Selten wird Berlin so voller Menschen sein wie in den nächsten Tagen. Über 200.000 Menschen werden ab Mittwoch die Veranstaltungen des Evangelischen Kirchentages besuchen. Dabei gilt die oberste Terrorwarnstufe, ganz besonders wenn der einstige US-Präsident Barack Obama am Donnerstag seine Rede am Brandenburger Tor halten wird. Ist wegen des Anschlages in Manchester gar eine neue Sicherheitslage entstanden?

„Wir haben am Dienstagmorgen sofort mit den Sicherheitsbehörden und der Polizei telefoniert“, sagte Jutta Winkler von der Pressestelle des Deutschen Kirchentages. „Man hat uns mitgeteilt, dass sich die konkrete Sicherheitslage nicht geändert hat.“ Die permanente Kontrolle der bekannten Gefährder laufe normal weiter.

Ohnehin sind die Sicherheitsvorkehrungen so strikt wie noch nie bei einem Kirchentag, „Bei unseren größeren Veranstaltungen wird es erstmals Taschenkontrollen geben“, sagte Jutta Winkler. Dafür wurden zahlreiche ehrenamtliche Helfer extra geschult. Insgesamt sind in den nächsten Tagen aber auch 6000 Polizisten im Einsatz.

Warnung vor Mega-Staus

Tatsächlich sind die Sicherheitsbehörden durch die aktuelle Propaganda der IS-Terrormiliz beunruhigt. In dem Internet-Magazin „Rumiyah“ wurde im Mai zu Anschlägen auf Konzerthallen von „Ungläubigen“ aufgerufen. Als Anschlagsziele werden aber auch Straßenfeste oder Paraden genannt.

Beim Straßenfest des Kirchentages rund um die Straße des 17. Juni gilt das Sicherheitskonzept der Fanmeile, alles ist weiträumig umzäunt, an den Eingängen finden Sicherheitskontrollen statt. Der gesamte Innenstadtbereich rund um den Tiergarten ist deshalb gut drei Wochen für Autos gesperrt. Der ADAC warnt vor massiven Staus, zumal Familien die schulfreien Tage für Kurztrips nutzen dürften.

Viele Zivilpolizisten

Zudem werden der Brückentag am Freitag und ganz besonders das DFB-Pokalfinale zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund am Sonnabend noch einmal Zehntausende Menschen zusätzlich in die Stadt bringen. Man kann schon mal ausprobieren, was eine wachsende Stadt bedeutet. BVG und S-Bahn haben sich ab Mittwoch auf 200.000 zusätzliche Fahrgäste pro Tag eingestellt. Die Betriebszeiten werden verlängert, die Taktfolgen dichter und größtmögliche Zuglängen eingesetzt, teilten beide Verkehrsbetriebe mit.

Die Bundespolizei wird insbesondere die großen Bahnhöfe absichern. „Neben der deutlichen Präsenz von Uniformierten haben wir auch viele Zivilpolizisten im Einsatz“, sagte Jens Schobranski, Sprecher der Bundespolizei. Als Unsicherheitsfaktor gelten dabei insbesondere die Fans des DFB-Pokalfinalisten Eintracht Frankfurt, die erst im Februar für heftige Randale gesorgt hatten, als sie eine Kneipe von Hertha-Fans in Moabit attackiert hatten.

Obama ist kein Staatsgast

Es kam zu einer Straßenschlacht, 96 Eintracht-Fans nahm die Berliner Polizei schließlich fest. „Die Frankfurt-Fans haben leider nicht viele Freunde in der Szene“, heißt es bei der Bundespolizei.

Einen enormen Sicherheitsaufwand erfordert aber bereits am Donnerstag der Aufritt von Obama, der am Brandenburger Tor gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Platz nehmen wird. Da Obama kein Staatsgast mehr ist, übernimmt die Berliner Polizei federführend den Schutz, unter anderem mit Präzisionsschützen.

Hotels fast ausgebucht

Wer indes jetzt noch kurzfristig eine Übernachtungsmöglichkeit in Berlin sucht, der dürfte es schwer haben. „Die Berliner Hotels sind nahezu ausgebucht“, sagte Thomas Lengfelder, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes. Mai und Juni seien ohnehin die Monate mit den meisten Buchungen.

Aber angesichts der Großveranstaltungen und des Brückentages am Freitag sei die Nachfrage derzeit enorm. Vereinzelt gebe es noch Zimmer, auch bei Buchungsportalen. „Da kostet dann ein Zimmer schon 200 Euro“, sagte Lengfelder. Das sei immerhin noch unter Londoner Niveau.

Bereits am Sonntag wird es nicht mehr so voll sein

Richtig eng werden dürfte es in den nächsten Tagen vor allem auch im Bereich des Bahnhofes Südkreuz. Denn von dort werden viele Teilnehmer des Kirchentages in die Lutherstadt Wittenberg pendeln. Das wird vor allem am kommenden Sonntag ab 4 Uhr früh der Fall sein.

Denn der Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentages wird nicht in Berlin, sondern in Wittenberg stattfinden. Ab dem frühen Sonntagmorgen pendeln Shuttle-Züge alle zehn Minuten vom Südkreuz nach Wittenberg. Für Berlin heißt das: Die Stadt wird bereits am Sonntag nicht mehr ganz so voll sein.