während des Unterrichts wurde dann die Tür aufgemacht“, erinnert sich Beier. „Das war ein unfriedliches Lernen.“

Auch Michael Frank, Direktor des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums in Buckow, möchte die Wachschützer keinesfalls verlieren. Bei ihm haben die Ordnungskräfte vor allem die Aufgabe, die Gymnasiasten von der Schule aus zum Sportunterricht in die entlegene Turnhalle zu begleiten. Direkt vor der Turnhalle befinde sich nämlich eine Brache, die zu einem Treffpunkt von Schulschwänzern geworden sei. Von diesen seien die Gymnasiasten oft attackiert worden. „Diese Situation war seinerzeit ein Hauptgrund, um den Wachschutz an Schulen einzuführen“, gibt Schulleiter Frank zu bedenken. Ein weiterer Anlass war die Debatte um die Missstände an der damaligen Rütli-Hauptschule.

Als der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und sein damaliger Schulstadtrat Wolfgang Schimmang (beide SPD) den Sicherheitsdienst an Schulen im Dezember 2007 einführten, ernteten sie vor allem Kritik. Selbst SPD-Innensenator Ehrhart Körting nannte es damals einen „Irrweg“, pädagogische Probleme mittels „paramilitärischer Einheiten“ lösen zu wollen. Auch für SPD-Bildungssenator Jürgen Zöllner waren Wachschützer „grundsätzlich keine Lösung“. Kein anderer Bezirk übernahm das Modell. Die Neuköllner Politiker scheiterten dann auch mit ihrem Vorstoß, sich das Projekt vom Senat finanzieren zu lassen. Tatsächlich ging die Zahl der gemeldeten Gewaltvorfälle an den Schulen mit Sicherheitsdienst deutlich zurück.

Sparen wegen steigender Kosten

Schulstadträtin Giffey moniert nun, dass der Senat dem Bezirk Neukölln jetzt vier Millionen Euro weniger zuweise als dieser pauschal beantragt habe. Ein weiteres Problem im ohnehin noch nicht genehmigten Haushalt sei, dass die Kosten zur Betreuung sozial schwacher Familien im Bezirk weiter ansteigen dürften. Da kein anderer Bezirk Wachschützer an Schulen einsetze, habe das Projekt leider „nicht das beste Standing“.

Meist wurden zwei Sicherheitsleute an einer Schule eingesetzt. „Uns war wichtig, dass es wenig Fluktuation gab und unsere Wachleute ein Vertrauensverhältnis zu den Schülern aufbauen konnten“, sagte Jan de Roo, Geschäftsführer der Firma Prodiac mit Sitz in Bielefeld. Giffey ließ offen, ob es eine erneute Ausschreibung geben wird.