Die Berliner Polizei fahndet seit Mittwochabend nach einem Strafgefangenen. Der 52-jährige Mann war in der Sicherungsverwahrung in Tegel untergebracht. Er hatte an dem Tag von 18 bis 22 Uhr genehmigten Ausgang und war nicht wieder zurückgekehrt, sagte ein Sprecher der Justizverwaltung auf Anfrage. Laut Justizsenator Dirk Behrendt sollte er an einer Therapie teilnehmen.

Von dem Insassen, dessen Identität nicht bekanntgegeben wurde, könnte eine Gefahr ausgehen, hieß es am Donnerstag aus Polizeikreisen. Denn der Mann war nach Angaben der Justizverwaltung 2001 wegen Vergewaltigung, Körperverletzung und Raub zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er war am 7. Juli 2011 in Sicherungsverwahrung genommen worden. Seit Juni 2016 wurden ihm begleitete Ausgänge gewehrt. Im Januar 2018 durfte er erstmals unbegleitet die Haftanstalt verlassen.

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) äußerte sich im Plenum des Abgeordnetenhauses am Donnerstag zu dem Fall: „Der Mann hatte zuvor 191 unbegleitete Ausgänge. 191 Mal ist er zurückgekommen. Die Fahndung läuft. Wir werden alles daran setzen, dass wir ihn zurückbringen.“

Behrendt plant offenen Vollzug für Sicherungsverwahrte

Die Flucht des Mannes kommt für Behrendt zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Erst am Dienstag hatte der Justizsenator bekanntgegeben, dass man einen offenen Vollzug für Sicherungsverwahrte in der Nähe der Justizvollzugsanstalt Tegel plane.

Die Opposition nutzte die aktuelle Nachricht für mehrere kritische Fragen zu Behrendts aktuellem Projekt. Was, wenn ein Sicherungsverwahrter auf Ausgang straffällig würde? Das Bundesverfassungsgericht sei der Auffassung, so Behrendt, dass „wir auch denjenigen, die ganz, ganz schwere Straftaten begangen haben irgendwann, nach einem sehr langen Zeitraum, noch einmal eine Perspektive geben, die Freiheit wieder zu erreichen.“

Die Entscheidung über die Dauer einer Sicherungsverwahrung wird individuell von einem Gericht überprüft. Dies geschieht einmal im Jahr.