Die einen wollen mit Wolkenkratzern hoch hinaus, andere schlagen den Bau von Gebäuden vor, die so aussehen, als würden sie nach hinten wegkippen – die Vorschläge der sieben Architekturbüros zur künftigen Gestaltung des ehemaligen Grenzübergangs Checkpoint Charlie sind zwar teils spektakulär, doch vermag keiner die Berliner einhellig zu überzeugen. Am Montag befasste sich ein Obergutachtergremium mit den Vorschlägen sowie den Kommentaren der Bürger zu den Entwürfen, die von Donnerstagabend bis Sonnabend eingereicht werden konnten. Dabei zeigte sich: Die sieben präsentierten Entwürfe polarisieren.

Besonders umstritten ist der Entwurf des Büros David Chipperfield, nach dem ein 90 Meter hohes Hochhaus direkt über der Friedrichstraße errichtet werden soll. Während die Befürworter den Vorschlag als „atemberaubend, elegant, kraftvoll“ beschreiben, lehnen die Gegner das Gebäude als „zu hoch“ ab. Die Kritiker bemängeln, dass mit dem Turmbau die Sichtachse auf der Friedrichstraße zerstört werde.

Am Entwurf des Architekturbüros Graft, nach dem an der Friedrichstraße zwei massive Gebäude errichtet werden sollen, die so aussehen, als würden sie nach hinten wegkippen, scheiden sich ebenfalls die Geister. „Ungewöhnlich, markant“ loben die Befürworter. Kritiker indes bemängeln, dass die monumentale Bebauung dem Ort nicht gerecht werde.

Im Entwurf des Architekturbüros Hild und K, nach dem ein knapp 90 Meter hoher Wohnturm und ein rund 60 Meter hohes Hotel entstehen sollen, sehen die Befürworter eine „interessante Figur“. Die Kritiker dagegen bemängeln, dass die vorgeschlagene Bebauung „zu unruhig“ und „unpassend im Stadtbild“ sei. Interessant fällt das Urteil zum Vorschlag des Architekturbüros Sauerbruch Hutton aus, das sich mit einer rund 37 Meter hohen Bebauung noch am ehesten in die vorhandene Stadtstruktur einfügt. „Schlicht, ruhig, zurückhaltend“, loben die Befürworter. Die Kritiker sehen genau darin den Nachteil: „Nicht mutig, zu sachlich, zu nüchtern“, lautet ihr Urteil. 

Berlin hat das Vorkaufsrecht

Rund 300 Besucher hatten sich die sieben Entwürfe angesehen. Knapp 100 von ihnen hatten sich dazu geäußert. Neben der Bewertung der eingereichten Entwürfe gab es auch Kritik am Verfahren. So wurde etwa die Frage aufgeworfen, warum nur sieben Architekturbüros ausgewählt wurden. Als „Grundfehler“ stuften Kritiker zudem den Verkauf der Flächen in den 90er-Jahren ein und forderten den Rückkauf der noch unbebauten Areale. 

Nach dem Mauerfall hatte das Land Berlin die Grundstücke an die US-amerikanische Central European Development Corporation (CEDC) verkauft. Sie wollte ein American Business Center errichten. Von fünf Gebäudeblöcken wurden jedoch nur drei realisiert. Die übrigen Grundstücke landeten beim Insolvenzverwalter. Der Investor Trockland, der nun am Checkpoint Charlie bauen will, erwarb die auf den Flächen lastenden Grundschulden in Höhe von rund 90 Millionen Euro für 75 Millionen Euro – und ließ sich als Erwerber im Grundbuch vormerken. Eigentümer der Grundstücke ist Trockland aber noch nicht. Das Land Berlin hat für die Flächen ein Vorkaufsrecht.

Klare Kante gegen den Investor

Trockland will östlich und westlich der Friedrichstraße ein Hotel, Büros, Geschäfte und Wohnungen bauen. Außerdem soll ein Museum entstehen, das an die Geschichte des Ortes und den Kalten Krieg erinnert.
Die Umstände, unter denen Trockland das Museum errichten will, werfen Fragen auf. So verständigten sich der Investor und das Land Berlin im Voraus in einer Absichtserklärung darauf, dass für die bis zu 3000 Quadratmeter große Museumsfläche eine Miete von 25 Euro je Quadratmeter gezahlt werden soll. Schon der erste Erwerber der Flächen hatte sich jedoch laut Grundstückskaufvertrag dazu verpflichtet, eine „angemessene Fläche für eine Open-Air-Mauergedenkstätte unentgeltlich zur Verfügung“ zu stellen. Das geht aus der Antwort der Kulturverwaltung auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Daniel Wesener hervor. 

Wesener fordert nun „eine ambitioniertere“ Planung für den Checkpoint Charlie. Das Land Berlin müsse „klare Kante gegen den Investor“ zeigen. Dabei sollte die Stadt Möglichkeiten ausloten, um das Museum komplett in öffentlichen Besitz zu übernehmen. Mietzahlungen an den Investor würden dann nicht anfallen.

Die CDU warnte unterdessen vor einem Hauruck-Verfahren. Die AfD erklärte, „der alte Checkpoint“ habe „eine moderne Bebauung verdient, die gleichermaßen Platz für pulsierendes Stadtleben und würdiges Gedenken“ biete. Die FDP mahnte, die Bebauung müsse „mit der nötigen Sensibilität“ für diesen Ort erfolgen.