Berlin - Ende August inspizierten Beamte des Landeskriminalamtes und der Senatsinnenverwaltung gemeinsam mit Vertretern der US-Botschaft das weitläufige Areal der John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf. Während dieser von der Bildungsverwaltung veranlassten Sicherheitsbegehung überprüften Experten, wie die Eingänge in die verschiedenen Schulgebäude gesichert sind und ob das Gelände überhaupt hinreichend geschützt ist.

Das Ergebnis: Die dortigen Sicherheitsvorkehrungen reichen längst nicht mehr. Denn nicht ausgeschlossen ist, dass die deutsch-amerikanische Schule mit ihren über 1500 Schülern ins Visier von Terroristen geraten könnte. „Wir haben hier ja auch Kinder von Botschaftsangehörigen“, sagt Steffen Schulz, der neue Oberstufen-Schulleiter.

Vorschläge des LKA liegen vor

Nun werden in Abstimmung mit dem Landeskriminalamt (LKA) und der US-Botschaft neue Sicherheitsmaßnahmen entwickelt. Der Zeitpunkt dafür ist günstig: Die Kennedy-Schule soll in den kommenden Jahren ohnehin umfangreich saniert und umgebaut werden. Gut 28 Millionen Euro sind allein für die Sanierung vorgesehen. Nirgendwo soll mehr Geld im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive in den kommenden Jahren verbaut werden.

Erste Vorschläge des LKA liegen bereits vor. Dabei wird es darum gehen, die teils offen zugänglichen Grundstücksgrenzen zu schließen. Zudem soll es eine Zutrittskontrolle der Zugänge geben. Hier hat das LKA nach Informationen der Berliner Zeitung bereits konkret angeregt, Sicherheitsdrehkreuze an Eingängen aufzustellen, die mittels Chipkarte oder vom Sicherheitspersonal her freizuschalten sind. Vor allem am Haupteingang. Bisher gibt es Wachschutz nur an einzelnen Neuköllner Schulen, um dort schulfremde Personen abzuhalten.

Bewegungsmelder und Licht

Auch weisen die LKA-Fachleute darauf hin, dass es derzeit keine Einbruchssicherung am Schulgebäude gibt. Ebenso mahnen sie ein verlässliches Schlüsselmanagement an. Die Schlüssel sollen an zentraler Stelle sicher verwahrt und kontrolliert entnommen werden. „Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Schlüssel in die falschen Hände geraten“, sagt ein Sicherheitsexperte.

Für abends und nachts wird eine Sicherheitsbeleuchtung der Schulgebäude erwogen, die auf Bewegung reagiert. Zudem wünscht sich die Schule eine Video- und Gegensprechanlage an der Schranke und am Haupttor, um den Zugang besser zu kontrollieren. Dies empfehlen auch die LKA-Beamten. Die bilinguale Kennedy-Schule hat jeweils einen deutschen und einen amerikanischen Direktor. Im Direktorium der 1960 gegründeten Schule sitzt auch ein Vertreter der US-Botschaft. Er hat Vetorecht.

Die Bedeutung der Schule ist gerade weiter aufgewertet worden. Nach Beschluss der Schulkonferenz wird die Einrichtung ab dem Schuljahr 2018/19 zentral vom Senat verwaltet, der Bezirk Steglitz-Zehlendorf scheidet als Schulträger aus. „Wir wissen das große Interesse Berlins, die John-F.-Kennedy-Schule stärker zu unterstützen, sehr zu schätzen“, sagte Jeff Hovenier, amtierender Gesandter der US-Botschaft. Mit Spannung wird nun der neue, von Donald Trump ernannte Botschafter Richard Grenell erwartet. Lehrer der Kennedy-Schule hoffen darauf, dass er der Schule weiter die bisher übliche Autonomie lässt. Ebenfalls künftig vom Senat verwaltet wird das Französische Gymnasium in Tiergarten. „Wir werden die Schulen in ihrer Einzigartigkeit und gesamtstädtischen Bedeutung stärken und Themen wie Sicherheitsvorkehrungen zügig angehen“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Tatsächlich gibt es auch an dem Französischen Gymnasium, wo der Großteil der muttersprachlichen Lehrer vom französischen Staat bezahlt wird, ein Sicherheitsproblem – freilich eines der etwas anderen Art. Hier sind es Junkies und Prostituierten vom nahen Drogenstrich an der Kurfürstenstraße, die für Unsicherheit sorgen. Deshalb hat Mittes Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) rund um das Areal der ältesten öffentlichen Berliner Schule einen mit dem Denkmalschutz abgestimmten Stahlzaun errichten lassen. Das 1,80 Meter hohe Konstrukt hat gut 57.000 Euro gekostet. „Mit dem Zaun soll unterbunden werden, dass schulfremde Personen das Schulgelände betreten“, sagte Spallek. „Dazu gehören auch Prostituierte und deren Freier.“ Er erwarte zudem, dass dabei entstehende Verschmutzungen des Schulgeländes künftig entfallen, so der Stadtrat.

Verdrängung möglich

Auch an dieser Schule übernimmt ab dem nächsten Schuljahr der Senat die Verantwortung.: „Es ist ein starker Beweis für den Willen der Stadt Berlin, ihr internationales Bildungsangebot zu vertiefen“, sagte Anne Marie Descotes, die französische Botschafterin in Berlin. Das Französische Gymnasium besuchen gut 1000 Schüler, darunter viele frankophone Muttersprachler. Die Bildungsverwaltung setzt sich seit Jahren dafür ein, die Fremdsprache Französisch als wichtige EU-Sprache zu stärken.

Die Gegend um den Straßenstrich wird derzeit durch einige Immobilienprojekte aufgewertet. Womöglich werden dadurch die Prostituierten und ihre Freier eines Tages von hier verdrängt werden. Bis dahin braucht die Schule Schutz.