Doreen Bär ist Ansprechpartnerin für Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen.
Foto: SenBJF

BerlinNoch ziemlich neu und aufgeregt, aber mit klaren Zielen: Nachdem sie am 1. April ihre Stelle im Beschwerdemanagement der Senatsschulverwaltung antrat, hat sich die neue Anti-Mobbing-Beauftragte der Senatsschulverwaltung Doreen Beer am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt und einen Einblick in die Arbeit der ersten fünf Monate gegeben. Mobbing an Schulen ist in Berlin – wie überall – ein großes Problem. Vor allem denkt man dabei an Schülerinnen und Schüler, die sich gegenseitig mit Worten oder auch körperlich plagen.

Doch Beers Arbeit war zunächst, wie könnte es anders sein, durch Corona und die Sommerferien geprägt und eingeschränkt. Nur ungefähr 40 Meldungen habe sie bisher erhalten, berichtete sie. Und überwiegend sei es um Schülerinnen und Schüler gegangen, die selbst oder deren Eltern den Eindruck hatten, eine Lehrkraft schikaniere sie. Beer führt das darauf zurück, dass die Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Monaten mit ihren Lehrkräften viel mehr zu tun hatten als mit ihren Mitschülern.

Beer ist theoretisch und praktisch sehr bewandert, sie ist unter anderem studierte Psychologin und systemische Familientherapeutin. In den vergangenen vier Jahren arbeitete sie in Marzahn-Hellersdorf für ein Projekt, das Kindern und Jugendlichen hilft, die aus Angst oder anderen Gründen nicht mehr in die Schule gehen. Auch ihre neue Aufgabe gehe sie wegen ihres Backgrounds „systemisch“ an, berichtete Beer: „Es geht mir nicht darum, auf ‚Täter‘ und ‚Opfer‘ zu schauen, sondern auf die Systeme, zu denen sie gehören: Klasse, Schule und auch Gesellschaft“, sagte Beer.

Sie sehe ihre Stelle als ein Warnsystem, das aufzeigen könne, was im Berliner Schulbereich nicht funktioniert – und zum Beispiel dazu führt, dass Betroffene den Eindruck haben, ihnen werde in der Schule bei Mobbing nicht geholfen. Klingt abstrakt, ist es in der Praxis aber nicht, verspricht Beer: „Ich begleite jeden einzelnen Fall, der bei mir ankommt.“ Aus der Erfahrung, die sie dadurch sammelt, soll dann ein berlinweites Anti-Mobbing-Konzept entwickelt werden.

Wenn alles klappt, wird Beer außerdem sehr bald Unterstützung bekommen: Wie Senatorin Scheeres bereits vergangenes Jahr ankündigte, soll der Anti-Mobbing-Beauftragten auch bis zu fünf Stunden pro Woche eine schülerische Beratung zur Seite stehen. Beer sagte am Dienstag, sie freue sich auf die Zusammenarbeit: „Vielleicht wären sogar zwei Schülerinnen oder Schüler gut, damit die Auswahl für die Betroffenen größer wird“, sagte sie. Sie hofft, dass schülerische Berater die Hemmschwelle für Betroffene senken, sich zu melden – aber auch, dass sie selbst durch die Zusammenarbeit vom direkten Kontakt in die Lebenswelt von Schülern profitieren kann. Der Landesschülerausschuss teilte auf Anfrage mit, das Thema sei bei einer Unterredung mit Scheeres am Montag besprochen worden. In der kommenden Woche will sich das Gremium darüber einig werden, wer diese Posten besetzt.

Kontakt zur Anti-Mobbing-Beauftragten für Schulen:

Email: doreen.beer@senbjf.berlin.de                                                                                                        Telefon: 030 902275452                                                                                                                                  www.berlin.de/sen/bjf/service/qualitaets-und-beschwerdemanagement/