Sicherungsverwahrte sollen nach der Haftstrafe außerhalb der Mauern leben können.
Foto: dpa

BerlinDieses Projekt hat das Zeug zu einem handfesten Aufreger: Berlins Justizsenator Dirk Behrendt möchte die Sicherungsverwahrten – jene Straftäter also, die die Richter auch nach Verbüßung ihrer Haftstrafe für gefährlich halten – rauslassen.

Straftäter in den offenen Vollzug

Er will diese Schlimmsten der Schlimmen, die meisten von ihnen sind Sexualstraftäter, in den offenen Vollzug lassen. Das heißt, sie sollen tagsüber draußen arbeiten können und abends in den Knast zurückkehren. Nur, dass sie in diesem Fall nicht etwa hinter hohe Mauern oder Gitter zurückmüssten. Nein. Ihre Einrichtung der JVA Tegel soll außerhalb der Gefängnismauern sein.

Wir machen das nicht, um Sympathiepunkte zu sammeln, sagt Justizsenator Dirk Behrendt. Das hätte der Grünen-Politiker nicht eigens anmerken müssen. Denn es gibt kaum eine Entscheidung, die weniger populär wäre. Denn mal ehrlich: Solche Nachbarn möchte keiner gerne haben.

Jeder hat das Recht auf Resozialisierung

Daran ändert auch nichts, dass Behrendt juristisch recht hat. So unangenehm es auf den ersten Blick klingen mag, so ist es doch richtig: Auch diese Täter müssen einmal freikommen. Jeder hat das Recht auf Resozialisierung. Niemand in diesem Land soll sein ganzes Leben in Gefangenschaft verbringen müssen. Und auch: Niemand soll in Gefangenschaft sterben müssen. Wenn also eine Freilassung, selbst aus der Sicherungsverwahrung, ansteht, ist es richtig, diese Menschen im offenen Vollzug darauf vorzubereiten.

Aber bitte, Senator Behrendt, der offene Vollzug muss nicht außerhalb der sicheren Mauern von Tegel stattfinden! Eine interne Lösung wäre politisch klug – auch wenn es für den Sympathiepreis wohl immer noch nicht reichen würde.