Berlin - Es gibt sie immer noch: Menschen, die in Bus und Bahn keine Maske tragen. Von Juli bis Ende Dezember haben Sicherheitskräfte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) rund 150.000 Menschen angesprochen, weil sie ohne Mund-Nasen-Bedeckung unterwegs waren. Das sagte Jannes Schwentu, Sprecher des Landesunternehmens, der Berliner Zeitung. Hatte sich das BVG-Personal lange Zeit meist mit Verwarnungen begnügt, reagiert es nun immer öfter streng – mit der schärfsten verfügbaren Sanktion. „Im genannten Zeitraum wurden rund 6100 Vertragsstrafen à 50 Euro verhängt“, so Schwentu. Gut möglich, dass die härtere Gangart den positiven Trend verstärkt habe: „Die Maskendisziplin ist deutlich gestiegen.“

Mund und Nase bedecken – schon aus Eigeninteresse

Eigentlich ist die Sache klar: Wer im Nahverkehr eine Maske aufsetzt, bewahrt nicht nur andere davor, sich mit Corona anzustecken. Die größte Schutzwirkung kommt dem Maskenträger zu, betonte Professor Kai Nagel von der Technischen Universität Berlin. Er hat herausgefunden, dass das Infektionsrisiko auf zehn Prozent sinkt, wenn man in Bus und Bahn eine FFP2-Maske trägt. „Die Einhaltung der Maskenpflicht nützt mir noch mehr als den anderen“, folgerte Nagel. Schon aus Eigeninteresse sollte man sich daran halten. Aber auch die anderen Fahrgäste profitieren, wenn auch in etwas geringerem Maße, weil Atemluft seitlich, über oder unter der Maske entweichen kann.

Seit dem 27. April 2020 gilt in Berlin die Pflicht, im Nahverkehr Mund und Nase zu bedecken. Am 7. Juli legte die BVG fest, dass Maskenmuffel ab sofort mit einer Vertragsstrafe in Höhe von 50 Euro belegt werden dürfen. Damit war sie das erste Verkehrsunternehmen in Deutschland, das eine solche Sanktion ermöglichte. Seitdem sind die rund 250 unternehmenseigenen Sicherheitskräfte und die beauftragten Mitarbeiter der Wisag befugt, die Strafe zu verhängen. Bei ihren Kontrollgängen sollen sie prüfen, ob „Schnutenpullis“ getragen werden.

Viele Fahrgäste ärgern sich allerdings darüber, dass die Pflicht weiterhin zu oft verletzt wird. Ihnen erscheinen die offiziellen Zahlen, wie oft Maskenmuffel angesprochen und sanktioniert werden, im Vergleich zum Fahrgastaufkommen niedrig. Doch die BVG zieht achteinhalb Monate nach dem Beginn der Maskentragepflicht eine positive Bilanz. Denn inzwischen habe sie sich immer weiter herumgesprochen, so Schwentu. „Die Maskendisziplin stieg auf zuletzt 97 bis 98 Prozent.“

Nur noch halb so viele Fahrgäste wie vor einem Jahr

Im vergangenen August hatte BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt einen Durchschnittswert von 90 Prozent gemeldet, im Spätherbst waren es 95 Prozent. Das Sicherheitspersonal müsse nicht mehr so oft wie früher Fahrgäste ansprechen, berichtete der Sprecher. Dafür reagiere es häufiger mit Vertragsstrafen – weil die verbliebenen Maskenmuffel oft unbelehrbar wirken. „Gegen sie gehen wir nun schärfer vor“, bekräftigte Schwentu. Im Dezember war von 7000 Vertragsstrafen die Rede gewesen, doch diese Zahl wurde korrigiert.

Die Corona-Krise hat dem Nahverkehr stark zugesetzt. Während die Straßen aufs gesamte Jahr gerechnet kaum leerer geworden sind und der Radverkehr sogar zunahm, meiden viele Menschen bis heute Bus und Bahn. Frühere Pendler arbeiten im Homeoffice, andere fahren aus Angst vor einer Ansteckung Auto. Viele Menschen, die während des ersten Lockdowns Spaß am Radfahren gefunden haben, sind ihrem Zweirad treu geblieben.

Die Auswertung der Fahrgastzahlen für 2020 ist noch nicht abgeschlossen, sagte der BVG-Sprecher. „Doch wir gehen davon aus, dass die Zahl der Fahrgastfahrten im Vergleich zum Vorjahr auf rund 65 Prozent gesunken ist.“ Wie berichtet, rechnet man damit, dass sie sich knapp unter 730 Millionen einpendelt. 2019 war dagegen ein Rekord erzielt worden: 1,125 Milliarden Fahrgäste. Momentan liege die Nachfrage ungefähr bei der Hälfte des Aufkommens, das die BVG in den entsprechenden Vorjahreszeiträumen verbucht hat, hieß es.

Inzwischen hat die BVG damit begonnen, eine der ersten Anti-Corona-Maßnahmen in Berlin rückgängig zu machen. Am 11. März 2020 sperrte sie in allen Linienbussen den Vordereinstieg. Damit das Fahrpersonal vor Ansteckung geschützt wird, müssen die Fahrgäste seitdem hinten einsteigen. Doch nun gehen die vorderen Türen wieder für die Kundschaft auf. „Auf den Linien 249, 309, 310, 296 und 396 ist das bereits so“, sagte Jannes Schwentu. Für viele Fahrgäste ist es ein kleiner Schritt zurück zur Normalität.